DGB berät tschechische Arbeitnehmer in Bayern
Rente für den Kollegen Čech

Petr Arnican (grenzübergreifender Rentenberater), Anton Mühlhölzl (Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd), Helmut Fiedler (Eures-T-Präsident) und Peter Hofmann (DGB-Regionssekretär, von rechts) beraten die Rentenberatung für tschechische Kollegen. Bild: Herda
 
"Der Rentenanspruch ist den Leuten oft gar nicht bewusst." Zitat: Peter Hofmann, DGB-Regionssekretär

Immer mehr Tschechen haben einen Rentenanspruch in Deutschland. Doch nur wenige wissen das. Der DGB in Weiden geht jetzt mit einem tschechischen Kollegen auf die Arbeitnehmer von jenseits der Grenze zu.

14 681 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aus Tschechien erwerben derzeit Rechte auf ein wenig Altersgeld im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet von Hof bis Passau. Die meisten pendeln. "Der Rentenanspruch ist den Leuten oft gar nicht bewusst", erklärt DGB-Regionssekretär Peter Hofmann, der selbst als ehrenamtlicher Rentenberater im Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bayern-Süd mit Ratsuchenden aus dem Nachbarland in Kontakt kommt. "Die meisten arbeiten hier, weil sie ihre Familie ernähren müssen - keiner nimmt eine Arbeit auf, weil er in fünf Jahren einen Rentenanspruch hat."

Dennoch oder gerade deswegen geht Hofmann bei Betriebsbesuchen auch aktiv auf die ausländischen Arbeitnehmer zu - so viel Gerechtigkeit muss sein. Die Sprache ist dabei allerdings eine gewaltige Hürde: "Ich kann auf Tschechisch mein Bier bestellen und die tschechischen Kollegen können sich in ihrem Betrieb verständigen - aber die komplizierte Sprache der Rentenversicherung steht auf einem anderen Blatt Papier." Arbeitstitel "Amtsdeutsch". Wer schon mal in einem anderen Land berufstätig war, kann davon ein Lied singen.

Dolmetscher als Berater


Deshalb war der Gewerkschaftssekretär gezwungen, immer im Doppelpack mit Dolmetscher anzutreten - mit Petr Arnican, der bisher bereits beim EURES-Projekt grenzüberschreitende Gewerkschaftsarbeit leistete. Die Idee lag auf der Hand: "Petr hat durch die gemeinsamen Termine bereits Einblick in die Materie", sagt sein Chef, Helmut Fiedler, Präsident des Interregionalen Gewerkschaftsrates Böhmen-Bayern. "Dann konnten wir ihn gleich als grenzübergreifenden Rentenberater ausbilden."

"Seit 1978 gibt es dieses ehrenamtliche System", erläutert Anton Mühlhölzl von der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd die Tätigkeit von Hofmann und Arnican, die pauschal für jede Beratung eine Aufwandsentschädigung erhalten. Wenn man es auf jeden herunterbricht, dann kommt jeder Berater auf 200 Termine im Jahr", sagt der Rentenprofi. "Das Potenzial von knapp 15 000 ist schon beträchtlich."

Und für die hauptamtlichen Beratungsstellen sind die Freelancer eine große Hilfe. "Wenn heute jemand eine Berechnung haben möchte, sitze ich als Profi schon 45 Minuten bis eine Stunde daran." Das Spektrum reiche vom Berufseinsteiger bis zur betriebsbedingten Frühverrentung. Gerade für ausländische Arbeitnehmer hält Mühlhölzl die Lösung für ideal: "Die Berührungsängste sind riesig, von zehn Berechtigten kommt einer." Und wer keinen Antrag stellt, bekommt auch kein Geld.

Synergie mit Pilsen


Arnican möchte seinen Bekanntheitsgrad in Pilsen nutzen, wo er schon bisher tschechische Arbeitnehmer über alle Fragen zu einer Arbeitsaufnahme in Deutschland informiert - von A wie Arbeitslosengeld bis V wie Versicherungen. "Mit Ausnahme der Welle nach 1989 waren nie mehr Tschechen in Bayern beschäftigt - und die Zahl steigt seit 2011 kontinuierlich." Um Rentenansprüche zu erwerben, muss ein ausländischer Arbeitnehmer mindestens fünf Jahre hier gearbeitet haben: "Bis zu 12 Monaten greift die Kleinstzeitregelung, da zahlt es der tschechische Träger", sagt Arnican.

Der Rentenanspruch ist den Leuten oft gar nicht bewusst.Peter Hofmann, DGB-Regionssekretär
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