Auch das außergewöhnlich attraktive Gewerbegebiet muss marktfähig sein
West IV: Der Preis ist sehr heiß

(Foto: ma)

Weiden-West IV wird das total andere Gewerbegebiet. Viel Grün, bis zu fünfgeschossige Gebäude. Von einem Top-Job-Area schwärmt Planer Reinhard Brodrecht. Und die Stadträte lassen sich anstecken. Allerdings entdecken sie auch den Pferdefuß: Die Kosten laufen davon.

In der fast dreistündigen Sondersitzung beschloss der Bau- und Planungsausschuss einstimmig die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sowie Projektleiterin und Stadtkämmerin Cornelia Taubmann sprachen deshalb von einen wichtigen Meilenstein. Damit ist endlich die Voraussetzung geschaffen, um die Verhandlungen mit dem Grundstücksverkäufer, der Immobilien Bayern, fortzuführen. Diese hat sich bisher geweigert, konkrete Preisvorstellungen zu nennen. Sie machte jedoch klar, dass sie Bauland und nicht nur Wald verkaufe. Für die Stadt besteht damit die Gefahr, dass ihr der Preis davongaloppiert.

Selbst wenn das außergewöhnliche Gewerbegebiet nicht mit den Angeboten in der Region konkurrieren wolle, weil es schlichtweg eine wesentlich höhere Qualität hat, sehen die Stadträte - quer durch alle Fraktionen - die "marktfähige Grenze" bei 60 Euro pro Quadratmeter (wie im Gewerbegebiet Westlich Neustädter Straße) erreicht. Dieses Limit kann West IV kaum halten. Der Preis ist zu heiß. Die Stadt droht, sich mit diesem Projekt die Finger zu verbrennen. Schon jetzt reicht die Preisspange nämlich bis 93 Euro pro Quadratmeter. Projektleiterin Taubmann betonte: "Wenn die Immobilien Bayern den bestmöglichen Preis will, wäre das das Aus für Weiden-West IV."

Dabei hat der Planer schon den Rotstift angesetzt. So bemerkte CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch wohlwollend, dass die "Luchs-Brücke" sowie das Welcome-Center gestrichen sind. Bei der Zufahrt von der B 470 setzt der Planer aus Kostengründen auf ein Provisorium. Kein höhenfreies Kreuzungsbauwerk (acht Millionen Euro), keinen Turbo-Kreisel, nur eine Ampelanlage (500 000 Euro) sieht er vor. Die Grünstreifen seien zu groß, die Straßen zu schmal und damit nicht Lkw-tauglich, kritisierte Stefan Rank (Bürgerliste). Er forderte von den "Projektverantwortlichen", sie sollten den Verkäufern klar machen, dass sie nur Wald zu bieten hätten. Zum Bauland würden die Flächen erst durch die Planungen der Stadt. Zudem erwarte er vom Freistaat, dass er durch einen Preisnachlass die Wirtschaft in der strukturschwachen Region fördere. "Wir mussten viele Kröten schlucken."

Markus Bäumler (CSU) zeigte sich optimistisch. West IV sei ideal für Denkfabriken. "Man sieht, dass man auch ein anderes Gewerbegebiet machen kann", begeisterte sich Reinhold Wildenauer (Bürgerliste). Karl-Heinz Schell (SPD) wähnte gar, dass hier "ein Erholungsgebiet oder eine Seniorenresidenz" geplant werde. Niemand dürfe die Pflegekosten für das viele Grün auf den 40 Meter breiten Notwasserwegen vergessen.
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