Immer mehr Arbeit für Ältere
Folge des Fachkräftemangels: Firmen bauen wieder stärker auf Über-55-Jährige

Klaus Gredinger, Teamleiter des Arbeitgeberteams der Agentur Weiden: "Der Arbeitsmarkt braucht die Älteren, aber viele sind einfach körperlich verschlissen." Bild: Bühner

Die Hartz-IV-Arbeitslosigkeit bei Älteren wächst: Was überregional häufig berichtet wird, trifft im Grundsatz auch für die Stadt Weiden und den gesamten Agenturbezirk zu. Sobald der Leistungsanspruch aus der Arbeitslosenversicherung ausläuft, folgt meist der Wechsel in den Hartz-IV-Bereich. Doch die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt auch ein anderes Bild

Die Arbeitsmarktsituation für Menschen über 55 Jahre hat demnach zwei Gesichter. Zum einen gibt es hier wie fast überall bei diesem Personenkreis seit Jahren ein kräftiges Anwachsen der Arbeitslosenzahlen bei Hartz IV. Ende November war im Stadtgebiet fast schon jeder fünfte der rund 1900 arbeitslosen Hartz-IV- Empfänger 55 Jahre und älter. Andererseits ist bis März dieses Jahres in nur zwei Jahren die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 55 Jahre im Stadtgebiet von 3600 auf 4200 angewachsen.

"Deutlich verbessert"


In keiner anderen Altersgruppe war das Beschäftigungswachstum so hoch wie bei den älteren Arbeitnehmern. Experte dafür ist Klaus Gredinger, Teamleiter des Arbeitgeberteams der Agentur für Arbeit in Weiden. Zusammen mit seinem Team erlebt er täglich die Vermittlungssituation bei Hartz-IV-Empfängern und allen anderen Arbeitslosen. Und er sagt: "Die Arbeitsmarktsituation der Älteren hat sich deutlich verbessert." Vorbei seien die Zeiten, in denen das Alter allein schon ausreicht, dass der Betrieb jemanden entlassen will. "Da wirkt sich der Fachkräftemangel besonders positiv aus."

Ältere Arbeitslose hätten immer dann eine gute Vermittlungschance, "wenn sie körperlich noch leistungsfähig sind". Da allerdings bei älteren und vielfach langzeitarbeitslosen Hartz-IV-Empfängern oftmals mehrfache Handicaps vorliegen, werde die Wiedereingliederung in das Erwerbsleben extrem schwierig. Dies gelte ganz besonders im gewerblich-handwerklichen Bereich. Da helfe dann auch nicht mehr , "dass der Eingliederungszuschuss bis zu 50 Prozent der Lohnkosten für ein Jahr beträgt ", sagt Gredinger.

Geringfügige Beschäftigung


Demografie und Konjunktur verbessern die Beschäftigungssituation der älteren Arbeitnehmer. Manche dürften allerdings auch wegen Fehlens einer attraktiven Vorruhestandsregelung ihren Ruhestand hinauszögern, sagen die Experten. Um die Beschäftigungssituation Älterer vollständig darzustellen, muss auch auf die geringfügig entlohnte Beschäftigung geblickt werden. Zusätzlich zu den aktuell rund 4200 sozialversicherungspflichtig beschäftigten 55- bis 65-Jährigen in Weiden gibt es rund 1000, die zwar arbeiten, dabei aber ausschließlich eine geringfügige Beschäftigung ausüben. Diese Zahl stagniert seit Jahren. Kräftig zugenommen hat allerdings in letzter Zeit die Zahl derjenigen 55- bis 65-jährigen Sozialversicherungspflichtigen mit einem Neben- als Zweitjob. Zwar sind dies in Weiden derzeit erst knapp 400, aber bei deutlichem Zunahmetrend.

Die Statistik zählt in der Max-Reger-Stadt auch gut 1000 Rentner über 65 Jahren, die eine geringfügige Beschäftigung ausüben. Doch es gibt keine Aussage darüber, ob dies aus wirtschaftlicher Not oder einem anderen Grund erfolgt.

Weniger JüngereDass die Wirtschaft die älteren Arbeitnehmer dringend benötigt, zeigt der Blick auf die aktuelle Beschäftigtenentwicklung der Jüngeren. Weitgehend demografisch bedingt, aber auch wegen des verstärkten Trends zum Studium sank im Stadtgebiet innerhalb von 12 Monaten die Beschäftigtenzahl bei den Unter- 25-Jährigen um 300 auf 3500. (sbü)
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