Gewerkschaften schimpfen auf Faurecia-Führung und Steuerflüchtlinge
„Kein Mitleid, eiskalt“

Deftige Worte servierten Gewerkschaftsvertreter wie Josef Bock (am Rednerpult rechts) bei der Maikundgebung. Anlass war nicht zuletzt die Entwicklung bei Fraurecia. Die Mitarbeiter machten ihrem Ärger auf die Geschäftsführung Luft. Bild: uz

"Sozialschmarotzer", "Steuerverbrecher", "A...löcher": Da nahm sich "Pappnase" geradezu harmlos aus. Bei Festredner Udo Fechtner, dem zweiten Bevollmächtigten der IG Metall Amberg, machten sich bei der Maikundgebung Wut und Ärger Luft.

Zum einen über Steuerflüchtlinge, die ihr Geld am Fiskus vorbei in Steueroasen anlegten, zum anderen über das Missmanagement in Trabitz, wegen dem die Faurecia-Mitarbeiter Ende des Jahres auf der Straße sitzen. Die zogen mit Transparenten vors Rednerpult. Mit den vier Worten "Wir schließen das Werk" habe die Betriebsleitung die Beschäftigten vor knapp zwei Wochen vor vollendete Tatsachen gestellt. "Kein Wort des Mitleids, gar nichts, eiskalt", erinnerte Betriebsratsvorsitzender Karl Bömml. Es folgten "Pfuii"-Rufe.

Dabei habe man vorher die Mitarbeiter seitens der Geschäftsleitung ermuntert, positive Signale nach Frankreich zu schicken. "Auf zehn Millionen Euro haben wir verzichtet", so Bömml. "Danke für die Verarsche", stand auf einem Grußplakat an Faurecia-Vizepräsident Christophe Schmitt.

Josef Bock, DGB-Kreisvorsitzender Neustadt, über den "Zynismus" der Verantwortlichen: "Da reißt man sich 45 Jahre lang für seine Firma den Arsch auf, und dann, wenn es irgendeinem da draußen nicht passt, setzen die uns einfach auf die Straße, wie so ein Stückl Vieh." Und weiter: "Da ist vielleicht auch mal die Politik gefordert." Im Publikum saßen neben OB Kurt Seggewiß, MdB Uli Grötsch und MdL Annette Karl. "Sie sehen, wer hinter uns steht", feuerte Bock die 300 Zuhörer an.

Sich zeigen, das mache viel wett, meinte auch Bömml, der an einen Besuch Ludwig Stieglers - ebenfalls im Publikum - im Werk erinnerte. Er habe den Leuten damals Mut gemacht und seine Hilfe angeboten: "Solche Leute brauchen wir." Da sollten sich andere ein Stück davon abschneiden. Für den 4. Mai, "fünf vor zwölf", rief Fechnter zum Warnstreik in Trabitz auf und appellierte auch an Beschäftigte anderer Firmen, sich zu beteiligen, "damit unsere Kollegen einen würdigen Abgang aus diesem Drecksladen kriegen".

Thema war auch der Mindestlohn. Man habe die 8,50 Euro als Untergang des europäischen Abendlandes verteufelt. "Wie armselig muss man sein, dies zu behaupten." Dies seien 1500 Euro brutto im Monat. "Diejenigen, die das kritisieren, würden nicht mal für 1500 Euro am Tag aufstehen, um in die Arbeit zu gehen." Auch das dauernde Outsourcing war Fechtner ein Dorn im Auge. Er drehte den Spieß mal um. "Lassen wir uns Vorstände aus Tschechien kommen. Die nehmen nur zehn Prozent von den unsrigen, und Leute rausschmeißen können die auch." Der deutsche Eckrentner mit 35 000 Euro brutto im Jahr bekomme 2030 eine Nettorente von tausend Euro. "Dafür hat er dann ein Leben lang gearbeitet. Da wird Diebstahl betrieben. Da werden Menschen betrogen."

Dabei sei viel Geld im Land. "Man könnte das Rentenniveau locker belassen. Die Rente ist schließlich keine soziale Wohltat." Steuerflucht bezeichnete Fechtner als Verbrechen. Diese Leute erwarteten in Deutschland einwandfreie Straßen, allerbeste Krankenhäuser und Schulen. "Und bezahlen sollen das die anderen."
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