IG BCE-Bezirksleiter appeliert an Unternehmen
"Gebt den Jungen eine Chance"

Bezirksleiter Hartmuth Baumann von der IG BCE. Bild: Götz

Erst vor Kurzem hat die IG Bergbau, Chemie, Energie einen Manteltarifvertrag mit dem Labordienstleister Synlab abgeschlossen. Aus Sicht der IG BCE ist das nicht nur ein Erfolg für die Mitarbeiter. "Das ist eine Win-Win-Situation, auch für die Arbeitgeber", ist Bezirksleiter Hartmuth Baumann überzeugt. Denn nur mit guten Konditionen könnten die Unternehmen gute Mitarbeiter finden. "Es ist auch ein Gewinn für die Stadt Weiden. Der Mindestlohn allein reicht nicht, um die Entwicklung der Region voranzubringen."

Überhaupt war Baumann beim Jahrespressegespräch der Gewerkschaften mit der Situation in den von ihm betreuten Branchen sehr zufrieden. Mit drei Ausnahmen: In der Kunststoffindustrie ist das Automobilzuliefergeschäft weiter schwierig. Bei der Weidener Firma Polytec seien die Aufträge stark zurückgegangen. "Wir haben den Karbonbereich gerettet. Aber wie es nach 2017 in Weiden weitergeht, ist unklar. Wir wollen natürlich die Standards halten."

Problem Nummer zwei: Die Auszubildenden werden immer weniger, zudem sei der gewerblich-technische Bereich kaum gefragt. Hier herrsche in der Regel ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb, auch am Wochenende. "Wer wählen kann, nimmt etwas anderes." Eindringlich appellierte Baumann deshalb an die Betriebe: "Gebt den Jungen eine Zukunft. Sie brauchen sichere Rahmenbedingungen, um ihre Miete zu zahlen und ihre Zukunft zu planen." Die Schott AG in Mitterteich sei bisher das einzige Unternehmen, das Auszubildenden eine unbefristete Übernahme zusichere.

Junge Flüchtlinge könnten eventuell zur Lösung des Nachwuchsproblems beitragen. "Die Amberger Kaolinwerke beschäftigen jetzt einen jungen Mann aus Somalia, der die Mittlere Reife nachgeholt hat." In der Regel gelte aber: "Da muss ein großes Rad gedreht werden." Um diesen anspruchsvollen Ausbildungsberufen zu genügen, müssten die Jugendlichen durch Coaching und andere Maßnahmen noch stärker unterstützt werden.

Problem Nummer drei: Die Höhe der Rente. Baumann verwies auf die hohe Arbeitsbelastung und die gesundheitlichen Folgen für viele Beschäftigte. "Nach 35 bis 45 Jahren Einsatz, muss bei der Rente etwas rüberkommen, was auch den Wert der Arbeit darstellt."

Aus der Porzellan- und Glasindustrie in der Region berichtete der Bezirksleiter dagegen nur Erfreuliches: Die Firmen Seltmann, Bauscher, Rosenthal und Pilkington hätten durchwegs gute Auftragslagen. Auch die Investition in das neue Hochregallager der Firma Nachtmann sei ein Bekenntnis zum Standort Oberpfalz.
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