Bürgermeister Stefan Braun ist stolz auf Dorfladen in Utzenhofen
Eine gute Verkaufsidee

Lebensmittel, eine Tasse Kaffee und dazu eine Tageszeitung: Der Dorfladen in Altendorf ist mehr als ein Geschäft. Er ist auch Café und Treffpunkt im Ort. Das Modell der von der Dorfgemeinschaft getragenen Geschäfte wird heuer 20 Jahre alt. Bild: Götz

Tante Emma hat ihren Laden schon lange dicht gemacht. Schließen dann auch noch Metzger und Bäcker, droht vielen Dörfern die Verödung. Es sei denn, die Bürger versuchen eine Wiederbelebung.

"Dorfladen" steht in Frakturschrift über dem früheren Bauernhaus in Utzenhofen (Markt Kastl, Kreis Amberg-Sulzbach). "Er ist nicht mehr wegzudenken", sagt Bürgermeister Stefan Braun über das Geschäft. Es eröffnete im November 1994 - und war damit das erste seiner Art in Bayern.

Der Dorfladen in Utzenhofen markierte den Start einer landesweiten Erfolgsgeschichte. Wie lang diese ist, zeigt dieser Tage Gleiritsch im Landkreis Schwandorf. Voraussichtlich am 13. November bekommt der Dorfladen "Schaut's eina" in München einen Sonderpreis "Land- und Dorfentwicklung" der bayerischen Staatsregierung verliehen. Die Ausgangslage ist fast überall gleich: Die Tante-Emma-Läden haben vielerorts schon lange geschlossen. Die Einkaufsmärkte mittlerweile ebenso.

"Die Filialisten ziehen sich immer mehr aus der Fläche zurück", erklärt Unternehmensberater Wolfgang Gröll, der viele Dorfladen-Projekte in der Oberpfalz begleitet hat. "Dorfläden werden in der Zukunft wichtiger denn je", betont er. Oft bleibt das kleine Geschäft die letzte Begegnungsstätte für jüngere und ältere Dorfbewohner und alle, die nicht oder kaum mobil sind.

In Utzenhofen hatte Mitte der 1980er Jahre das letzte private Lebensmittelgeschäft geschlossen. Selbst für kleine Einkäufe mussten die Bürger zunächst weite Wege in Kauf nehmen. Erst die Dorferneuerung, betreut vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE), ließ die Idee eines Dorfladens entstehen. Das ALE spielt auch heute noch eine große Rolle bei der Umsetzung. Wie etwa in Gleiritsch. Dort entstand der Laden im Zuge einer einfachen Dorferneuerung. Seit September 2012 bietet er auf 90 Quadratmetern Fläche neben Produkten des täglichen Bedarfs auch viele regionale Erzeugnisse wie Honig, Kartoffeln, Back- und Wurstwaren.

Professionell auftreten

Regionale Wertschöpfung ist nach Ansicht von Gröll ein entscheidender Erfolgsfaktor. Dies gilt auch für die Beschäftigungspolitik. Alle Mitarbeiter kommen in der Regel aus der Region und sind fest angestellt. Auf rein ehrenamtlicher Basis betreiben lasse sich ein Dorfladen nicht, so Gröll.

Das Geschäft ist kein Hobbyunternehmen. Es soll konkurrenzfähig sein, bei den Preisen mit großen Filialisten mithalten können - bei besserem Service. Georg Köppl, Bürgermeister der Gemeinde Altendorf (Kreis Schwandorf) und Geschäftsführer des Dorfladens in seiner Gemeinde, hat dafür Beispiele: Um Semmeln zum Sonntagsfrühstück verkaufen zu können, hat der Laden auch am Sonntag drei Stunden offen. Während der Woche gibt es warme Leberkässemmeln und ein täglich wechselndes Gericht aus der heißen Theke. Und die kleine Kaffee-Ecke darf auch nicht fehlen.

Das Konzept geht auf. Nach einem halben Jahr berichtet Köppl, dass sich die Umsatzprognosen von 180 000 bis 200 000 Euro "mehr als erfüllt haben". Das gleiche Bild in Gleiritsch: "Wir werden dieses Jahr voraussichtlich schwarze Zahlen schreiben", zeigt sich Geschäftsführer Anton Brand erklärt zuversichtlich. Jeden Tag kommen dort im Schnitt 90 Zahlungsbons aus der Kasse. "Seit Eröffnung hat sich das nicht nach unten bewegt."

Kommune hilft mit

In jedem Falle aber gilt der Satz von Huberta Bock, Sprecherin des ALE Tirschenreuth: "Wenn die Gemeinde nicht mitzieht, wird's schwierig." Oft hilft diese bei der Anschubfinanzierung oder stellt Verkaufsflächen zur Verfügung. Die Kommune profitiert aber auch. "Der Laden selbst ist auch wieder Lebensqualität", sagt Brand. Im Ortszentrum von Gleiritsch sei wieder Leben eingezogen. Und für das zeitweise geschlossen Wirtshaus gegenüber habe sich sogar ein Pächter gefunden. (Hintergrund)
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