Imageanalyse: Europäische Metropolregion Nürnberg braucht klares Profil
Nette Tante statt scharfe Cousine

Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger (rechts) stellt einen Part der Imageanalyse vor. Bilder: Hartl (2)
 
Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger (rechts) stellt einen Part der Imageanalyse vor. Bilder: Hartl (2)

Das Geburtstagskind wird nächstes Jahr zehn. Eine Imageanalyse zeigt, dass der angehende Teenie beliebt, naturlieb, aber auch ein wenig bieder ist. Das wollen die ehrgeizigen Eltern jetzt ändern: "Die Europäische Metropolregion Nürnberg braucht ein klares Profil", fordert Ratsvorsitzender Armin Kroder, Landrat von Nürnberg Land.

Die 25. Ratsitzung der Metropolregion Nürnberg (emn) am Dienstag in der Max-Reger-Halle hatte elf Tagesordnungspunkte - das mit Spannung erwartete Hightlight war die Vorstellung einer Imageanalyse.

"Wir wollten uns den Spiegel vorhalten, um die Ausstrahlung unserer Metropolregion zu überprüfen", erklärt Amberg-Sulzbachs Landrat Richard Reisinger als politischer Sprecher die Motive. Man habe 100 "Metropoliten" befragt: "Kompetenzträger aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, aber auch normale Bürger."

Wofür steht die Metropolregion?

"Ich trete den Versuch an, das Kondensat auf vier Charts zu bringen", fasste zum Schluss Peter Ottmann, fachlicher Sprecher und Geschäftsführer der Nürnberg-Messe, die Ergebnisse zusammen: "Wir werden eher als nette Tante denn als scharfe Cousine wahrgenommen." Das habe aber auch seine Reize, zumindest wenn man nicht mehr 16 sei: "Die Tante bringt die Schokolade mit." Was die Arbeitsgruppe erstaunt habe: "96 Prozent der Befragten sagen, die Lebensqualität hier sei super." Die Mehrheit sei zufrieden, Teil der Metropolregion zu sein. Allerdings sei vielen nicht klar, wofür die Metropolregion stehe. "Daran müssen wir arbeiten", sagt Ottmann. "Man betrachtet uns als weniger bedeutend, weniger erfolgreich, modern, innovativ und gesellig als andere."

Um dies zu verändern, solle Nürnberg nicht nur eine Lock-, sondern auch eine Lokfunktion einnehmen. Zumal die Metropolregion bei den Top-Entscheidern nicht "top of mind" sei, was bedeute: "Bei der offenen Frage, welche Metropolregionen kennen Sie?, ist die emn nicht gleich am Schirm." Allerdings: "Wir sind erst neun Jahre und führen schon die zweite Reihe vor Hamburg und Berlin-Brandenburg an - großes Kompliment!" Keine schlechte Leistung, wenn man bedenke, dass es auch noch eine vierte Reihe gebe mit Bremen-Oldenburg als Schlusslicht.

Im Mittelteil versuchte Jürgen Breitinger von der Icon Added Value GmbH aus der "Menge Holz" von erfragten Daten Schlussfolgerungen für Marketingmaßnahmen zu ziehen: "Wo stehen wir nach zehn Jahren aus Sicht der Menschen?", will der Nürnberger wissen, "wir wollen die Marke voranbringen". Die Zufriedenheit mit der Lebensqualität vor Ort, wo man günstigen Wohnraum sowie gute Angebote für Familien und Kinder bekomme, sei eine solide Basis.

Aufstieg in Erste Liga

Was fehle, sei die Unterscheidbarkeit. Im Vergleich schneidet die Metropolregion Frankfurt hier am stärksten ab: Mit dem Bankenzentrum und der Skyline sei die Mainmetropole international präsent. Stuttgart verdanke der Automobilindustrie eine gewisse Aufmerksamkeit. "Aber alle anderen tun sich auch schwer." Auf der Grundlage der Analyse wolle man ein Imageprofil entwickeln, das mit den Attributen aufgeladen werden soll, welche die emn später unverwechselbar mache.

"Mit der scharfen Cousine kann ich mich noch nicht so recht anfreunden", machte Landrat Kroder deutlich, dass die schwierigste Aufgabe noch bevorsteht - die Entwicklung eines scharfen Profils: "Ich drücke es lieber sportlich aus. Wir sind Tabellenführer in der 2. Liga und wollen in die 1. Liga aufsteigen."
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