Auch in der Oberpfalz deutlich mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer
Vor allem im Bereich Pflege und Soziales

Die Menschen werden immer älter und immer mehr brauchen Pflege. Deshalb wächst in Senioren- und Pflegeheimen auch die Beschäftigtenzahl so stark. Archivbild: sbü

Weiden/Amberg. Druckfrisch sind noch die neuesten Zahlen von Juni 2015 der Bundesagentur für Arbeit (BA) über sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Schon wieder eine neue Rekordzahl, könnte die Schlagzeile auch für die mittlere und nördliche Oberpfalz lauten. Im gesamten Raum von Cham über Schwandorf, Amberg, Weiden einschließlich Tirschenreuth ist innerhalb von zehn Jahren die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 44 600 auf 233 600 angewachsen.

Schon seit 10 Jahren gibt es Zunahmen, besonders kräftig seit dem Jahr 2010. Und das Plus im Beschäftigungswachstum der mittleren und nördlichen Oberpfalz seit dem Jahr 2005 von 23,6 Prozent übertrifft sogar den Gesamtwert für Bayern von 21,4 Prozent. Nur der Großraum Regensburg schneidet mit 27,9 Prozent noch besser ab.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist der höchste Wert, der jemals in dieser Statistik gezählt wurde. Er liegt auch weit über den Zahlen kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, als damals durch Grenzpendler aus Tschechien und die boomende Bauwirtschaft vorübergehend ein hoher Beschäftigungsstand erreicht wurde. Dieser pendelte in den ersten Jahren nach der Grenzöffnung in der mittleren und nördlichen Oberpfalz insgesamt immer im Bereich von Zweihunderttausend. Doch spätestens seit Überwindung der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 führten die Wachstumskräfte kontinuierlich auf das heutige hohe Niveau.

Mehr Teilzeitarbeit


Kritiker führen an, dass vor allem die Teilzeitarbeit zugenommen hat. Tatsächlich entfallen gut zwei Drittel hierauf. Allerdings entspricht ein Teilzeitarbeitsplatz auch oftmals dem Wunsch vieler Frauen, die Kindererziehung und Berufstätigkeit zu kombinieren. Trotzdem gehören beide Geschlechter zu den Gewinnern, denn die Gesamtzunahme der Beschäftigung entfällt fast zu gleichen Teilen auf Männer und Frauen.

Ganz besonders auffallend sind die Veränderungen in der Altersstruktur der Arbeitnehmerschaft. Während die jüngeren Jahrgänge unter 25 Jahren (plus 1300) fast stagnieren wuchsen die Jahrgänge über 50 Jahren im Beschäftigungssystem extrem stark mit plus 34 900 Personen. Demografie und Wegfall von Vorruhestandsregelungen gelten hierbei als Hauptursache. Deutlich zugenommen haben in den vergangenen zehn Jahren auch die Arbeitnehmer mit ausländischem Pass (plus 11 600 auf 16 500), darunter auch rund 6000 Einpendler aus Tschechien. Verbessert hat sich im 10-Jahreszeitraum auch die Qualifikationsstruktur der Beschäftigung. Während sich die Zahl der Akademiker auf rund 15 000 verdoppelt hat, gab es bei den Beschäftigten ohne Ausbildungsabschluss einen Rückgang um 10 000 auf 28 500.

Schwerpunkt Heime


Aussagen darüber, wie sich die Branchenstruktur verändert hat, macht die Statistik der BA für die Zeit zwischen 2010 und 2015. Wegen Umstellung der Systematik sind nur wenige Vergleiche dazu möglich. Generell gilt: Beschäftigungsgewinne gab es fast überall. Besonders auffallend ist die kräftige Zunahme im Bereich Heime und Sozialwesen mit rund 5600 zusätzlichen Arbeitnehmern auf insgesamt 15 600 Beschäftigte. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe, also Handwerk und Industrie, gab es mit insgesamt 81 400 Beschäftigten einen Zuwachs um 8100. Weniger stark war das Wachstum im Handel mit 2300 auf 32 800 und im Gesundheitswesen mit 1000 zusätzlichen Beschäftigten auf 15 600. Zugenommen hat auch der Bereich Arbeitnehmerüberlassung von 4700 Leiharbeitnehmern auf 6200.
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