Erfolgsduo: Hochschule und Stadtwerke

Erfolgreiche Zusammenarbeit und optimale Energienutzung: Projektleiter Michael Kreis von den Stadtwerken zeigt das Blockheizkraftwerk im Klinikum. Bild: sbü

In ihrem theoretischen Elfenbeinturm sind Wissenschaftler nicht mehr sicher. Mehr denn je fordert die Politik die Wissenschaft auf, sich an der Praxis zu orientieren. Für die OTH Amberg-Weiden und die Stadtwerke Weiden ist die Zusammenarbeit längst Routine.

(sbü) Das Institut für Energietechnik (IfE) rund um Prof. Markus Brautsch und sein Team entwickelt Energiekonzepte nicht nur in der Theorie, sondern erprobt sie auch in der Praxis. Davon profitieren Unternehmen wie das Klinikum Weiden und die Stadtwerke.

Im Jahre 2010 begann die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken, dem Klinikum Weiden und der Hochschule in Amberg. Das Klinikum wollte seine Energieversorgung mit Strom und Wärme verbessern. Die Klinikverwaltung und die Stadtwerke Weiden wandten sich deshalb an Professor Dr. Ing. Markus Brautsch, Leiter des Amberger Instituts für Energietechnik an der OTH (Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden), und baten um dessen Mithilfe.

Praxis braucht Theorie

Möglichst kostengünstig und effizient sollte die von den Wissenschaftlern entworfene Lösung sein. Und da begannen die Wissenschaftler damit, was Leute ihrer Zunft in so einem Fall normalerweise erst einmal tun: Sie erfassen alle wichtigen Daten zum Energiebedarf.

"In der Theorie wurde zunächst einmal ein Energienutzungsplan und ein Nahwärmeverbund aufgestellt", berichtete der zuständige Projektleiter der Stadtwerke Weiden, Diplomingenieur (FH) Michael Kreis. Bei der theoretischen Rechnerei kamen jedoch bereits konkrete Ergebnisse heraus. Die Energieexperten folgerten, dass sich zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke mit einer Spitzenlast von 1400 Kilowatt am besten eignen würden. Die alte Heizzentrale sollte auch erhalten bleiben. Klinikum und Stadtwerke fanden die Lösung der Wissenschaftler gut. Prompt wurden Verträge geschlossen und der Hersteller "2G" mit der Arbeit beauftragt. Die Kosten überschritten die Millionengrenze.

Das Ziel war erreicht, Ende 2013 lief die Anlage, die Zusammenarbeit endete jedoch damit nicht. Weiterhin forschen die Wissenschaftler an dem modernen Heizkraftwerk im Klinikum. "Für uns sind das ausgelagerte Laborflächen" schwärmt Professor Brautsch. Wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten fänden dort zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für ihre eigenen Forschungen.

Win-win-Situation

"Aggregate in der Größe wie im Weidener Klinikum sind sehr selten", sagt der wissenschaftliche Energieexperte. Vom bayerischen Wirtschaftsministerium wurden deshalb auch Fördermittel genehmigt. "Vor allem geht es darum, den Wirkungsgrad der Anlage weiter zu verbessern", erklärt der Projektleiter Michael Kreis von den Stadtwerken. Zu diesem Zweck wurde die Anlage online an das Institut für Energietechnik angebunden, so dass sie von Amberg aus gesteuert werden kann. Die Wissenschaftler arbeiten daran, dass sich die Verbrauchswerte des Krankenhauses möglichst nah an die vom Aggregat erzeugte Energie angleichen. Davon profitiert wiederum das Klinikum, das auf diese Weise seine Energiekosten so gering wie möglich halten kann.

Auch in anderen Bereichen arbeiten die OTH in Amberg und die Stadtwerke Weiden zusammen. Beispielhaft ist das Projekt "Regelenergievermarktung". Dabei soll gewährleistet werden, dass die Stromkunden auch bei unvorhergesehenen Ereignissen mit der benötigten elektrischen Leistung versorgt werden. Sich an den Regelenergiemärkten zu beteiligen kann für den Stromanbieter von erheblichem wirtschaftlichen Nutzen sein. So helfen die Wissenschaftler ihren Auftraggeber, weitere Kosten einzusparen.

Am Beispiel der OTH Amberg-Weiden zeigt sich, dass Technologietransfer von der Hochschule in die Wirtschaft erfolgreich ist. Die Zusammenarbeit zwischen Betreiber und Wissenschaft ist eine klassische win-win-Situation - keine Verlierer, zwei Gewinner.
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