IG Metall Amberg feiert 125-Jähriges Bestehen der Gewerkschaft
Der Kampf geht weiter

Gewohnt kämpferisch feierte die IG Metall ihr 125-jähriges Bestehen. Als Gäste hieß 1. Bevollmächtigter Horst Ott (am Rednerpult) unter anderem SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Roland Richter (vordere Reihe, von links), Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch, Dr. Stefan Klumpp vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie sowie Oberbürgermeister Kurt Seggewiß willkommen. Bild: Bühner

Manchmal muss es eben auch Konflikte geben. Diese Lehre zieht die IG Metall bei der Feier ihres 125-jährigen Bestehens. Warum? Weil es dadurch vielen Menschen besser geht. Auch wenn die Gewerkschaft manche Ziele immer noch nicht erreicht hat.

(sbü) Ein Versprechen zum Schluss: "Der Kampf geht weiter." Mit diesem Satz beendete Joachim Bender seine Festansprache zum 125-jährigen Bestehen der IG Metall im Kulturzentrum Hans Bauer. Dort beging der IG-Metall-Amberg (16 000 Mitglieder), dessen ehemaliger 1. Bevollmächtigter Bender ist, am Mittwoch eine von mehreren Jubiläumsfeiern.

Bender spannte den gesamten geschichtlichen Bogen der Entwicklung der "Metaller-Gewerkschaft" seit 1891. In jenem Jahr, zur Zeit der ersten Hochindustrialisierung im Kaiserreich, hatte sich der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) gegründet. Es herrschten "unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen", die Gewerkschaften "waren damals noch nicht als Verhandlungspartner der Arbeitgeber anerkannt", erklärte der Festredner. Es habe schwarze Listen mit Gewerkschaftsmitgliedern gegeben, Streikführer seien wegen Landfriedensbruch im Gefängnis gelandet.

Viele Erfolge


Später, als Ende der 1920er Jahre Massenarbeitslosigkeit grassierte, mussten Gewerkschaften Lohnabbau und Urlaubsverkürzungen akzeptieren. Die dabei hervorgerufene Wirtschaftskrise "war der Nährboden für den Nationalsozialismus", sagte Bender. Der Neubeginn nach 1945 stand dann im Zeichen des Kalten Krieges und der Währungsreform. "Die Wirtschaftsmacht lag in den Händen weniger, und der wirtschaftliche Aufschwung geschah auf dem Rücken der Masse der Lohnabhängigen."

Zentrales Ziel der 1949 neugegründeten IG Metall war, "die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Mitglieder zu fördern". Zu den Erfolgen der Gewerkschaft in der Nachkriegszeit zählen laut Bender unter anderem die Abschaffung des "Frauenabschlags", die paritätische Mitbestimmung in der Stahlindustrie, Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, Kündigungsschutz und Schutz vor Rationalisierungsfolgen. Später habe dann der Schwerpunkt auf der Arbeitszeitpolitik gelegen.

"Kämpfen lohnt sich", schlussfolgerte der Festredner und verwies auch auf den Kampf der Arbeitnehmer um die Maxhütte. Die Aktionen damals hätten die Maxhütte ins Bewusstsein der Politik gebracht. Heute liege im Umkreis der Maxhütte die Arbeitslosenquote nur noch bei 2,8 Prozent gegenüber 19 Prozent zum Zeitpunkt der Schließung.

In der Zeit nach der Wiedervereinigung bis heute geht es Bender zufolge um die Herstellung "der sozialen Einheit" und um die Bewältigung des Strukturwandels in der Industriegesellschaft. Mitbestimmung und Tarifautonomie hätten sich vor allem in der Krise von 2008 bewährt. Die weitere Deregulierung sei durch Mindestlohn, Leiharbeitsbegrenzung und Rente mit 63 gebremst worden. Fast resignierend stellt Bender allerdings auch fest: "Das Maß der ungleichen Verteilung ist seit 125 Jahren gleich geblieben."

Der amtierende 1. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg, Horst Ott, erklärte, "die Kultur des Konflikts hat Erfolge gebracht". Wichtig sei das Prinzip der Einheitsgewerkschaft. Auch mit Kollegen, die in der AfD seien, müsse man sich inhaltlich auseinandersetzen. Gleichzeitig hob Ott - neben vielen weiteren Gästen der Feierstunde - einen besonders hervor: Es freue ihn, dass Dr. Stefan Klumpp vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie gekommen sei.

"Ein absolutes Pfund"


OB Kurt Seggewiß lobte in seinem Grußwort die Gewerkschaften. "Sie sind ein absolutes Pfund, wenn es um die Gestaltung unseres Lebens geht." Mit 2,3 Millionen Mitgliedern ist die IG Metall die größte Einzelgewerkschaft Deutschlands.

Die Kultur des Konflikts hat Erfolge gebracht.Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Amberg
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