Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft verweist auf brennende Probleme
Lehrer je nach Kassenlage

Die Kollegen im Osten verdienen weniger. Und sind nur angestellt. Doch sie dürfen streiken. Gerade um dieses Recht beneidet Anna Forstner, die stellvertretende Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW), die Kollegen. Denn es sei längst keine Freude mehr, in Bayern verbeamteter Lehrer zu sein.

Und: "Zu hoch sind die Hürden, um überhaupt einen Job zu bekommen. Das Problem der befristeten Lehrerplätze werde drängender. Nur 235 der aktuell 720 Referendare an den Gymnasien in Bayern haben eine Chance auf eine Festanstellung. Bei den Realschullehrern würde höchstens ein Fünftel übernommen. Lehrer gibt's nur je nach Kassenlage.

Dabei würden Lehrer an allen Schulen benötigt. Noch nie seien so viele Unterrichtsstunden ausgefallen. Unterstützung in schwierigen Klassen fehle. Der Förderbedarf von Kindern, gerade auch mit Migrationshintergrund, werde völlig ignoriert. "Die Situation an vielen Schulen ist inzwischen verheerend. Bayern nutzt in keiner Weise das Potenzial, das zur Verfügung steht. Die gut ausgebildeten Lehrer müssten sich um Jobs bei den wenigen privaten und kommunalen Schulen anstellen. "Oder sie gehen gleich nach Berlin. Dort gibt's dann wenigstens eine bessere Bezahlung", stellt Forstner fest.

An den Schulen in Bayern gebe es inzwischen drei verschiedene Lohnniveaus. Und der Freistaat mache keine Anstalten, bei der Lehrer-Eingruppierung klare Regelungen zu treffen. "Der Staat hat hier Angestellte, aber keinen Tarifvertrag. Bayern ist da ein sturer Arbeitgeber.

Die Situation der Lehr- und Betreuungskräfte an den Schulen sei inzwischen so dramatisch, dass "auch der Mindestlohn eine Rolle spielt". "Fragen Sie mal, wie das Personal für die Mittags- und Nachmittagsbetreuung oder für den Sportunterricht entlohnt wird! Da bleibt's bei einer Aufwandsentschädigung."

Die Liste der "Baustellen" ließe sich fortsetzen, betont Forstner. Ihre Forderung: Die Kluft zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern in Bayern müsse geschlossen, aber insgesamt ihre Zahl erhöht werden.
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