Bis Anfang November muss bei Werkstattkette eine Einigung her
ATU-Existenzkampf um Mieten

Ob auch in Zukunft bei ATU geschraubt werden kann, hängt von den Mietzahlungen ab. Die derzeitigen "Wuchermieten" blockieren den Einstieg der französischen Mobivia-Groupe. Bild: Götz

ATU steht unter Druck - und macht öffentlich Druck. Unter Berufung auf "Verhandlungskreise" sieht das "Manager Magazin" die Rettung der Werkstattkette "auf der Kippe". Weil die Deutsche Bank für 260 ATU-Filialen auf horrenden Mieten besteht, scheint die Übernahme durch die französische Mobivia Groupe gefährdet.

/Frankfurt. "Mobivia- Groupe übernimmt ATU", hieß es am 21. September in einer abgestimmten Erklärung: Unter dem "Vorbehalt, dass sich ATU mit seinen größten Vermietern der Filialen auf die langfristige Reduzierung der Mietkosten auf marktübliche Niveaus einigt".

"Um den Druck zu erhöhen, habe ATU-Sanierer Hans-Joachim Ziems in den Verhandlungsrunden klargemacht, dass die Insolvenz drohe. Denn andere ernsthafte strategische Interessenten für ATU gebe es nicht", schreibt das "Manager Magazin" in seiner am 21. Oktober erscheinenden Ausgabe. Fast 10 000 Arbeitsplätze seien dadurch bedroht. Nach Informationen unserer Zeitung befinden sich die Verhandlungen über neue Miet-Konditionen in einem "entscheidenden Stadium". Die Zeit drängt. Insider berichten, dass bis Ende Oktober/Anfang November eine Einigung gefunden werden muss: Damit wie geplant Ende 2016 die Übernahme durch die Mobivia- Groupe erfolgen kann. Europas größter unabhängiger Anbieter von Kfz-Wartungs- und Reparatur-Services gilt als der "ideale strategische Investor" für die angeschlagene ATU, deren Umsatz von einst 1,41 Milliarden Euro auf unter eine Milliarde Euro gesunken ist.

Wie berichtet, hat ATU-Gründer Peter Unger 260 Filialen im Jahr 2005 an die Firma Lino verkauft, hinter der die Deutsche Bank steht. Nach NT/AZ-Informationen liegen hier die Mieten um das "Zwei- bis Dreifache" über dem marktüblichen Niveau. Demnach muss ATU für seine Werkstätten bis zu 12 Euro pro Quadratmeter überweisen. Laut "Manager Magazin" zahlte ATU bisher an Lino eine Jahresmiete von 57 Millionen Euro. Diese will Ziems nun auf 20 Millionen Euro drücken. Die Deutsche Bank habe bisher aber nur eine Reduktion auf 40 Millionen Euro angeboten. Zudem stundet das Institut derzeit noch bis April 2017 die Mietzahlungen.

"Komplexe Gespräche"


Unsere Zeitung erreichte am Montag folgende Stellungnahme der Weidener ATU-Zentrale: "Bei den laufenden Verhandlungen mit den Vermietern unserer Filialen über die Reduzierung der Mieten auf marktübliche Niveaus handelt es sich zweifellos um schwierige und komplexe Gespräche. Wir haben nichts anderes erwartet. Natürlich ist theoretisch auch nicht auszuschließen, dass die Verhandlungen scheitern werden. Wir halten dies aber für nicht wahrscheinlich, denn ein solches Verhandlungsergebnis wäre auch aus Sicht der Vermieter irrational."

Schließlich seien die Immobilien zum Teil maßgeschneidert für ATU und wären nicht einfach weiter zu vermieten. "Von daher sollte jeder Vermieter aus rationalen Erwägungen heraus das Interesse haben, dass eine Einigung gefunden wird."
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