Beweisführung für Medizinischen Dienst der Krankenversicherung nicht einfach
Thema „Blaumachen“:Im Zweifel besser kündigen

Dr. med. Michael Röder Bild: cf

Weiden/Amberg. "Darf der Arbeitgeber einen erkrankten Mitarbeiter zum Arzt schicken?" Dieses verschwiegene und heikle Thema beleuchtete beim Wirtschaftsclub Nordoberpfalz Dr. med. Michael Röder, Leiter Region Ost des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in Bayern. Die vielen Besucher in der Max-Reger-Halle verdeutlichten das Interesse der Unternehmerschaft. Präsident Jürgen Spickenreuther bezifferte den volkswirtschaftlichen Schaden auf 1,4 bis 5 Milliarden Euro jährlich. "Blaumachen" sei besonders bei den 20- bis 29-Jährigen weit verbreitet.

"Oft sind keine medizinischen, sondern nur disziplinarische Lösungen möglich", warnte Dr. Röder vor zu hohen Erwartungen. Der Chirurg ist mit 45 Fachärzten von Tirschenreuth bis Passau in der Oberpfalz und Niederbayern für die Begutachtung und Beratung zuständig. Er empfahl den Arbeitgebern, im Zweifel besser zu kündigen und ein entsprechendes Zeugnis zu schreiben. Gerade bei kurzzeitigen Fällen der Arbeitsunfähigkeit (AU) "sind unsere Möglichkeiten sehr beschränkt". Der AU liege meist ein "Arbeitsplatz-Konflikt" zugrunde. In der Regel setzt sich der MDK mit dem Arzt in Verbindung, der die AU ausstellte. Scheitert dieser Kontakt, folgt an den Versicherten "die sofortige Einladung zur körperlichen Untersuchung". Wie die lebhafte Diskussion der Besucher (Unternehmer und leitende Angestellte) zeigte, führt die bloße Ankündigung einer Untersuchung durch den Medizinischen Dienst meist zu einer schnellen Genesung der Versicherten. "Ausgebuffte schockt dies nicht", gestand Spickenreuther, der als AOK-Direktor die Problematik kennt. Dr. Röder begrüßt grundsätzlich die geplante Verschärfung der AU-Richtlinien: "Aber sie trifft wahrscheinlich die Rechtschaffenen."
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