Energietechnologisches Zentrum organisiert Ausstellung im Neuen Rathaus in Weiden
Elektroauto kommt nicht in Fahrt

Am Rande der Ausstellung "Elektromobilität verbindet" zeigte sich Bürgermeister Günter Stich aus Floß sehr begeistert vom Star unter den Elektroautos, dem Tesla. "Schreiben Sie, Bürgermeister Stich steht vor seinem neuen Dienstwagen", scherzte er. Der Tesla hat eine Reichweite von 400 Kilometern, ist sehr luxuriös ausgestattet und kostet laut Besitzer Albert Kindl rund 80.000 Euro. Bild: Bühner

Alles spricht für Elektromobilität. Doch wann und ob sie sich tatsächlich in der Breite durchsetzt, steht noch in den Sternen. Der Erfolg der E-Bikes ist die große Ausnahme. Das Elektroauto kommt nicht so recht in Schwung. Eine Ausstellung im Neuen Rathaus macht deshalb jetzt intensive Werbung dafür.

Weiden. (sbü) Bei der ausgesprochen gut besuchten Eröffnung wurde deutlich, was und wer sich der freien Fahrt des Elektroautos noch in den Weg stellt. Die Hürden sind wohl sehr hoch und auch nur langfristig zu überwinden. Das Energietechnologische Zentrum (ETZ) Nordoberpfalz hatte die Veranstaltung zusammen mit der Volkshochschule, der Firma "ip³" und der "lokalen Agenda 21" organisiert. Die Ausstellungsstücke wurden von der "Bayern Innovativ GmbH" zur Verfügung gestellt.

Tesla, der Star

Sieben Elektroautos waren vor dem Weidener Rathaus zu bewundern, darunter auch die Luxusversion Tesla. Und Elektroautos standen auch im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen des Abends. "Momentan ist die CO2-freie Fortbewegung ins Stocken geraten", stellte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß fest. "Aber wir wollen die Elektromobilität mit dieser Veranstaltung vorantreiben", erklärten übereinstimmend ETZ-Geschäftsführer Matthias Rösch, Veit Wagner (Agenda 21), ip³-Geschäftsführer Stephan Korb sowie Leonhard Dietrich (VHS).

Alle Redner waren sich einig, dass es viele gute Gründe für mehr Elektromobilität gibt. Sie nannten unter anderem Klimaschutz-Ziele, Lebensqualität, Lärmschutz, Mehrwert für die Region und Schritt halten mit der technologischen Entwicklung. Vor welchen Hürden die Elektromobilität jedoch in der Realität steht, erfuhren die Zuhörer in Impulsvorträgen und in einer Podiumsdiskussion.

Dr. Guido Weißmann von "Bayern Innovativ" zeigte zunächst die mentalen Hindernisse in der Bevölkerung gegenüber neuen Technologien auf. Stephan Korb, der für den Landkreis Tirschenreuth gutachtlich tätig war, hält dort 14 neue öffentliche Ladestationen für erforderlich. Selbst in Weiden gebe es bisher nur zwei Stationen und 15 zugelassene Elektroautos. Außerdem kostet eine große öffentliche Ladesäule, trotz der dort angebrachten Werbefläche, rund 7500 Euro.

Kurt Sigl vom Bundesverband eMobilität kritisierte leidenschaftlich die Beschlüsse der Nationalen Konferenz für Elektromobilität: "Die fangen an zu forschen, wie Ladesäulen funktionieren." Sogar das Laden des E-Autos beim Arbeitgeber müsse versteuert werden. Kritik an der Automobilindustrie und am Handel übten mehrere Sprecher an diesem Abend. Aus dem Publikum schilderte Stadtrat Dr. Matthias Löw wie problematisch es war, mit einem Elektro-BMW eine Probefahrt zu machen. Dr. Weißmann sieht ein "systematisches Problem, denn der Handel verdient am E-Fahrzeug zu wenig".

Noch bis 29. August

Die Zuhörer hörten dennoch viel Positives über Elektroautos. Trotz des hohen Preises kämen sie langfristig billiger, rechnete Verbandsvertreter Sigl vor. Bei Zweitautos dürfe die fehlende Reichweite von E-Autos kein Thema sein, sagte er ebenfalls. Die Ausstellung ist bis 29. August, dem Aktionstag "Elektromobilität zum Anfassen", zu sehen. Sie zeigt neben E-Bikes viel Technik.
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