Aufsichtsrat kritisiert neuen Gesetzentwurf und Krankenkassen - "Bürokratie-Monster"
Kliniken: Schließungen drohen

Eine Katastrophe droht. Sollte der aktuelle Gesetzentwurf zur Reform der Krankenhausversorgung tatsächlich verwirklicht werden, sind sich der Aufsichtsrat und der Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG einig.

Dann müssen Krankenhäuser in der Region geschlossen werden.

Dann muss die Kliniken AG Personal abbauen.

Dann muss das Versorgungsangebot für die Bürger der Region eingeschränkt werden.

In einem Papier zur jüngsten Aufsichtsratssitzung wird vor Millionen-Verlusten gewarnt. So gebe es schon jetzt unter großem Engagement der Mitarbeiter und hohem Ressourcenaufwand jährliche Zertifizierungen. Die Ergebnisse seien hervorragend. Ein vorgesehenes neues System binde zusätzlich in erheblichem Umfang medizinisches und pflegerisches Personal und führe zu einem "Bürokratie-Monster". Folge: Das Personal hat zu wenig Zeit für die Patienten.

Als fatale Weichenstellung wird der Ansatz bezeichnet, dass für eine bessere Behandlung eine bessere Vergütung bezahlt werden soll. Wer rentabel arbeiten will, darf nur noch "gesunde" Patienten behandeln. "Der hochbetagte und von mehrfachen Vorerkrankungen geplagte ältere Mensch, bei dem Komplikationen vorprogrammiert sind, bleibt auf der Strecke", heißt es wörtlich.

Völlig inakzeptabel ist für die Kliniken AG, dass ausgerechnet der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Qualität der Behandlung beurteilen soll. "Dabei von Objektivität auszugehen, ist entweder naiv oder gar nicht gewollt." Die bisherigen Erfahrungen mit dem MDK zeigten leider, dass dort praktisch ausnahmslos "Abrechnungsoptimierung" seitens der Krankenkassen betrieben werde.

Schließlich könnten nach Meinung der Kassen alle Kurzlieger unter drei Tagen in den Krankenhäusern auch ambulant behandelt werden. Der Aufsichtsrat dazu: "Medizinisch absoluter Unsinn." Die Abrechnung der Ein- und Zwei-Tages-Fälle mache bei der Kliniken Nordoberpfalz AG zudem etwa 20 Millionen Euro im Jahr aus.
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