Berufsbetreuerin aus Weiden bereichert sich an den Konten ihrer Klienten
Vorwurf: gnadenlos abgeräumt

Symbolbild: dpa

Ihre Schützlinge soll die Betreuerin kurz gehalten haben. Eine alkoholkranke Witwe aus Altenstadt/WN musste mit kleiner Rente auskommen. Unterdessen lag auf ihrem Konto eine Viertelmillion aus einem Hausverkauf. Während sich die Witwe T-Shirts bei "kik" kaufte, räumte ihre Berufsbetreuerin heimlich eine sechsstellige Summe ab.

So zumindest lautet einer der schweren Vorwürfe, die Staatsanwalt Dr. Christoph Edler am Dienstag gegen die 51-jährige Berufsbetreuerin aus dem Altlandkreis Eschenbach erhob. Sie soll sich in 103 Fällen von den Konten von sieben Klienten bereichert haben, für die sie das Amtsgericht Weiden zur Betreuerin bestellt hatte. Dabei handelte es sich um Schizophrene, Alkoholiker, Demenzkranke und einen Gehörlosen.

Kein Geständnis

Die 51-Jährige macht keine Angaben zu den Vorwürfen, nur zu ihrer Person. Die Hausfrau mit mittlerer Reife hatte vier Kinder großgezogen, ehe sie in ihr Amt als Betreuerin "hineinrutschte". Eine spezielle Ausbildung hat sie nicht. Vielmehr war ihr Ehemann - ein pensionierter Beamter - ebenfalls als Betreuer tätig. Ab 2008 vertraute das Amtsgericht dann beiden Eheleuten hilflose Menschen an.

Der Ehemann betreibt die Scheidung, seit im April 2014 der Betrug aufgeflogen ist. Das gemeinsame Haus ist verschuldet - "belastet mit Zwangshypotheken in Folge des Verfahrens", informiert Verteidigerin Andrea Schnetzer. Während der Ermittlungen blieb die Frau auf freiem Fuß. Erst im März 2015 wurde sie in Untersuchungshaft genommen, als der Verdacht auf weitere Betrügereien aufkam. Zur Verhandlung wird sie aus der JVA Regensburg vorgeführt.

Erbe vermisst Vermögen

Zumindest einige Jahre scheint die Oberpfälzerin ihr Aufgabe korrekt ausgeführt zu haben. Ab 2012 soll sie dann laut Anklage zugegriffen haben wie in einen offenen Tresor. 18 Mal überwies sie sich Geld auf ihr eigenes Konto. 81 Mal habe sie sich Geld in Filialen der Sparkasse und der Postbank bar auszahlen lassen. In einigen Fällen zog sie die Scheine einfach am Geldautomaten. Insgesamt über 235 000 Euro. Im Mai 2013 hob sie sich alle drei Tage vom Konto der Witwe 1500 bis 5000 Euro ab.

Der Fall der Witwe aus Altenstadt/WN wiegt am schwersten. Von ihrem Vermögen sind über 125 000 Euro verschwunden. Als sie 2014 verstarb, wunderte sich der Sohn, wo der Erlös aus dem Verkauf des Elternhauses abgeblieben war. Das Amtsgericht - erschüttert von dem ungeheuren Verdacht - erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Die Putzfrau dieser Witwe gab am Dienstag die eindrucksvollste Zeugin ab. Sie hatte ab 2011 im Einfamilienhaus der alleinstehenden Alkoholkranken geputzt und dabei das Vertrauen der unglücklichen Frau gewonnen. Diese bot ihr immer mal wieder Geld und sogar das Haus an. "Ich habe nichts angenommen." Wiederholtes Bohren der Verteidigerin nach Geldgeschenken kontert sie: "Ich bin da a bisserl anders eingestellt. Ich nutze die Leute nicht aus."

In der Tat war die 62-Jährige die einzige, die der Witwe beistand, als diese erst in der Psychiatrie in Wöllershof und dann im betreuten Wohnen landete. Dort wollte sie nicht bleiben, und die Putzfrau verhalf ihr im Dezember 2012 zu einer "billigen" Fabrikwohnung in Altenstadt. Sie ging mit ihr spazieren oder einkaufen, nur Lebensmittel oder Kleidung. "Sie war ein sparsamer Mensch."

Im Mai 2013 entfachte die Witwe ein Feuer im Schlafzimmer der Wohnung. Was genau passiert war, konnte nie geklärt werden. Der Kripobeamte beschreibt die Frau, die eine Rauchvergiftung erlitten hatte, als "verwirrt". Sie habe darauf beharrt, für ihren Mann eine Kerze auf dem Friedhof angezündet zu haben. Die Brandstiftung spielt deshalb eine Rolle, weil die Verteidigerin die Möglichkeit andeutet, dass das vermisste Vermögen ja in der Matratze versteckt und verbrannt sein könnte.

Raucher kurz gehalten

Der größte "Einzelposten" bei den Überweisungen waren 20 000 Euro. Dabei handelte es um eine Erbschaft, die ein betreuter Grafenwöhrer (55) von seiner Tante gemacht hatte. Das Geld hat der psychisch Kranke nie gesehen. Im Gegenteil: Die Betreuerin hielt den starken Raucher kurz. Jede Woche gab es 100 Euro, in zwei Tranchen immer dienstags und donnerstags überreicht an einem Bushäuschen. Es kommt noch schlimmer: Der neue Betreuer hat inzwischen entdeckt, dass seine Vorgängerin erhebliche Schulden für den 55-Jährigen anhäufte. Rechnungen für Strom oder Heim seien einfach nicht bezahlt worden. Auch er wirkt platt, was seine Kollegin da angerichtet hat: " Auf den Ämtern war man anfangs sehr zufrieden mit ihr. Hinterher war's leider ganz anders."

Am Nachmittag sagen auch einige Betreute aus. Das gestaltet sich nicht ganz so einfach. Der 55-Jährige mit der verlorenen Erbschaft hat Probleme, seine Adresse zusammenzubringen. Aber der kleine Mann mit dem langen Bart hat eine Frage, die noch nicht beantwortet werden kann: "Sehe ich das Geld wieder?" Fortsetzung ist am heutigen Mittwoch. Der Strafrahmen liegt pro Tat bei 6 Monaten bis 10 Jahren. Zum Schöffengericht wird angeklagt, wenn mit einer Haft von 2 bis 4 Jahren gerechnet wird.
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