Dorfner-Gruppe und Speed4Trade beim Wirtschaftsclub:
Wandel schafft neuen Handel

"Old Economy" und "New Economy" stellen längst keine Gegensätze mehr dar. So sind Kaolin und Quarz für die Dorfner-Gruppe in Hirschau mehr als nur Rohstoffe: Sie veredeln Hightech-Produkte. Die Software-Firma Speed4Trade aus Altenstadt/WN "vereinfacht" das E-Commerce und automatisiert Online-Shops.

Weiden/Hirschau. Beide Unternehmen sind sehr erfolgreich unterwegs: Ihnen gab der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz bei seiner Frühjahrspressekonferenz ein Forum. Präsident Gerhard Ludwig freute sich über eine "sich deutlich entwickelnde Lebensqualität in der Nordoberpfalz".

Weil Keramik, Glas und Papier in den vergangenen Jahrzehnten massiv an Bedeutung verloren haben, musste die 1895 gegründete Gebrüder Dorfner GmbH neue Geschäftsfelder erschließen. Inzwischen erzielen die Kaolin- und Kristallquarzsand-Werke im Landkreis Amberg-Sulzbach 50 Prozent des Umsatzes mit "veredelten" Produkten. Geschäftsführer Dr.-Ing. Erich Oetzel erwartet sogar eine Steigerung auf 70 Prozent in den nächsten Jahren.

Die im Hirschauer Becken "veredelte" Roherde dient quasi als Grundlage für funktionale Füllstoffe (Additive und Beschichtungen) in der Pharma-, Chemie- und Lackindustrie. So finden sich die Zutaten von Dorfner in Küchenspülen (nicht aus Edelstahl) ebenso wie in belastbaren Kunststoffböden in Shopping-Malls oder in Dispersionsfarben.

Dorfner beschäftigt fast zehn Prozent der 300 Mitarbeiter (davon 277 in Scharhof/Hirschau) in Forschung und Entwicklung. Oetzel betonte den Wandel durch Internationalisierung; in einigen Geschäftsfeldern beträgt der Exportanteil bis zu 80 Prozent. Bei Verbundwerkstoffen gilt Dorfner in einigen Nischen als Weltmarktführer. Aufgrund der einzigartigen Qualität liefert die Firma Dorfner ihren aufbereiteten Sand sogar in den mittleren Osten, dessen Wüsten nicht gerade arm an Sand sind. Aus hochwertigem Sand (geringer Eisen-Anteil) entsteht beispielsweise Solarglas.

"Verkaufsmaschine"


Für Holzschutzmittel entwickelte Dorfner einen Füllstoff, der austretende Tannine "auffängt". Oetzel verweist hier auf "weltweit einmalige Patente". Die neuen Produkte hätten das Abbau-Volumen der Rohstoffe "deutlich gesenkt" - und das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter einschneidend geändert. Oetzel: "Die Spezialisierung geht immer weiter." Die 2005 gegründete Firma Speed4Trade zählt heute 90 - festangestellte - Mitarbeiter (davon 50 Prozent Software-Entwickler). "Damals war die Online-Welt noch in Ordnung", meinte Geschäftsführer Sandro Kurz, der das Unternehmen gemeinsam mit Stefan Sommer leitet. Inzwischen gibt es 400 000 Online-Shops in Deutschland. Speed4Trade entwickelt für die Kunden aus dem E-Commerce eine Art (automatisierte) "Verkaufsmaschine" und eine "virtuelle Regal-Verlängerung". Die spezielle Software muss dann in die jeweiligen Kunden-Systeme integriert werden. Kunz: "Wir liefern den Online-Shops mit unserer Software sozusagen das Werkzeug für den Verkauf." Kamen früher die Kunden aus dem klassischen Versandhandel, sind es heute auch die Filialisten.

Speed4Trade gilt als einer der führenden Software-Spezialisten für E-Commerce im deutschsprachigen Raum. Kunz erwartet bei den Online-Shops eine "Phase der Konsolidierung": "Etwa 40 Prozent werden vom Markt verschwinden." Nicht jeder Online-Shop mache Sinne. "Auch in zehn Jahren wird es noch Einzelhändler geben."
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