Eine Stadt altert

Die Jungen werden weniger, die Älteren mehr: Nach einer Prognose werden im Jahr 2030 in Weiden neben 100 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren rund 52 über 64-Jährige leben. 2010 waren es noch 37. Bei den unter 20-Jährigen ist dagegen ein Rückgang zu erwarten. Grafik: nt/az

Neulich, am 1. Oktober, war "Tag der älteren Menschen". Notiz genommen haben davon die wenigsten. Dabei verbergen sich hinter dem Thema Altersentwicklung Zahlen, welche die Gesellschaft verändern werden. Für Weiden gilt das sogar ganz besonders, wie unsere Auswertungen zeigen.

(sbü) Man muss nicht einmal auf die Prognosen schauen: Schon die Entwicklung der jüngsten Vergangenheit zeigt, dass ältere Menschen immer stärker unsere Gesellschaft prägen. Den Trend gibt es in Bayern insgesamt, doch in den Städten ist er besonders stark. Das gilt für Weiden genauso wie für Amberg.

Männer holen etwas auf

Beide hatten nach den Zahlen des Landesamtes für Statistik im Jahr 2013 mit 41 700 (Weiden) und 41 600 (Amberg) eine fast identische Einwohnerzahl. Innerhalb von zehn Jahren, von 2003 bis 2013, ist in Weiden die Bevölkerung im Alter von 75 Jahren und mehr von 3900 auf 4800 angewachsen. Männer konnten dabei ein wenig aufholen, sind aber in dieser Altersgruppe mit 1700 gegenüber 3100 Frauen nach wie vor deutlich in der Minderheit. Amberg hatte schon im Jahr 2003 insgesamt rund 4300 75-Jährige und Ältere. Zehn Jahre später waren es 4900.

Noch deutlicher wird die Entwicklung bei einem Blick auf die Prognosen des Landesamtes für das Jahr 2032. Dann sollen in Weiden - bei sinkender Zahl der Einwohner auf 39 300 - schon 5700 Menschen über 74 Jahre leben. Zählt man die über 60-Jährigen dazu, bilden die älteren Menschen dann schon mehr als 37 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Daneben errechnet die Regierung der Oberpfalz für 2030 sogenannte Jugend- (0- bis 19-Jährige) und Altenquotienten (65-Jährige und Ältere). Sie zeigen, wie viele von diesen beiden Gruppen auf 100 Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren entfallen. Der Altenquotient in Weiden beträgt dann 52,3, der Jugendquotient 28,4. Anders ausgedrückt mit Blick auf die Senioren: Neben 100 Menschen im "aktiven Alter" von 20 bis 64 Jahren stehen schon 52 Senioren. Ob die Ankunft von Flüchtlingen daran wesentlich etwas ändern wird, ist zumindest fraglich (Angemerkt ).

Die Auswirkungen einer alternden Gesellschaft berühren viele Lebensbereiche. Das zeigt sich schon heute recht deutlich. So unter anderem in der Wohnsituation: In fast jedem vierten Weidener Haushalt lebten schon im Jahr 2011, dem Jahr der letzten Volkszählung, ausschließlich Menschen über 64 Jahre.

Sozialetat beansprucht

Kontinuierlich steigt auch die Zahl älterer Menschen, die nach Renteneintritt eine Beschäftigung ausüben. Fast ausschließlich sind es sogenannte geringfügige Beschäftigungen. Ende 2014 standen in Weiden mehr als 1200 Ältere über 65 Jahre in einem Beschäftigungsverhältnis, rund 7 Prozent mehr als 2013. Je nach Standpunkt lässt sich dies als Zeichen von Altersarmut oder von mehr Aktivität interpretieren.

Die Entwicklung bringt auch Belastungen für den Sozialetat der Stadt: Ende vergangenen Jahres gab es in Weiden rund 500 Empfänger der Grundsicherung, die älter als 65 Jahre waren - rund 100 mehr als fünf Jahre zuvor.

Die Auswirkungen der zunehmenden Alterung der Gesellschaft werden auch in anderen Bereichen immens sein, etwa im gesamten Wirtschafts- und Sozialsystem. Daneben werden Themen wie Barrierefreiheit oder die Seniorenpolitik generell an Bedeutung gewinnen.
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