Bundesprogramm soll „sinnstiftende Beschäftigung“ ermöglichen
Hartz-IV-Empfänger fluten die Städte

Die Chefs von Finanzamt und Arbeitsagentur sind zufrieden: Hubertus König freute sich über ein stark steigendes Einkommenssteueraufkommen, Thomas Würdinger über sinkende Arbeitslosenzahlen. Würdinger sprach von einem "Spiegelbild der guten wirtschaftlichen Entwicklung mit steigender Beschäftigung".

In den Kassen der Stadt indes ist davon nichts zu spüren. "Hoffentlich kommt diese Entwicklung auch bald bei der Stadt Weiden an", wünschte sich Oberbürgermeister Kurt Seggewiß im Wirtschaftsbeirat. Vor allem bei der Gewerbesteuer könne die Stadt einen Schub gut gebrauchen.

Im Februar sei sogar die Zahl der Hartz-IV-Empfänger gesunken, stellte Würdinger fest. Dennoch sei dieser Sockel weiterhin sehr hoch. "Wir haben hier die Verlierer aus dem Strukturwandel, die bis 2005 keinen Anspruch auf Sozialleistungen mehr hatten." Über 40 Prozent der Kunden des Jobcenters stünden seit mehr als vier Jahren im Leistungsbezug. "Das ist ein absoluter Spitzenwert."

Die Langzeitarbeitslosigkeit habe sich überall "verstädtert", erklärte Thomas Würdinger. Das Jobcenter wolle zwei neue Bundesprogramme nutzen. Es gehe auch darum, Arbeitslosen eine "sinnstiftende Beschäftigung" zu vermitteln.

Für die Wirtschaft erklärte Florian Rieder von der IHK-Geschäftsstelle Weiden, dass die Betriebe bereit seien, den Hartz-IV-Erben mit Praktikumsstellen den Einstieg in das Berufsleben anzubieten. Auch so könne dem Fachkräftemangel begegnet werden. Er betonte aber auch, dass gerade die kleinen und mittleren Betriebe sich bewegen müssten, um Nachwuchs zu sichern. "Sie müssen sich interessant machen. Das muss ja kein Betriebskindergarten sein."

68 Prozent der IHK-Betriebe, so zeige die jüngste Studie, gingen optimistisch ins Jahr. Mit 91 Prozent noch zuversichtlicher sind die Bauunternehmen. Sorgen bereiteten jedoch die Inlandsnachfrage sowie die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Nur etwa ein Drittel des Einzelhandels gehe optimistisch ins Jahr. Den Handel drückten derzeit hohe Lagerbestände. "Der Winter war einfach zu schwach."

Finanzamtsleiter Hubertus König will die Klagen der Wirtschaft über mangelnden Leistungswillen mancher Berufseinsteiger nicht gelten lassen. Seine Erfahrung beim Finanzamt sei eine ganz andere. Es verzeichne eine hohe Nachfrage. Zugleich seien die Bewerber und ihre Leistungen hervorragend. "Von unseren guten Leuten leben ganze Behörden", stellte OB Seggewiß dazu fest.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.