Bauhof der Stadt Weiden setzt neueste Technik beim Winterdienst ein
„Unsere Winter sind nicht ohne“

Unscheinbar, aber höchst effektiv: Die Kamera (weißes "Rohr", oben) misst die Temperatur der Straße. Die Technik errechnet die nötige Menge an Taumitteln und sorgt für die richtige Dosierung.
 
Auf die neue Sprühtechnik sind nicht nur Bauhofchef Manfred Meßner und Winterdienstleiter Marc Badhorn (von rechts), sondern auch die Männer stolz, die sie in diesem Winter einsetzen werden. Bilder: Wieder (2)

Nicht mehr streuen, sondern "gießen": Der Bauhof Weiden setzt beim Winterdienst auf neueste Technik. Zwei der fünf Groß-Lkw sind mit Sole-Sprühanlage aufgerüstet. Sie legen einen feinen Nebel Salzwasser ("Sole") auf die Straßen und läuten ein neues Zeitalter im Winterdienst ein.

Als eine der ersten Kommunen ihrer Größe übernimmt die Stadt die von der Autobahndirektion Nordbayern getestete und für gut befundene Technik. "Unsere Fahrzeuge sind modern genug. Wir können sie upgraden", betont Marc Badhorn, der Leiter des Sachgebiets Winterdienst. "Unsere Winter sind nicht ohne", stellt auch Bauhofleiter Manfred Meßner fest, der schon 1984 zu den ersten in Bayern gehörte, die auf das damals ganz neue Feuchtsalz-Verfahren setzten.

Vom Feuchtsalz zur Salzsole


"Erst hatten wir das Streusalz, dann das Feuchtsalz. Das Sole-Sprühverfahren ist nun der nächste Schritt, um mit weniger Salz-Einsatz auf den Straßen mehr zu erreichen", zeigt sich Meßner überzeugt. Anders als Streusalz oder auch das Feuchtsalz "klebt" die Salzsole (in Wasser aufgelöstes Salz) förmlich auf den Straßen, bleibt damit länger wirksam. "Da verweht nichts mehr." Gerade durch diese "Wehverluste" ging bisher ein gutes Drittel des Feuchtsalzes verloren. Es landete auf den Banketten oder weiter im Straßenbegleitgrün.

Die Kosten für Winterdienst schwanken bei der Stadt Weiden je nach Intensität des Winters zwischen 600 000 Euro und 1,26 Millionen Euro (im Ausnahmejahr 2010). Mit der Umrüstung der Fahrzeuge (pro Lkw fallen etwa 4000 Euro an) könne eine Kosteneinsparung beim Streusalz bei jährlich bis zu 60 000 Euro erreicht werden, prognostizieren die beiden Winterdienst-Experten. Dabei sind sich Meßner und Badhorn durchaus bewusst, dass das Solesprühverfahren nicht immer möglich ist. "Es ist ungeeignet bei extrem tiefen Temperaturen oder starkem Schneefall."

Kein Experiment


Heimtückisch, da oft unterschätzt oder viel zu spät bemerkt, sei überfrierende Nässe. "Wenn die Temperaturen zwischen plus und minus drei Grad liegen, erzielen wir mit dem Sprühverfahren wirklich erstaunlich gute Ergebnisse", sagt Badhorn. Bei Temperaturen unter sechs Grad Minus muss allerdings wieder das alte Feuchtsalz ran", zitiert Meßner aus den Erfahrungen der Autobahndirektion Nordbayern, die seit 2012 die Testreihen für die Bayerische Straßenbauverwaltung durchführte.

"Wir fahren keine Experimente", verspricht Meßner. Die Lkw könnten während der Fahrt von der Salzsole auf die Ausbringung von Feuchtsalz umstellen. Übrigens messen an den Räum- und Streufahrzeugen aufgebate "Wärme-Kameras" die Temperatur der Straßen: Die Technik dosiert dann jeweils optimal gesteuert den Salzeinsatz.

Den ersten "Winterdienst Dienst" in diesem Spätherbst hat der Bauhof übrigens bereits "erledigt". Am 5. Oktober mussten die Waldstrecken nach Muglhof sowie Fußgänger-Stahlbrücken über die B 22 in Weiden-Ost sowie über die B 470 in der Weiding gestreut werden. Damit waren die Winterdienstler sogar eine Woche früher gefordert als im Jahr 2015.

Prognosen über die Wucht des Winters 2016/17 lässt sich Meßner, der seit 25 Jahren den Bauhof leitet, nicht entlocken. Seine Erfahrung zeige aber, dass alle fünf bis sechs Jahre seine Mitarbeiter beim Winterdienst besonders stark gefordert sind. "Wir wären eigentlich schon im vergangenen Jahr drangewesen."

90 Männer im WinterdienstWenn andere noch tief schlafen oder gerade erst ins Bett gehen, sind die Einsatzleiter des Winterdienstes der Stadt Weiden ab 2 Uhr unterwegs, um Straßen zu kontrollieren und gegebenenfalls die entsprechenden Winterdienstfahrzeuge einzusetzen.

Unterstützt durch Laster und Kleintraktoren von Privatfirmen, rücken je nach Witterungslage bis zu fünf große Lkw und ein Unimog, sowie fünf Traktoren, drei Kleintraktoren und sechs Klein-Lkw aus, um 260 Kilometer Straßen und 46 Kilometer Radwege zu betreuen. Hinzu kommen die Gehwege vor städtischen Liegenschaften wie Schulen, Parkplätzen, Bushaltestellen, Zentraler Omnibusbahnhof und Straßenübergänge sowie Containerstandplätze. Eine wichtige Stütze bilden die sogenannten Handreiniger, die - teilweise mit maschineller Unterstützung - in 23 Bezirken unterwegs sind.

200 Streusandkisten, 1000 Schneezeichen und sechs Kilometer Schneezäune sind vor Winterbeginn aufzustellen. Bereits im Sommer kaufte die Stadt rund 1200 Tonnen Streusalz (1000 im Bauhof und 200 im Bunker in Weiden-West) sowie 500 Tonnen Streusplitt ein. Der Silo am Brandweiher versorgt Weiden-West und Weiden-Süd. Nach mehreren Jahren in "privater Betreuung" übernimmt die Stadt nun wieder den Winterdienst auf den Straßen in Neunkirchen.

Bei einem sogenannten Volleinsatz sind einschließlich des Bauhofleiters, Manfred Meßner, der Winterdienst seit 33 Jahren gewohnt ist, und dem Sachgebietsleiter für Straßenunterhalt und Winterdienst, Marc Badhorn, maximal bis zu 90 Mitarbeiter im Einsatz. Im vergangenen Winter waren sie bei 141 Rufbereitschaften, aus denen 85 Einsätze entstanden, sowie bei 4 Volleinsätzen gefordert. (wd)
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