Bei ATU bahnen sich erneut Veränderungen an:
Hoffen auf strategischen Investor

Von den 10 000 ATU-Beschäftigten arbeiten rund 800 am Standort Weiden, hier die Unternehmenszentrale im Industriegebiet Am Forst. Bild: Götz

Die Eigentümer wechselten fast so schnell wie die Vorstandschefs, von denen ATU seit 2002 mehr als ein halbes Dutzend verschlissen hat. Nun stehen bei Deutschlands größter Autowerkstatt-Kette mit mehr als 600 Filialen die Zeichen erneut auf Veränderung.

Wie das "Finance Magazin" in seiner heutigen Ausgabe berichtet, holte ATU Hans-Joachim Ziems als Geschäftsführer (Chief Restructuring Office, CRO) an Bord. Der Manager hatte auch den Holzverarbeiter Pfleiderer aus Neumarkt durch die Insolvenz geführt. "Wenn der Sanierungsexperte auftaucht, sagt das üblicherweise nichts Gutes über die finanzielle Lage eines Unternehmens aus. Vermutlich deshalb hat ATU die Personalie nicht an die große Glocke gehängt", schreibt "Finance". Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins liegt das operative Ergebnis "weit unter Plan".

Klotz am Bein von ATU sollen die horrenden Mieten für die Filialen sein. Nach bis heute nicht dementierten Berichten lagen diese Zahlungen 2014 bei 115 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach konnten nur "einzelne Mietverträge" um 30 bis 40 Prozent reduziert werden. Nach Informationen von NT/AZ sackte der Umsatz von 1,4 Milliarden Euro in der Spitze um mehrere Hundert Millionen Euro ab; inzwischen soll der Umsatz nur noch eine Milliarde Euro betragen. Gleichzeitig ging die Zahl der Beschäftigten von 15 000 auf 10 000 und die der Filialen von 650 auf heute 608 zurück.

Lösung bis Ende des Jahres


Ende April 2016 wechselte überraschend der bisherige Finanzvorstand Christian Sailer zum Versandhaus Walz. Sailer hatte 2013/2014 zum Gelingen des Schuldenschnitts beigetragen. Es kam zu einer Entschuldung um mehr als 600 Millionen Euro, zu "frischem Kapital" von 100 Millionen Euro und einer zusätzlichen Kreditlinie von 75 Millionen Euro. Die Stadt Weiden verzichtete auf eine bilanzielle "Phantom-Gewerbesteuer" in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro. Mehrheitseigentümer von ATU ist derzeit noch der Fonds Centerbridge, weitere Beteiligungen halten von Goldman Sachs gemanagte Fonds und Babson Capital. Relativ weit gediehen scheinen die Gespräche mit den neuen (ausländischen) strategischen Investoren zu sein. Wie berichtet, bemüht sich Goldman Sachs um einen Käufer. Bei ATU hofft man auf einen guten Ausgang: Nach 14 Jahren mit Finanzinvestoren endlich einen "strategischen, langfristigen Investor zu finden, der die Branche kennt und die Geschäfte versteht".

Unternehmenssprecher Markus Meißner bestätigte die Gespräche; bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen. "Wie Der Neue Tag ja schon berichtet hat, erzielt ATU große Fortschritte bei der laufenden Transformation. Deshalb ist das Unternehmen so interessant für den Markt", betont Meißner.

ATU erzielt große Fortschritte bei der laufenden Transformation. Deshalb ist das Unternehmen so interessant für den Markt.ATU-Sprecher Markus Meißner
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