Heuer erstmals mehr Studienanfänger als neue Auszubildende
Wider den "Akademikerwahn"

Zur an den Antrittsbesuch erhielt der neue Präsident der Handwerkskammer, Dr. Georg Haber (links), eine Seltmann-Tasse. Ferner von links: OB Kurt Seggewiß, HWK-Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler, Wirtschaftsförderin Cornelia Fehlner und Kreishandwerksmeister Karl Arnold. Bild: Bühner

Hat Deutschland nun zu viele oder zu wenige Akademiker? Für den neuen Präsidenten der Handwerkskammer ist die Antwort eindeutig: Viel zu viele. Dem "Akademikerwahn" sagt Dr. Georg Haber den Kampf an.

"Der Fachkräftebedarf ist die größte Herausforderung für das Handwerk in den nächsten Jahren", erklärte Dr. Haber. Zusammen mit dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Toni Hinterdobler, war er zum Antrittsbesuch zu Oberbürgermeister Kurt Seggewiß nach Weiden gekommen. Viel Programmatisches war dabei vom Präsidenten zu hören, der erst seit gut zwei Monaten im Amt ist. "Ich wehre mich entschieden gegen diesen Akademikerwahn", betonte er.

Heuer habe es erstmals mehr Studienanfänger als neue Auszubildende im dualen System der Berufsausbildung gegeben, beklagte Haber. Akademiker-Quoten anderer Länder seien nicht vergleichbar mit Deutschland, denn "unsere Meisterausbildung gilt anderswo als Studium".

Um wieder mehr Bewerber für Handwerksberufe zu bekommen, plant die Handwerkskammer zahlreiche Maßnahmen und Aktionen. So soll die Image-Kampagne mit einem neuen zielgruppenorientierten Film ("ein Kracher") fortgeführt werden. Schließlich biete das Handwerk Ausbildungsplätze in 130 Berufen. Sie eröffneten die Chance, "Eignung und Neigung umzusetzen und sich selbst zu verwirklichen". Der Umweg über eine gescheiterte akademische Ausbildung ist für Haber "bildungsökonomischer Wahnsinn". Anpassungsbedarf sah der Handwerkspräsident gemeinsam mit seinem Hauptgeschäftsführer auch bei den Handwerkerlöhnen. "Aber die Gesellschaft muss dies auch in der Preisgestaltung akzeptieren." Auch für eine stärkere Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für ausländische Fachkräfte setzt sich die Handwerkskammer ein.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß lobte das Handwerk als "Rückgrat der ostbayrischen Wirtschaft". Die Konstanz der Beschäftigung im Handwerk und die im Vergleich zur Industrie geringere Konjunkturanfälligkeit schafften Stabilität. Laut Hinterdobler haben Handwerker in Weiden einen Anteil von 61 Prozent an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Seggewiß erläuterte die Arbeitsmarkinitiative der Stadt, mit der versucht werde, auch für das Handwerk Qualifikationsreserven zu erschließen. Der OB bat um Unterstützung bei den Bemühungen um das neue Gewerbegebiet West IV. Für rund 40 Hektar Gewerbefläche lägen Anfragen alleine von Handwerksbetrieben vor, ergänzte dazu Wirtschaftsförderin Cornelia Fehlner.
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