"Die in Weiden haben die Zukunft begriffen"
Reife Idee: Denkdorf Halmesricht

Blick auf Weiden (im Hintergrund), Halmesricht (Mitte) und Neunkirchen (links). Im Vordergrund, eingegrenzt vom Wald (rechts), der Verbindungsstraße Neunkirchen/Mallersricht (im Vordergrund) und der Staatsstraße Weiden-Mantel (links), soll auf rund 24 Hektar das Denkdorf Halmesricht entstehen. Luftbild: Michael Ascherl
 
Hand drauf. WGS-Geschäftsführer Günther Kamm, Unternehmer Christian Engel und OB Kurt Seggewiß (von links) sehen im Denkdorf Halmesricht eine große Chance, um die Stadt Weiden weiter zu entwickeln. Bild: Wieder

Mit Halmesricht verbinden sich hohe Erwartungen für die Entwicklung der Stadt. Hier soll ein modernes, bildungsaffines und hochschulnahes "Denkdorf" entstehen. "In zehn Jahren soll Bayern sagen: Die in Weiden haben sich etwas Gutes überlegt. Die haben die Zukunft begriffen", wünscht sich Initiator Christian Engel.

Schon 2007 überraschte der Unternehmer (BHS Corrugated, Weiherhammer) OB Kurt Seggewiß mit seinen Überlegungen. Die ersten Gespräche liefen an - auch mit den Landwirten. Mit Kauf- und Optionsverträgen sicherten sich Christian und Lars Engel rund 24 Hektar östlich der Gemeindeverbindungsstraße nach Mallersricht, zwischen Neunkirchen und Waldgebiet. Doch dann waren ab 2008 andere Schwerpunkte zu setzen: Die BHS musste die Wirtschaftskrise meistern. Der Nachbarbetrieb Gusstec ging insolvent. "Wir änderten unsere Pläne und investieren auf 23 000 Quadratmeter in Fertigung, Büros und Restauration für 500 Mitarbeiter." Das Gesamtpaket in Weiherhammer beträgt 60 Millionen Euro.

Auch Stadt dabei


Die Idee des Denkdorfes lief im Hintergrund weiter. Seit 2013 ist auch die WGS-Stadtentwicklung Weiden, die Tochter der SGW Stadtbau, eingebunden, bestätigt WGS-Geschäftsführer Günther Kamm. Während die Familien Engel zwei Drittel der Flächen bereits besitzen, wäre die Option zum Erwerb des letzten Drittels zum Jahresende ausgelaufen. "Das wollten wir auf keinen Fall zulassen", bekräftigt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem NT. "Wir ziehen die Option, denn sonst wäre die Chance, ein wissenschaftliches Denkdorf entwickeln zu können, für alle Zeiten vertan gewesen."

Deshalb stimmte der Stadtrat in seiner nichtöffentlichen Sitzung Ende Juli der mit den Familien Engel zu gründenden Grundstücksentwicklungsgesellschaft Denkdorf Halmesricht (GDH GmbH & Co. KG) zu. Sogar einstimmig beschlossen auch die Gesellschafter der SGW Stadtbau die Gründung dieser Gesellschaft. Die rund 80 000 Quadratmeter wird bereits die GDH erwerben. Die Idee ist reif und, so Kamm, "auch die formale Voraussetzung ist geschaffen".


Die ersten Überlegungen und Konzepte lägen vor, bestätigt Günther Kamm. Im Zentrum stehe eine enge Zusammenarbeit mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule. Dort habe die WGS "mit dem WTC bereits als Platzhalter für die Stadt Präsenz und Flagge gezeigt". "Das machen wir gern auch beim neuen Projekt." Zugleich unterstreichen die drei Verantwortlichen, dass das Denkdorf keinesfalls als Konkurrenz zum Gewerbegebiet Weiden-West IV zu verstehen sei. "Die Stoßrichtung ist eine ganz andere", sagt Kamm.

OTH-Erweiterung


Besonders die OTH und deren hochqualifizierte Absolventen hat Christian Engel im Blick. Er betrachte das Denkdorf auch als "Erweiterungsfläche der Hochschule", als erstes Domizil für Ausgründer und Start-Up-Unternehmen. "Wir investieren sehr viel in Bildung", betont der langjährige ehemalige Vorsitzende des Hochschulbeirates. "Ich kann mir vorstellen, dass wir mit dem Denkdorf einen weiteren Beitrag leisten können und sich Weiden zum Mikromagneten für Hochqualifizierte entwickelt."

Nun stünden weitere Gespräche mit Professor Erich Bauer und seiner Nachfolgerin, OTH-Präsidentin Professor Andrea Klug, an. "Wir haben eine Hochschule für angewandte Wissenschaften. Dazu brauchen wir die Infrastruktur, um das Wissen auch bei uns anwenden zu können." Das Dorf nutzen sollten vor allem "hochqualifizierte industrielle Dienstleister". "Es ist zwar zu früh, um über Investoren zu sprechen, aber wir haben sie sehr wohl bereits im Kopf."

Generationenprojekt


Klar äußert sich auch OB Seggewiß: "Wir sind bei den Alteigentümern der Flächen seit 2008 im Wort. Es wird bei Halmesricht kein normales Gewerbe, keine Industrie und keine Wohnbebauung geben." Die besondere Aufgabe des Denkdorfes müsse sich auch in der Gestaltung widerspiegeln, betonen die Geschäftsführer. So spricht Kamm von einem inspirierenden Ambiente, von einem "komplett anderen Stil", "offen für alle Optionen", Engel vom "Faible für Schönes", vom "Wohlfühlcharakter". "Schönes zu schaffen, kostet auch nicht mehr." Ebenso wie OB Kurt Seggewiß bezeichnen beide das Denkdorf Halmesricht jedoch als "Generationenprojekt", dessen Realisierung in spätestens drei Jahren "dosiert" beginnen solle. "Wenn es pressiert, auch früher", meint OB Seggewiß. Private Investoren, so ergänzt Kamm, könnten schnell eine höhere Geschwindigkeit aufnehmen.
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