Arbeiten in der Vierten Industriellen Revolution
Automatisierung ersetzt bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Fertigung

Wo bleibt der Mensch in der Welt vernetzter Maschinen und Roboter? Die dreitägige "Jobaktiv"-Messe in der Max-Reger-Halle beleuchtete das Thema in seltener Ausführlichkeit. Hochrangige Wissenschaftler und Experten zeigten auf, wie die Arbeitswelt im digitalen Zeitalter, der Vierten Industriellen Revolution, aussehen könnte.

Organisiert hatte die deutsch-tschechische Großveranstaltung die Arbeitsagentur Weiden gemeinsam mit dem Arbeitsamt Pilsen unter Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit. Über ein Jahr war das Ereignis vorbereitet worden. Wer dabei war, konnte von kompetentester Stelle alle wichtigen Informationen über laufenden und bevorstehenden Veränderungen der Vierten Industriellen Revolution hören. Dass diese längst begonnen hat, darin waren sich die 30 Fachexperten weitgehend einig.

Zu den Höhepunkten des Kongresses zählten die Auftritte des Microsoft-Managers Christian Heilmann. Mit dem Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Professor Dr. Dr. h. c. Joachim Möller kam einer der profiliertesten Wirtschafts- und Arbeitsmarktforscher Deutschlands nach Weiden. Zahlreiche Universitätsprofessoren, Vertreter von Fraunhofer-Instituten, IHK-und HWK-Hauptgeschäftsführer, politische und gewerkschaftliche Prominenz aus Deutschland und Tschechien und zahlreiche Fachexperten richteten ihren Blick in die Zukunft von Arbeit, Wirtschaft und das Bildungswesen. Der Satz "wir leben in einer Transformations-Zeit" vom Dekan der Fakultät Maschinenbau der Universität Pilsen ist kennzeichnend für viele Expertenaussagen. Dass sich elementare Strukturen der Berufswelt durch Vernetzung, digitale Techniken und Sammlung und Auswertung extremer Datenmengen ("Big Data") verändern werden, war ebenfalls unstrittig.

Verfügungsgewalt


Weil sich aber viele offene Fragen noch nicht beantworten lassen, blieb es oftmals bei Wahrscheinlichkeitsaussagen. So ist zum Beispiel heute völlig unklar, wer eigentlich die rechtliche Verfügungsgewalt über die in den vernetzten Systemen gewonnenen Daten besitzt. Ein anderes offenes Thema betrifft die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. Wissenschaftler rechnen mit über 50 Prozent gefährdete oder wegfallende Arbeitsplätze. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liegt hier nur bei 15 Prozent. Weil dies aber vor allem die Fertigungsberufe sind, wurde IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes "hellhörig, weil in der Oberpfalz jeder dritte Arbeitsplatz dazu zählt". Microsoft-Manager Heilmann will den Menschen die Angst vor der Zukunft nehmen, weil vor allem "Arbeitsplätze wegfallen, die krank machen".

"Perfekte Partner"


Einigkeit bestand weitgehend, dass die Ausbildungssysteme angepasst werden müssten. Erforderlich seien "mehr Querschnitts-Qualifikationen, weil die Anforderungen komplexer werden" sagte unter anderem Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler. Dr. Anne-Sophie Tombeil von Fraunhofer Stuttgart fordert "mehr Dienstleistungsfähigkeiten". Fraunhofer-Institutsvertreter Prof. Dr. Alexander Pflaum aus Erlangen plädiert für ein Umdenken und will "in den Betrieben mehr die 20-jährigen mit den Managern zusammenbringen". Zuversicht herrschte bei den tschechischen Teilnehmern. Ing. Zdenek Mužík, Leiter der Regional-Wirtschaftskammer Pilsen, betonte: "Die Pilsener Region hat in Bayern perfekte Partner."
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