Handwerker kämpfen um Auszubildende: Auf der Ausbildungsmesse werben die Innungsbetriebe ...
Mit Mitmach-Liste auf Azubi-Jagd

Die Handwerker gehen in die Offensive. Noch nie war auf einer Ausbildungsmesse das Handwerk so stark vertreten wie in diesem Jahr. Und sie haben sich auch viel einfallen lassen, um bei den Bewerbern und ihren Eltern auf sich aufmerksam zu machen. Fehlende Aktivitäten und Ideen bei der Nachwuchsgewinnung kann man dem Handwerk bestimmt nicht mehr vorwerfen.

Die Ausstellerliste der Ausbildungsmesse 2015 zeigt: An jedem dritten Ausstellerstand wurden Handwerksberufe angeboten, wenn man die industriellen Handwerksberufe mit berücksichtigt. "Das Interesse an unseren Ständen war überraschend gut", beurteilte Reinhold List von der Innung für Spengler, Sanitär-Heizungs-und Klimatechnik das Ausstellungsgeschehen.

"Trauben von Bewerbern an den Handwerksständen" sahen auch die HWK-Ausbildungsberater Michael Knauer und Martin Kessel. Die Handwerker haben sich auch viel einfallen lassen. In ihrer "Mitmachliste" stand zum Beispiel "Brezenstangen flechten und backen", "Probetraining am Frisuren-Kopf", "Sägen und stemmen von Holzverbindungen", "Mauern ohne Mörtel", "Arbeiten an einer Füllmaschine für Wurst", "Melken am Gummieuter" oder "Binden von kleinen Blumenarrangements".

Kreishandwerksmeister Karl Arnold hatte aus seinem Betrieb eine kleine Schreinerwerksstatt mitgebracht. Holzgeruch und eigene Arbeit mit Holz sollte Bewerber locken.

Am Stand des Bauunternehmens Markgraf aus Weiden konnten Pflastersteine in Rosettenform gelegt werden. Und die Gartenbaubetriebe verteilten Kräutertöpfe und Zierpflanzen. Was man denn im ersten Lehrjahr als Gärtner verdiene, wurde Anton Liedl, Vertreter der Gartenbaubetriebe, gefragt. "Etwas über 500 Euro", antwortete er. Später räumte er ein, dass da noch Luft nach oben sei. Landschaftsgärtner hätten es noch leichter als Gärtnereien, Azubis zu bekommen, meinte Liedl.

Wer für September noch keinen Ausbildungsplatz habe, könne im Handwerk noch unter zahlreichen Angeboten auswählen, meinten alle Innungsvertreter übereinstimmend. Handel, Industrie und Banken hätten dagegen fast ausnahmslos ihre Auswahl abgeschlossen. Insofern sei der Frühjahrstermin der Ausbildungsmesse für das Handwerk günstig.

Ein "gezielteres Interesse der Bewerber an Handwerksberufen" beobachtete Obermeister Dieter Hagn von der Metall-Innung Nordoberpfalz. Die Öffnung fürs "duale Studium" freute Wirtschaftsclub-Präsident Jürgen Spickenreuther. Rückenwind bekamen die Handwerksvertreter auch aus der Politik.

"Wir brauchen nicht nur die akademische Bildung", sagte der Waidhauser Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch (SPD). Der Bund sei sich dessen bewusst und hätte "1,3 Milliarden für das Programm Bildungsketten und 1 Milliarde für das Benachteiligten-Programm bewilligt", erläuterte er. Ähnlich äußerte sich MdL Annette Karl und verwies "auf den Meisterbonus als Äquivalent für den Verzicht auf Studiengebühren". Landrat Wolfgang Lippert meinte, "man solle sich von dem Irrglauben trennen, in Handwerksberufen könne man weniger erfolgreich sein".
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