Handwerkskammer informiert über den Einsatz neuer Technologien
Digital noch nicht normal

Die Programmgestalter des Informationsabends "Der Handwerker in der digitalen Welt": (von links) HWK-Bereichsleiter Alexander Stahl, Geschäftsführer Christian Volkmer von der Projekt 29 GmbH, Betriebsberater Mario Göhring, HWK-Bildungsinstitutsleiter Uli Götz, HWK-Vizepräsident Franz Greipl und Kreishandwerksmeister Joachim Behrend. Bild: Bühner

Gebäudevermessung per Drohne. Ein Werkstück aus dem 3-D-Drucker. Auch im Handwerk ergeben sich durch die neuen Technologien viele Chancen und Veränderungen. Welche, das zeigten Experten der Handwerkskammer auf.

Moderne Handwerksbetriebe sind längst anders als die Werkstatt von Meister Eder. Die digitale Welt hat Einzug gehalten. Bei einigen gibt es aber noch Nachholbedarf. Vertreter der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz erläuterten in einer umfassenden Informationsveranstaltung in der Max-Reger-Halle Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung für das Handwerk. Mancher Betriebsinhaber dürfte sich die Augen gerieben haben, was die Informationstechnologie bereits heute möglich macht.

Uli Götz, Leiter des HWK-Bildungszentrums Schwandorf, zeigte zahlreiche Beispiele für die digitale Unterstützung handwerklicher Arbeiten auf. So unter anderem die 3-D-Technik, auch additive Fertigungsverfahren genannt, in der 3-D-Drucker und 3 D-Scanner zum Einsatz kommen. "Prototypen können mit 3-D-Druckern sehr schnell realisiert werden", stellte Götz fest. Dieser Drucker könne ein CAD-Bild durch schichtweises Auftragen eines Grundmaterials in hochpräzise, filigrane Produkte umsetzen.

Baugewerbe profitiert


Kunststoffe, Metalle oder Keramik, sogar schmelzbare Nahrungsmittel, dienen als Ausgangsmaterial. Räume können exakt mit einem 3-D-Scanner vermessen werden. Für das Bauhauptgewerbe und oder auch für Restaurateure lassen sich so wertvolle Arbeitsgrundlagen herstellen. Noch Zukunftsvision ist die sogenannte Building-Information-Modeling-Technik (BIM). Dabei wird ein Gebäude als 3-D-Modell entworfen und "jeder Handwerker packt seine Technik dort hinein".

Längst keine Zukunftsvision mehr sei der Multicopter, auch Drohne genannt. Damit könnten Dachdecker, Zimmerer, Spengler und andere Handwerker innerhalb von fünf Minuten Gebäudeteile untersuchen und wichtige Informationen ableiten. Beim Einsatz von Multicoptern seien allerdings einige rechtliche Vorschriften, wie zum Beispiel Anmelde- oder Genehmigungspflichten, zu beachten. In einem Film zeigte der Referent auf, wie ein Kirchenmaler mit einer Drohne den gesamten sakralen Raum erfasst. Auch weniger spektakuläre Digitaltechniken für Handwerksbetriebe wurden erläutert: Digitale Buchführung, elektronische Kassensysteme, Betriebsmittelverwaltung mittels RFID-Transpondern und Handwerkersoftware für inner- und außerbetriebliche digitale Kommunikation.

Betriebsberater Mario Göhring informierte über die "Digitalisierung des Marktes", die auch für Handwerksbetriebe viele Chancen bietet. Das Internet biete die Möglichkeit zur Erweiterung des Kundenkreises und zum Aufbau innovativer Geschäftsmodelle. Zu beachten sei aber auch das veränderte Kaufverhalten, weil Kunden sich vor allem im Internet vorinformieren. Göhring betonte aber auch: "Das Internet ersetzt nicht den persönlichen Austausch." Deshalb empfahl er: "Verbinden Sie den Online- mit dem Offline-Auftritt." Die Internetseite müsse dem Kunden einen Zusatznutzen bringen. Das "responsive Webdesign" passe sich dem jeweiligen Nutzermedium wie Smartphone, Tablet oder PC an. Die Teilnahme an sozialen Netzwerken biete Möglichkeiten der kostenlosen Präsentation. Per App könne man den Kunden laufend mit Informationen versorgen. Göhring stellte einen Metzgereibetrieb in einem kleinen Dorf vor, der durch einen Online-Shop das vor Ort eher kleine Käuferpotenzial um ein vielfaches vergrößert habe.

Datenschutz beachten


Im dritten Vortrag des Abends wies Christian Volkmer auf die große Bedeutung von Datenschutz und Datensicherheit hin. Auch der Handwerker müsse sich unbedingt mit der Absicherung seines IT-Systems beschäftigen und seine Mitarbeiter dafür sensibilisieren. "Passwörter sind wie Unterhosen, je öfter man sie wechselt desto besser." Laut einer IBM-Studie seien bei 70 Prozent aller Web-Seiten Standardangriffe möglich. Das Mindestbußgeld bei Datenschutz-Verstößen betrage 25 000 Euro. HWK-Vizepräsidenten Franz Greipl hatte die zahlreichen Besucher eingangs begrüßt.
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