Expertin vermittelt "Interkulturelles Wissen für Ausbilder"
Eine völlig andere Denke

Als ausgewiesene Expertin erläuterte Sylvia Schroll-Machl auf sehr unterhaltsame Art die Kulturwelt der Zuwanderer. Bild: Bühner

Das ist normal, ist leicht gesagt. Doch was normal ist, das wird in jeder Kultur anders festgelegt. Wie es definiert wird, erklärt eine Expertin im Auftrag der IHK Regensburg. Ort der Veranstaltung: das Druckzentrum des "Neuen Tag".

(sbü) Die Integration von Asylbewerbern in Arbeitsmarkt und Gesellschaft setzt voraus, dass kulturelle Unterschiede erkannt und berücksichtigt werden. Die Informationsveranstaltung der IHK Regensburg unter dem Titel "Flüchtlinge integrieren - Interkulturelles Wissen für Ausbilder" beschäftigte sich ausführlich mit den unterschiedlichen Verhaltensnormen in Deutschland und den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Geschäftsführende Verlegerin Viola Vogelsang-Reichl hieß die zahlreichen Zuhörer dazu im NT-Druckzentrum willkommen.

Qualvoller Kulturschock


Dr. Sylvia Schroll-Machl, Psychologin und Religionspädagogin, informierte über die Details. Schroll-Machl kommt aus der wissenschaftlichen Sozialpsychologie der Universität Regensburg, ist Buchautorin und langjährige Trainerin von Unternehmensvertretern, die Handel mit außereuropäischen Ländern betreiben.

"Wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen, ist der Kulturschock qualvoll", stellte sie fest. Um Flüchtlinge und Asylbewerber in die deutsche Kulturwelt zu integrieren, müsse zunächst deren Herkunftskultur verstanden werden. Andererseits sei es aber auch erforderlich, unsere eigene Kultur genau zu definieren. "Nur wer seine eigene Kultur zu beschreiben vermag, kann den Flüchtlingen vermitteln, was von ihnen erwartet wird", stellte Dr. Schroll-Machl fest. Der überwiegend in den islamischen Ländern bestehenden Kulturwelt wurde dann die Situation in Deutschland gegenübergestellt. Dabei gelte es auch, Einfühlungsvermögen zu beweisen und zu verstehen, "wo die Zuwanderer Schwachpunkte haben".

Die einzelnen Themenbereiche stellte die Referentin in sehr anschaulicher Art vor. Deutschland sei geprägt vom Individualismus, der islamische Raum dagegen vom Kollektivismus. "Wir trennen Beruf und Privatleben, die Menschen, die zu uns kommen, tun dies nicht". Sachorientierung, abstrakte Systeme, Zeitplanung sowie direkte und explizite Kommunikation stehen Personenorientierung, Hierarchiedenken, Flexibilität und "umschreibender" Kommunikation gegenüber. Arbeit erledigten Zuwanderer nach "subjektiv empfundener Dringlichkeit, ad hoc, flexibel und improvisierend". Selbstständigkeit und "Bringschuld des Mitarbeiters" seien außerhalb von Europa unbekannt.

Strenge Hierarchie


Vor allem die hierarchischen Strukturen in der islamisch geprägten Welt wirkten in viele Verhaltensbereiche ein. "Die Initiative liegt immer beim Höhergestellten". Auch präge die islamische Religion sehr stark das öffentliche Leben in den Herkunftsländern. Und: Fast alle Zuwanderer kämen aus Diktaturen. Die Referentin hielt auch Empfehlungen für den Umgang mit Flüchtlingen bereit. "Waren Sie den Status und das Image des Zuwanderers, blamieren sie ihn nicht vor anderen Menschen", lautete ihr eindringlicher Rat. Direkte Kritik werde als Bedrohung empfunden. Zur Konfliktlösungen könne eine dritte Person eingeschaltet werden.

Eine andere Empfehlung lautete: "Machen Sie immer klar, wo Sie in der Rangordnung stehen. Position sticht das Geschlecht." Der Firmenchef müsse einen Projektleiter "inthronisieren". Zu beachten sei auch, dass Menschen aus völlig unterschiedlichen sozialen Schichten nach Deutschland kommen. In den Mittel- und Oberschichten könne eine Frau auch eine "Herrscherin" sein. Trotzdem seien "Männerwelt und Frauenwelt immer getrennt". Doch im Islam fällt der Mann "immer die letzte Entscheidung".
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