Es wird laut

Von wegen stille Post: Lautstark und entschlossen präsentierten sich die Streikenden vor dem "Schützenhaus". Bilder: Kunz (2)

Die einen kündigen Widerstand an, die anderen befinden sich mittendrin im Streik: Am Freitag machen sowohl bei der Telekom als auch bei der Post Mitarbeiter ihrem Unmut gegen die Führung der ehemaligen Staatskonzerne Luft.

Die meisten tragen das Posthorn auf der Kleidung. Zu hören sind aber vor allem Trillerpfeifen. Etwas mehr als hundert Streikende der Post haben sich im "Schützenhaus" versammelt. Sie kommen aus Weiden, aber auch aus Weiherhammer, Grafenwöhr, Schwandorf, Oberviechtach, Neunburg vorm Wald und Sulzbach-Rosenberg. Und sie schwanken zwischen drei Polen: Angst, Trotz und Zuversicht.

Angst, weil sie eine Auslagerung in Billiggesellschaften fürchteten, erklärt Siegfried Feilner, Betriebsgruppenvorsitzender der Gewerkschaft Verdi. Trotz, weil die "Streikbeteiligung ungebrochen ist", von Tag zu Tag sogar noch zunehme. So dass die Post in Weiden sogar schon mindestens eine Halle anmieten habe müssen, um all die liegengebliebenen Pakete und Briefe zu horten. Und Zuversicht, weil der Druck durch die Streiks Wirkung zeige, so jedenfalls die Überzeugung von Verdi: "Wir sind auf der Zielgeraden."

Am liebsten arbeiten

Alfred Ertl wär's nur recht. Der Paketzusteller in Altenstadt ist einer der Streikenden. Er berichtet von viel Verständnis, das ihm und seinen Kollegen bislang entgegengebracht werde. Trotzdem: Am liebsten "möchten wir morgen wieder arbeiten". Aber eben nur, wenn ihre Forderungen erfüllt seien. Bis dahin schrillen erst einmal weiter die Trillerpfeifen.

Während hier also ein wenig Hoffnung auf ein Ende aufblüht, beginnt eine andere Auseinandersetzung erst: Vor dem Telekom-Gebäude in der Oberen Bauscherstraße startet ein erster Protest gegen Pläne des Konzerns, den Innendienst des Technischen Services umzustrukturieren (wir berichteten). Rund 40 Mitarbeiter wären betroffen und müssten künftig in anderen Städten arbeiten, was mitunter lange Anfahrtswege bedeuten würde. Wohlgemerkt: würde. Denn noch versuchen Verdi und die Beschäftigten, das zu verhindern. Zum Protest in der Mittagspause sind nicht nur die Betroffenen gekommen: Insgesamt mehr als 80 stehen vor dem Haupteingang. Immanuel Sammer von der Verdi-Betriebsgruppe kritisiert die Pläne als unzumutbar. Unterstützung gibt es von MdB Uli Grötsch. "Ich werde mich mit meiner ganzen Kraft hinter Sie stellen", sagt der SPD-Politiker und verspricht, sich weiter gegen die Umstrukturierung einzusetzen.

Die Mitarbeiter dürften's goutieren. Denn als die Nachricht über die Pläne des Konzerns eintraf, sei das für sie alle "wie eine Watsch'n" gewesen, sagt Annika Häring, die seit 2008 im technischen Innendienst tätig ist.

Die Telekom hat zwar Stellenangebote an den neuen Standorten angekündigt. Weil die aber weit weg sind, würden einige der Kollegen "mit Sicherheit" hinschmeißen, glaubt Häring. Vor allem diejenigen mit Familien und festem Wohnsitz in Weiden. Klingt ganz danach, als ob in Weiden noch länger Trillerpfeifen zu hören sein werden.
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