Aus Prozessgegnern werden Partner
Weidener Stromnetz jetzt kommunal

Die "Stromnetz Weiden GmbH & Co. KG" kann loslegen. Den Gründungsvertrag unterzeichneten Stadtwerke-Vorstand Johann Riedl (sitzend, rechts) und der Vorstandsvorsitzende des Bayernwerks, Reimund Gotzel (sitzend, links) im Neuen Rathaus. Bild: Bühner

Es sei fast schon ein kleiner Staatsakt, meinte der Oberbürgermeister: Am frühen Donnerstagmorgen trafen sich die obersten Repräsentanten von Stadt und Stadtwerken mit der Geschäftsführung des Bayernwerks. Ein Vertrag wurde unterzeichnet, der aus Prozessgegnern Geschäftspartner machte: Die Stadtwerke und das Bayernwerk gründen mit Wirkung zum 1. Januar 2016 gemeinsam die "Stromnetz Weiden GmbH & Co. KG".

Der Konsortialvertrag schafft die Basis, das Elektrizitätsverteilnetz der Stadt eigenständig zu betreiben und dafür bei der Bundesnetzagentur angemeldet zu sein. 51 Prozent der Geschäftsanteile gehören den Stadtwerken, 49 dem Bayernwerk. Stadtwerke-Vorstand Johann Riedl und Bayernwerk-Vorstandsvorsitzender Reimund Gotzel unterschrieben das 16-seitige Vertragswerk. Die kaufmännische Betriebsführung der Stromnetzgesellschaft liegt bei den Weidenern, für die Technik ist das Bayernwerk zuständig.

"Mit dieser Zusammenarbeit werden Arbeitsplätze in der Region erhalten und sogar neue geschaffen", betonte OB Kurt Seggewiß, Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtwerke. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit, den Stadt und Stadtwerke gemeinsam gegen das Bayernwerk, vormals Eon, wegen der Lizenzrechte geführt hatten. Eine Klage der Stadtwerke auf Herausgabe des Stromnetzes war beim Landgericht Regensburg eingereicht worden.

Zukunftsweisender Schritt


Rückblickend sagte Gotzel jetzt: "Als ich Vorstandsvorsitzender wurde, habe ich erkannt, Weiden ist für uns die größte und wichtigste Einzelkonzession. Diese kann nur partnerschaftlich betrieben werden." Für die Stadt Weiden bedeute der Vertrag "die Energieversorgung der Zukunft". Begonnen hatten die Verhandlungen "auf neutralem Boden" - im DGB-Haus in Regensburg. Verdi-Geschäftsführer Alexander Gröbner hatte die streitenden Parteien dort zusammengebracht. "Ich hatte Sorge, dass sich die Situation zulasten der Beschäftigten und zulasten der Stromkunden entwickelt", sagte er.

"Das Netz zu betreiben hat für uns wesentliche Bedeutung bei der Gestaltung der Energiewende und insbesondere für die Stromerzeugung aus der Region", stellte Seggewiß fest. Für Vertragspartner Gotzel ist dies dafür sogar "Grundvoraussetzung". Weil das Netz nach den Vorgaben des Gesetzgebers diskriminierungsfrei aufzustellen sei, könnten jetzt alle, die Strom erzeugen, diesen auch einspeisen. "Wir haben derzeit in Deutschland 1,5 Millionen einzelne Kraftwerke, alle speisen ein", berichtete Gotzel. Und Stadtwerke-Vorstand Johann Riedl freute sich über "die bestmögliche Lösung für die Stadt Weiden und ihre Bürger". Der Vertrag läuft bis 2032. "Strom, Gas, Wasser und Abwasser, alles aus einer Hand", betonte Riedl. Und im Bereich Hausanschlüsse habe der Kunde jetzt einen "gemeinsamen Ansprechpartner".
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