Handwerk und Mittelständler leiden unter Nachwuchsmangel
Bewerber händeringend gesucht

"Wir suchen händeringend Auszubildende", sagen die beiden Geschäftsführer Hermann Lex und Markus J. Maschner (Zweiter und Vierter von links). Zukunftscoach Roswitha Ruidisch (links) und Yasmin Roth vom Arbeitgeberteam der Arbeitsagentur zeigten Fördermöglichkeiten auf. Bild: Bühner

Erfolgreich am Markt zu sein, nützt wenig, wenn demnächst der Nachwuchs fehlt. Für Mittelständler wie Krapf & Lex ist das Risiko besonders groß. Arbeitsagentur und Zukunftscoach der Stadt Weiden zeigen mögliche Hilfen.

(sbü) Die Zahlen der Arbeitsagentur zum Ausbildungsstellenmarkt machen deutlich: Es gibt immer weniger Bewerber und immer mehr unbesetzte Ausbildungsplätze. Jahr für Jahr verstärkt sich dieser Trend. Derzeit sinkt die Bewerberzahl gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Prozent auf 1423 (Stand Ende Juni) und die meisten haben längst einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen.

Noch vor wenigen Jahren gab es über 1000 Bewerber mehr. Aktuell sind rund 40 Prozent der gemeldeten Plätze noch unbesetzt: nämlich 733. Vor allem unter den Handwerksbetrieben hätten viele resigniert und würden schon keine freien Stellen mehr anbieten, verlautet dazu aus der Arbeitsagentur.

"Großbetriebe im Vorteil"


Mittelständische Betriebe trifft der Nachwuchsmangel besonders stark. "Wir sind gegenüber den Großbetrieben einfach im Nachteil", meinen Hermann Lex und Markus J. Marschner, die Geschäftsführer von Krapf & Lex. Sie leiten einen typischen mittelständischen Maschinenbaubetrieb mit 32 Beschäftigten und brauchen dringend Nachwuchskräfte. Der Hilferuf erreichte auch Yasmin Roth vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur, die zusammen mit der Zukunftscoach der Stadt, Roswitha Ruidisch, das Unternehmen besuchte. Dabei schilderten die Geschäftsführer ihre Besorgnis: "Wir sehen echte Gefahren auf uns zukommen. Das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter liegt bei 53 bis 54 Jahren." Einige seien schon seit 40 Jahren im Betrieb, stünden vor dem Ruhestand.

"Um die Erfahrung der älteren Mitarbeiter weitergeben zu können", werden mindestens vier Auszubildende für den Beruf des Metallbauers, Fachrichtung Konstruktionstechnik, dringend gesucht. Nur zwei Schulabgänger, darunter eine junge Frau, hätten sich bisher gemeldet. Und die seien aus dem eigenen Bekanntenkreis gekommen. Alle Bemühungen, darüber hinaus Interessenten zu gewinnen, liefen ins Leere. Dabei verfüge das Unternehmen über modernste Maschinen, zum Beispiel eine neu erworbene CNC-gesteuerte Plasma-Schneidemaschine. Außerdem seien die Auszubildenden an vielen Aufträgen direkt beteiligt. Derzeit würden zum Beispiel am Erweiterungsbau des Klinikums die Versorgungstechnik, Lüftung und Klimatisierung eingerichtet. Neue Kräfte hätten auch gute Aufstiegschancen.

Mehrere Förderprogramme


Dass es für Krapf & Lex oder die vielen Betriebe in ähnlicher Situation Hilfestellungen gibt, machten dann die beiden Besucherinnen deutlich. "Als Zukunftscoachin kümmere ich mich vor allem um Reserven für den Arbeitsmarkt", sagt Roswitha Ruidisch und verweist auf Bewerber mit "etwas eingeschränktem Leistungsvermögen". Leistungsdefizite könnten möglicherweise durch das Förderprogramm "Fit for Work" aus dem Europäischen Sozialfonds ausgeglichen werden.

Diese Förderung lasse sich mit Hilfestellungen der Arbeitsverwaltung kombinieren, erklärt Yasmin Roth. Sie verweist auf ausbildungsbegleitende Hilfen oder die Einstiegsqualifizierung, bei der ein Bewerber bis zu einem Jahr "erprobt werden kann".

"Fit for Work"Mit dem Programm "Fit for Work" sollen Betriebe unterstützt werden, die leistungsschwächeren Jugendlichen eine Chance für eine Berufsausbildung geben. Zielgruppen sind unter anderem Jugendliche bis 25 Jahre ohne allgemeinbildenden Schulabschluss, Schüler aus Praxisklassen von Mittelschulen, sogenannte Altbewerber, Teilzeitauszubildende sowie Jugendliche, die auf ausbildungsbegleitende Hilfen (ABH) oder auf "Assistierte Ausbildung" angewiesen sind. Ist dies der Fall, können diese eine einmalige Prämie von 4400 Euro für mindestens 22 Monate erhalten.

Die Förderung kann auch für junge Flüchtlinge bewilligt werden, wenn deren Anerkennungsverfahren abgeschlossen ist und sie über eine Aufenthaltserlaubnis verfügen. Einzelheiten auf der Internetseite des Bayerischen Arbeitsministeriums www.stmas.bayern.de, Stichwort "Fit for Work". (sbü)
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