Hochleistungskeramik aus Marktredwitz weltweit gefragt:
Weißes Pulver für Hightech

Jedes Jahr erzielt Ceramtec einen Umsatzzuwachs von drei bis fünf Prozent. Da staunte die prominente Besucherin: Wirtschaftsministerin Ilse Aigner mit CEO Henri Steinmetz (links) und Produktionsleiter Stephan Steiner.
 
Ohne schädliche Nebenwirkungen sind die Hüftgelenksimplantate aus extrem harter und langlebiger Keramik. Bilder: Fütterer (2)

Mit herkömmlichem Porzellan hat Hochleistungskeramik nur die Ursprünge gemein. Die Firma Ceramtec aus Marktredwitz entwickelt als technologischer Weltmarktführer eine große Industrietradition der Region fort. Die Innovationskraft des Unternehmens beeindruckt auch Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Marktredwitz. Ob Dichtungs-Platten für die Mischbatterien im Bad, Mahlwerke für hochwertige Kaffeemaschinen, Zahnersatz oder Implantate für Hüftgelenke: Die Präzisionsteile aus Hochleistungskeramik sind rund um den Globus gefragt. "Jeden Tag kommen Menschen mit unseren Produkten in Berührung - meist, ohne es zu wissen", sagt Henri Steinmetz, Vorstandsvorsitzender der Ceramtec. Der neue CEO reiste eigens aus Luxemburg für die strahlende Wirtschaftsministerin Aigner an. Der Besuch war wohl einer Finanzspritze des Freistaats geschuldet: Die 52-Millionen-Euro-Investition von Ceramtec im Jahre 2013 in modernste Medizintechnik erfuhr staatliche Förderung in Höhe von 14,3 Prozent.

Alle 30 Sekunden


Das international tätigte Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro zählt 3600 Mitarbeiter an 19 Produktionsstandorten, darunter 650 in Marktredwitz. Allein 120 von ihnen widmen sich der Fertigung von Hüftprothesen. Mit einem Weltmarktanteil von 95 Prozent setzt der extrem harte Werkstoff Biolox seit mehr als 40 Jahren "Maßstäbe in der Endoprothetik": Alle 30 Sekunden werden rund um den Globus Kugelköpfe und Pfanneninserts von Ceramtec eingesetzt.

CEO Steinmetz schwärmt von der enormen Haltbarkeit und - bedingt durch die Demografie - von einem stark wachsenden Markt. "Wir haben bisher 15 Millionen Referenzen." 1974 stellte Ceramtec das erste künstliche Hüftgelenk her, 2000 begann eine stürmische Entwicklung. Die Spezialkeramik ist Allergie-frei. Noch in Kleinserien von 20 bis 30 Exemplaren erfolgt die Fertigung von Knieimplantaten. "Hier geht die Tendenz zur Individualisierung."

Nach eigenen Angaben ist Ceramtec weltweit der einzige Hersteller von völlig transparenter Keramik. Sie wirkt wie Glas, zeichnet sich jedoch durch eine wesentlich höhere Stabilität und Kratzfestigkeit aus. Clou dabei ist die Fertigungsmethode: Die weniger als 50 Nano-Millimeter winzigen Keramikkörnchen werden auf 2000 Grad Celsius erhitzt und dann bei 2000 bar Luftdruck verpresst. Die schusssicheren Scheiben finden in der Ballistik reißenden Absatz.

Wie "zweite Haut"


Exotisch muten die Formen für Latex-Handschuhe an. Die nach ihnen modellierte "zweite Haut" findet als Einweg-Produkt u.a. in der Chirurgie Verwendung. Ceramtec steckt in Trägern für Katalysatoren in der Chemie ebenso wie in der Leistungs-Elektronik (LED), in der Injektions-Steuerung von Automotoren und in der E-Mobilität (Projekte mit Tesla).

Nach Überzeugung von CEO Steinmetz orientiert sich die Produktion bei Ceramtec in Marktredwitz "nahe Industrie 4.0". "Alle Schnittstellen und Übergänge sind digitalisiert."

Jeden Tag kommen Menschen mit unseren Produkten in Berührung - meist, ohne es zu wissen.Henri Steinmetz, CEO Ceramtec
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