Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate vertritt Millionenbetrüger Wolfgang S. in der Revision
Mollath-Anwalt steigt in den Ring

Rechtsanwalt Gerhard Strate (rechts) mit seinem Mandanten Gustl Mollath im Juli 2014 in Regensburg. Jetzt vertritt der Hamburger den verurteilten Millionenbetrüger Wolfgang S. in der Revision. Bild: dpa
Weiden. (ca) Die Kanzlei in Hamburg bestätigt knapp: Ja, Herr Dr. Strate vertritt Wolfgang Artur Franz S. im Revisionsverfahren. Bei Strate handelt es sich um einen deutschen Strafverteidiger, der sich noch nie von komplizierten Verfahren schrecken ließ: Strate vertrat Monika Böttcher, geschiedene Weimar, die sich in drei Indizienprozessen wegen der Ermordung ihrer beiden Kinder verantworten musste. Zuletzt saß der Hamburger Jurist im Wiederaufnahmeverfahren an der Seite von Gustl Mollath - ehe er das Mandat niederlegte.

Urteil: 337 Seiten

Nun also Millionenbetrüger Wolfgang S., der im Frühjahr nach 47 Verhandlungstagen zu elf Jahren Haft wegen Betrugs verurteilt worden ist. Der Wahl-Mallorquiner und Lebemann hatte seinen Geldgebern rund zehn Millionen Euro aus der Tasche gezogen, die auf dubiose Nigeria-Connection-Konten vor allem nach Asien flossen. Damit könne sein aberwitzig hohes Milliarden-Vermögen losgeeist werden.

Das Geld kam nie. Es reichte auch nicht für einen Anwalt nach seiner Wahl. Als Pflichtverteidiger waren dem 68-Jährigen die einheimischen Anwälte Jörg Jendricke (Amberg) und Helmut Miek (Sulzbach-Rosenberg) beigeordnet worden. Sie hatten es nicht immer leicht mit ihrem illustren, redseligen Mallorca-Millionär, ließen sich aber in ihrer Ernsthaftigkeit und ihrem Einsatz bis zuletzt nicht beirren. Das Urteil liegt den Anwälten seit Anfang August vor, 337 Seiten, verfasst von berichterstattendem Richter Dr. Marco Heß. Die Frist für die Revisionsbegründung läuft am 21. September ab. Jendricke bestätigte gegenüber dem NT, an der Revisionsschrift zu arbeiten, Miek ist schon fertig.

Und nun erscheint auf der Bildfläche Dr. Gerhard Strate aus Hamburg als Wahlverteidiger. Ihn gibt es nicht umsonst - das ist klar. Woher das Geld kommt? Darüber kann nur spekuliert werden. Wolfgang S. hat fünf erwachsene Kinder in Nordrhein-Westfalen und Spanien, eigene und adoptierte, die den Kontakt auch in der Haft aufrechterhielten. Auch geprellte Geldgeber waren ihm nach der Festnahme noch zugetan.

In Amberg richtet man sich derweilen auf einen Folgeprozess ein. Der Amberger Landgerichtssprecher Uli Hübner bestätigte den Eingang der Anklage aus Weiden, die auch schon zugestellt sei. Die Staatsanwaltschaft hatte im November letzten Jahres einen Finanzberater (53) aus Amberg in Haft nehmen lassen. Es handelt sich um einen Compagnon von Wolfgang S. Er soll ebenfalls für den großen Millionen-Deal Geld eingesammelt haben - sogar noch, als Wolfgang S. schon in Weiden vor Gericht stand. Etliche Geschädigte kommen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Auch bei diesem Beschuldigten geht es um Millionenbeträge, allein einem Apotheker aus der Schweiz soll er 3,5 Millionen Euro abgeknöpft haben.

Richter mögliche Zeugen

Die Weidener Richter werden eventuell als Zeugen benötigt, etwa, um von ihren Erkenntnissen aus New York zu berichten. Im Rahmen der Beweisaufnahme war die Kammer 2014 in die USA gereist.
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