Energiewende schaffen, Erosion verhindern
Dem Klima gewachsen

Die "Durchwachsene Silphie" ist ein Hoffnungsträger auf dem Energiepflanzenfeld des Fachzentrums Almesbach. Die Becherpflanze schützt vor Erosion und kann in der Biogasanlage verwertet werden. Wie die Landwirtschaft auf den Klimawandel reagieren kann, erklärten (von links): Helmut Melchner, Gerhard Schwarz, Projektbetreuerin Elisabeth Sternemann, Siegfried Kiener, Leiter des Landwirtschaftsamts, Gerhard Gradl, stellvertretender Leiter des Fachzentrums Almesbach, und Josef Völkl. Bild: Götz

Kein Wirtschaftszweig ist so direkt von der Klimaerwärmung betroffen, wie die Landwirtschaft. Hohe CO2-Konzentration und warme Temperaturen dienen dem Pflanzenwachstum. Gleichzeitig bedrohen Erosion und Dürre die Ernte. Die Ämter und das Fachzentrum Almesbach arbeiten an Lösungen.

In der Oberpfalz hat sich die Temperatur in den vergangenen 80 Jahren im Durchschnitt um 1,1 Grad erhöht. Das berichtet Gerhard Schwarz, Sprecher des Landwirtschaftsamts. Die Sommer werden immer trockener, die Winter wärmer und feuchter.

"Die Landwirtschaft findet ungeschützt vor dem Klimawandel statt. Sie ist davon wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig betroffen", sagt Schwarz. Das berge Chancen: Die hohe CO2-Konzentration in der Luft habe einen Düngeeffekt auf die Pflanzen. Wegen der Temperaturen sei die Wachstumszeit länger, die Erträge steigen. Der Klimawandel sei aber auch eine Herausforderung: Dürre, Hagel und Starkregen erodierten den Boden. Der Befall durch Schädlinge wie Maiszünzler und Kirschessigfliege sowie Krankheiten nähmen zu. Hinzu komme ein größerer Hitzestress für die Nutztiere.

"Die Landwirtschaft ist einerseits betroffen, aber auch Mitverursacher des Klimawandels", erläutert Siegfried Kiener. Der Leiter des Landwirtschaftsamts berichtet von Strategien, die das Amt gemeinsam mit seinen Partnern umsetzt, um die Konzentration von Kohlendioxid in der Luft zu verringern.

Gestank ist unwirtschaftlich


CO2 zu reduzieren sei eine dankbare Aufgabe für die Landwirtschaft. "Die Pflanzen brauchen Kohlendioxid zum Wachsen", sagt Kiener. Ein Hektar nehme etwa 10 Tonnen pro Jahr auf. "Das kommt über Stroh in den Boden und wird dort fixiert." Ziel der Landwirte müssten deshalb hohe Erträge und ein dauerhafter Pflanzenwuchs sein, beispielsweise durch einen Zwischenfruchtanbau oder ein "System Immergrün". Das werde auch von der EU gefördert. "Im Landkreis Neustadt haben wir von 33 000 Hektar Ackerland 4000 mit Zwischenfrüchten bestellt", erläutert er.

Weiterhin verfolgt Kiener die Förderung des biologischen Landbaus und der Regionalerzeugung, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren, der durch den Transport der Agrarprodukte freigesetzt wird. Das Futter für die Tiere sollte dafür sorgen, dass sie möglichst wenig Nitrat und Phosphat ausscheiden. Die Gülle wiederum dürfe nicht mit Sprengern ausgebracht werden. Besser wäre es laut Amtsleiter, sie mit Schläuchen in den Boden einzuarbeiten. "Wenn es stinkt, bedeutet das, das Ammoniak geht in die Luft." Das sei nicht wirtschaftlich, so der Amtsleiter.

Um dem Klimawandel zu begegnen, beteiligt sich Kieners Amt an verschiedenen Aktionsprogrammen und arbeitet dabei mit dem Amt für ländliche Entwicklung zusammen. So etwa bei der Energiewende: Ziel der Beratung im Projekt "LandSchafftEnergie" ist die Einsparung fossiler Energiegräger. Im Landkreis Neustadt/WN gibt es laut Aussage von Siegfried Kiener mittlerweile 35 Biogasanlagen, die etwa 20 000 Haushalte mit Strom versorgen könnten.

Eine weitere Initiative heißt "boden:ständig". Der Klimawandel sorgt dafür, dass Regen an anderen Stellen und in anderer Stärke als früher auf die Erde fällt. Die Erosion verstärkt sich. "Der Boden soll bleiben, wo er ist", gibt Elisabeth Sternemann als Ziel vor. Die Projektleiterin vom Amt für ländliche Entwicklung erklärt, der Abtrag aus Äckern soll eingedämmt werden, der ungebremste Wasserabfluss aus der Landschaft nach Überschwemmungen verhindert und damit der Nährstoffeintrag in die Flüsse begrenzt werden.

Dialog ohne Zwang


Lösungen würden zunächst in unverbindlichem Austausch mit Gemeinden, Landnutzern und Fachleuten erarbeitet. "Es ist ein Dialog ohne Zwang. Die Not ist groß, es ist kein Problem, die Landwirte mitzunehmen." Sternemann stellt verschiedene Möglichkeiten vor: Zunächst könnten die Landwirte die Bodenbearbeitung verbessern, die Projektbetreuerin empfiehlt auch Zwischenfrüchte oder Mulchsaat. Ein Erdwall, eine Weghöherlegung oder ein Grünstreifen können Erosion verhindern. Einer Auswaschung des Ackers begegnen die Landwirte mit einem Drosselschacht mit Grundauslauf.
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