Frührentner: Oft arm dran

"Die Altersarmut droht immer weiter zuzunehmen." Deshalb raten die VdK-Experten Siegmund Bergmann (links) und Josef Rewitzer in ihren Beratungsgesprächen unbedingt zur privaten Vorsorge. Bild: sbü

Der VdK-Kreisverband Weiden warnt vor einer sich verschärfenden Altersarmut in der Nordoberpfalz. "In unsere Geschäftsstelle kommen immer mehr Menschen, denen ihre Rente im Alter kaum mehr zum Leben reichen wird", berichten Josef Rewitzer und Siegmund Bergmann.

Weiden. (sbü) Besonders negativ sei die Entwicklung bei den Erwerbsminderungsrenten, so die Erfahrung von Kreisvorsitzendem Rewitzer und Geschäftsführer Bergmann. Der VdK fordere deshalb von der Politik weitreichende Reformen, damit nach langjähriger Erwerbstätigkeit ein angemessenes Rentenniveau sichergestellt werden könne. Dagegen lehne der Verband insbesondere die sogenannten Dämpfungsfaktoren in der Rentenanpassung ab, ebenso wie weitere Beitragssenkungen.

Tatsächlich sei die Altersarmut für viele schon heute ein Problem, sagen Rewitzer und Bergmann. Ganz besonders schwierig sei die Situation derjenigen, die Erwerbsminderungsrente beantragen müssen. Und sie rechnen vor: "In der Oberpfalz bekamen im Jahr 2013 neue Rentner im Durchschnitt 679,87 Euro als Erwerbsminderungsrente, neue Rentnerinnen sogar nur 568,13 Euro."

Hilfestellung in 300 Fällen

Müsse jemand zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen vor dem 60. Lebensjahr Rente beantragen, würden 10,8 Prozent von der regulären Altersrente abgezogen. "Davon kann man nicht leben", sagen die beiden Rentenexperten. In 300 Fällen hätte der VdK-Kreisverband 2014 Hilfestellung bei Anträgen auf Erwerbsminderungsrente gegeben. Dazu kämen noch rund 40 Weiterzahlungsanträge. "Meistens erschrecken die Betroffenen, wenn sie hören müssen, wie wenig Geld sie nur bekommen", berichtet Bergmann aus seinen Beratungsgesprächen.

Er sieht seine Eindrücke aus diesen Gesprächen auch durch die amtliche Statistik bestätigt. Sie belege, dass die Einkommenssituation vieler Rentner in der Oberpfalz insgesamt sehr schwierig sei, ganz besonders aber in der nördlichen Oberpfalz. Die vom Statistischen Landesamt errechnete Armutsgefährdungsquote bestätige dies. Sie zeigt auf, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erziele. 2013 lag diese Quote in der nördlichen Oberpfalz bei 16,6 Prozent, fünf Jahre davor waren es noch 13,6 Prozent. Auf den gesamten Freistaat bezogen betrug die Quote 2013 dagegen 14,6 Prozent.

"Die amtliche Statistik bestätigt, was ich täglich in der Beratung erlebe", sagt Bergmann. Er befürchtet auch, dass diese Quote in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Bergmann und Rewitzer fordern deshalb "politische Maßnahmen, um dem Trend zunehmender Altersarmut zu begegnen". In einem ersten Schritt müsse hierfür das gegenwärtige Rentenniveau von 50 Prozent sichergestellt werden. Dafür sei die dauerhafte Streichung der Dämpfungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel erforderlich. Auch weitere Beitragssenkungen seien "nicht zielführend".

Wichtig: private Vorsorge

Dass bei Erwerbsminderungsrenten die Zurechnungszeit von 60 auf 62 Jahre erhöht wurde, reiche nicht aus, meinen die VdK-Experten. Der jüngeren Generation empfehlen Rewitzer und Bergmann dringend: "Auch wenn es schwierig ist, betreiben Sie private Vorsorge."
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