Bayernwerk steckt voll im Wandel vom „Verteilnetz“ zum „Internetnetz“
Digitales Netz elektrisiert

Wie hier in das neue Umspannwerk in Eslarn (Kreis Neustadt/WN) investiert das Bayernwerk kräftig in die Entwicklung des bisher reinen Verteilnetzes zum kommunikativen "Internetnetz". Bild: Walbert
 
Es braucht ökonomische Signale, um den Stromverbrauch zu steuern.

In sechs Jahren gehen bei der Atomkraft in Bayern die Lichter aus. "Ohne konventionelle Kraftwerke und Stromtrassen ist keine sichere Stromversorgung möglich." Daran lässt der Vorstandsvorsitzende des Bayernwerks, Reimund Gotzel, keinen Zweifel. Der Konzern steckt voll im Wandel vom "Verteilnetz" zum "Internetnetz".

Weiden/Amberg. Schon jetzt bedeutet es eine enorme Herausforderung, täglich im Stromnetz für eine ausgeglichene Spannung zu sorgen: Denn 60 Prozent des Stroms im Bayernwerk-Netz werden regenerativ erzeugt. An 48 Tagen im Jahr 2015 lieferten Photovoltaik, Wind und Biogas so viel Energie, dass der Bedarf um mehr als 100 Prozent gedeckt war. "Wetter-Vorhersagen werden für die Netz-Steuerung wichtig", sagt Bayernwerk-Chef Gotzel beim Redaktionsbesuch. Wenn an relativ kühlen Tagen die Sonne scheint und der Wind "mittelstark" weht, kommt es zur Überproduktion. "Der überschüssige Strom entsteht tagsüber, nicht mehr in der Nacht." Auch wenn die Speicher-Kapazitäten "nicht zufriedenstellend" sind, sieht Gotzel die Zukunft der Energieversorgung eindeutig in der Dezentralität.

Das Bayernwerk zählt im Freistaat 2,3 Millionen Netzkunden, von denen bereits 10 Prozent Strom in dezentralen Anlagen erzeugen. Zukunftsmusik ist der mit Info-Technologie verknüpfte "intelligente Zähler", der künftig zum Beispiel die Zählerstände automatisch an den Netzbetreiber übermittel kann. Reimund Gotzel erklärt, dass der Betreiber dieser "digitalen Messstellen" noch offen sei.

Der Strompreis setze sich zur Hälfte aus Umlagen zusammen, betont Gotzel. "Es braucht ökonomische Signale, um den Stromverbrauch zu steuern." In einigen Jahren laufen die ersten, bisher hochsubventionierten Photovoltaik-Einspeisevergütungen aus. Die Eigentümer der "abgeschriebenen Anlagen" müssen entweder ihren "Eigenverbrauch optimieren" oder in die Direktvermarktung einsteigen. Gotzel teilt die Einschätzung, dass in Zukunft die Vergütung für eine Kilowattstunde nur im einstelligen Cent-Bereich liegen dürfte.

Der Chef des Bayernwerks glaubt zwar an die Zukunft der E-Mobilität. "Aber ohne schnelle, leistungsfähige Lade-Infrastruktur wird es keine E-Fahrzeuge geben und ohne Subventionen wird es nicht funktionieren." Gotzel spricht einer Vereinfachung das Wort, etwa die Kosten für das Laden der Batterie auf die normale Stromrechnung draufzubuchen. Zeitnah richtet das Bayernwerk in seinem Weidener "E-Center" (Moosbürger Straße) eine vorerst kostenlose Ladesäule für E-Autos ein.

100 Millionen für Oberpfalz


Von den in diesem Jahr geplanten Investitionen von 560 Millionen Euro in Netzbau-Maßnahmen (Instandhaltung, Erdverkabelung Mittelspannung u. a.) entfallen 100 Millionen Euro auf die Oberpfalz. In den vergangenen Jahren gingen die neuen Umspannwerke in Eslarn, Waldmünchen und Falkenstein in Betrieb (wir berichteten). Gotzel betont die hohe Wertigkeit der "weltweit einzigartigen Qualität im System". Wenig Hoffnung macht Gotzel den Erdgas-Kunden, von den stark gesunkenen Energiepreisen (Öl minus 70 Prozent) zu profitieren. "Die Preis-Koppelung von Öl und Gas wurde vor einigen Jahren aufgehoben." Das Bayernwerk betreibt das Erdgas-Netz, der Mutterkonzern Eon liefert.
Es braucht ökonomische Signale, um den Stromverbrauch zu steuern.Reimund Gotzel, Bayernwerk
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