Der "Graf Koks" des Weidener Einzelhandels

Vollgas gibt ein 49-Jähriger, der den Weidener Händlern die tollsten Geschichten auftischt. Unter anderem habe er ein Safety-Car der Formel 1 ersteigert. Bild: hfz
(ca) Eines muss man ihm lassen: Dieser Herr weiß, wo es gut und teuer ist. Ein 49-Jähriger hält seit einigen Wochen den Weidener Einzelhandel auf Trab. Er bestellt kistenweise Champagner und Schmuck. Er ordert moderne Kunst und Seidenteppiche, gleich mehrere Luxusautos, Maßanzüge und Weltreisen.

Dabei tritt der Mann auf wie Graf Koks. Er erzählt von einer Erbschaft, die er gemacht hat, aus welch nobler sachsen-anhaltinischer Dynastie er stammt, verwandt mit Angela Merkel. Mit seinem bisherigen Arbeitgeber, einem Weidener Bauunternehmen, liegt er in einem Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht.

Bislang waren zumindest die meisten Händler so schlau, für die Luxus-Orders eine Anzahlung zu fordern. Die blieb er schuldig. Was ihn nicht hindert, erneut in den Läden aufzukreuzen. Er nennt dann allerlei Gründe, warum er nicht flüssig ist. Ein Beispiel? Aufgrund des Post-Streiks ist seine schwarze American-Express-Kreditkarte noch nicht eingetroffen. Aber morgen.

Die Liste der Händler, die inzwischen Bekanntschaft mit ihm gemacht haben, wird immer länger. Er sprach beim Herrenschneider vor und gleich daneben im Delikatessenladen. In mindestens zwei Autohäusern wollte er Limousinen ordern. Bei Kunsthändlern ließ er sich wertvolle Kunstwerke reservieren. Da hängen sie noch.

Dabei sollten sie eigentlich seine neue Villa schmücken. Bei einem Weidener Immobilienmakler hat der 49-Jährige einen Reservierungsvertrag unterschrieben, wenn er auch die 1000 Euro schuldig blieb, um ihn wirksam zu machen. Dabei handelt es sich um das aktuell teuerste Immobilienangebot in der Stadt: ein nagelneues Haus in Weiden-Ost mit über 300 Quadratmetern Wohnfläche für 750 000 Euro.

Juristisch befürchten musste er für die Bestellungen noch nichts. Am Weidener Landgericht war 2014 eine Schwandorferin freigesprochen worden, die für ihren Verlobten zwei BMW bestellt hatte. Als keine Anzahlung einging, ließ das Autohaus von der Order ab: "Kein Betrug, keine Verurteilung", so damals das Gericht. Die Hartz-IV-Empfängerin litt an Pseudologia Phantastica - ein weiblicher Münchhausen.

Der Weidener ist bislang kaum polizeilich in Erscheinung getreten zu sein. Bekannt ist nur ein einziger Fall, in dem im März ein Juwelier Anzeige erstattete. Bei ihm hatte der Mann einen Verlobungsring für 2600 Euro anfertigen lassen. Den Ring holte er ab, das Geld blieb er schuldig. Nach der Anzeigeerstattung gab er das Schmuckstück dann doch zurück. Die Verlobung sei geplatzt.

Selbst wenn keine Hochzeit steigt, will der 49-Jährige groß feiern. Für seinen Geburtstag im November habe er die beste Adresse der Region angemietet. Erzählt er zumindest. Helene Fischer werde als Stargast auftreten. Die Feier komme ihn auf eine Million Euro. Er könnte ja mit seinem 1000-PS-Mercedes hinfahren, einem Original Safety-Car der Formel 1, das er bei einer Auktion dem Ecclestone weggeschnappt hat. Wer's glaubt? Noch keiner.
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