Chef des IHK-Gremiums und Bundestagsabgeordneter sind sich einig
Jedes Kind muss ein Projekt sein

Es muss dringend ein Gesamtkonzept für die Region erstellt werden: Das finden (von links) Bernd Fürbringer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Weiden, MdB Albert Rupprecht und Florian Rieder, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Weiden. Bild: sbü

Eigentlich wollten sich die Gesprächspartner nur ein wenig besser kennenlernen. Doch dann kam zwischen MdB Albert Rupprecht und dem neuen Chef des IHK-Gremiums Grundsätzliches zur Sprache. Vielleicht lässt sich darauf aufbauen.

MdB Albert Rupprecht traf sich in der IHK-Geschäftsstelle zum ersten ausführlichen Gedankenaustausch mit Bernd Fürbringer. Er ist der neue Vorsitzende des IHK-Gremiums Weiden. Dabei war auch Florian Rieder, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Weiden. Was zunächst nur ein allgemeiner Gedankenaustausch über für alle interessante Themen sein sollte, entwickelte sich im Laufe des Gesprächs immer mehr zur Planung gemeinsame Aktionen.

Gesprächsbasis war die Feststellung: "Wir steuern in der nördlichen Oberpfalz durch den wachsenden Fachkräftemangel auf ein immer größer werdendes strukturelles Problem zu." Zwar sei der Strukturwandel sehr gut gelungen. Heute sehe die nördliche Oberpfalz schließlich ganz anders aus als vor 20 Jahren. Dennoch dürfe man damit nicht zufrieden sein. Den Risiken aus der Demografie und der drohenden Abwanderung von Fachkräften müsste insbesondere vor dem Hintergrund der Infrastruktur in den ländlichen Regionen begegnet werden. "Auch wenn das ein dickes Brett ist, wir müssen dringend eine Gesamtstrategie für die Region entwickeln", sagte Rieder. Eines der wichtigsten Ziele dabei müsse sein, "junge Leute in der Region zu halten", stellte Fürbringer fest. Allein in dem von ihm geführten Unternehmen, der Firma Kassecker, müssten in wenigen Jahren 200 Arbeitsplätze wiederbesetzt werden. "Überall fehlen Informatiker, Metallberufe und viele andere Fachkräfte bereits heute", ergänzte Rieder.

Für MdB Rupprecht ist dies ein "Megathema" für die Region. Und er fragt: "Was nützt es, die Substanz zu erhalten, wenn die Leute nicht da sind?" Dringenden Handlungsbedarf sehen Rupprecht und Fürbringer in der Berufsorientierung junger Menschen und in der Aufklärung über Chancen und Realität in den einzelnen Berufen. Vor allem in den Gymnasien bestehe großer Handlungsbedarf. "Wer weiß schon, dass viele Juristen 2500 Euro brutto verdienen, aber schon der Tariflohn vieler Facharbeiter 1000 Euro mehr beträgt?", fragte Rupprecht. Fürbringer nannte ein anderes Beispiel: "Bei BMW ist ein junger Ingenieur vielleicht für die Entwicklung von neuen Radmuttern zuständig. Bei uns leitet er eine ganze Baustelle."

Problem an Gymnasien


"Gymnasien tun sich mit Berufsorientierung oftmals noch sehr schwer", stellten die Gesprächspartner fest. Rupprecht schlägt deshalb "Modellprojekte" vor und will sich als bildungs- und forschungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion dafür einsetzen. Allerdings müsse auch "die Datenbasis über Schulabsolventen verbessert werden". Ihre Gespräche über ein Maßnahmepaket wollen die Akteure fortsetzen. "Jedes Kind muss ein Projekt für die Region sein", nannte Fürbringer als Ziel. Dabei müsse auch die besondere Situation Weidens berücksichtigt werden, wo jeder Vierte unter 15 Jahren in einer Hartz-IV-Familie lebe.
Wer weiß schon, dass viele Juristen 2500 Euro brutto verdienen, aber schon der Tariflohn vieler Facharbeiter 1000 Euro mehr beträgt?MdB Albert Rupprecht
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.