In der Region Marktanteil auf 18 Prozent ausgebaut: keine Filialschließungen:
Commerzbank: Verlust geringer als befürchtet

Werner Braun, Bereichsvorstand Privatkunden Süd. Bild: cf

Frankfurt. Der bevorstehende Umbau riss die Commerzbank im dritten Quartal in die roten Zahlen. Unter dem Strich standen 288 Millionen Euro Verlust, wie der teilverstaatlichte Dax-Konzern am Freitag in Frankfurt mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte die Bank 235 Millionen Euro verdient. Hauptgrund für das Minus waren bereits angekündigte Abschreibungen in Höhe von 627 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem geplanten Schrumpfkurs. Zudem belastete eine höhere Risikovorsorge wegen des schwierigen Geschäfts mit Schiffskrediten.

Analysten hatten mit einem noch höheren Verlust gerechnet. Im Tagesgeschäft lief es jedoch besser als gedacht. So ging der operative Gewinn binnen Jahresfrist lediglich um fünf Prozent auf 429 Millionen Euro zurück. Als Stütze erwies sich wieder einmal das Privatkundengeschäft. Den Belastungen durch das Zinstief versucht die Bank mit einer Ausweitung der Kreditvergabe und einem verstärkten Wertpapiergeschäft zu trotzen. Zudem bleibt der Konzern erfolgreich auf Kundenfang: Seit 2013 konnte die Bank 994 000 zusätzliche Privatkunden gewinnen und hat damit ihr Ziel von einer Million bis Ende dieses Jahres so gut wie erreicht.

Am Ende schwarze Zahlen


Einen kräftigen Gewinnzuwachs meldete das Investmentbanking, während die Mittelstandsbank über den Sommer ihr Ergebnis stabilisierte. Dagegen gab es im Osteuropageschäft ein deutlichen Gewinnrückgang. Die konzerneigene Abwicklungssparte schrieb wieder rote Zahlen. Trotz der Abschreibungen rechnet die Bank für das Gesamtjahr letztendlich mit schwarzen Zahlen. In den ersten neun Monate schmolz der Überschuss zum Vorjahreszeitraum um fast 90 Prozent auf 96 Millionen Euro zusammen. Im Gesamtjahr 2015 hatte die Bank erstmals seit langem wieder einen Milliardengewinn erzielt. Laut Finanzvorstand Stephan Engels erwartet die Bank im laufenden Gesamtjahr "netto einen dreistelligen Millionengewinn".

Der seit Mai amtierende Vorstandschef Martin Zielke will die Commerzbank in den nächsten Jahren auf zwei Geschäftsfelder konzentrieren: Privatkunden und Firmenkunden. Dazu spaltet er die Mittelstandssparte auf. Das Großkundengeschäft wird mit dem Investmentbanking zusammengeführt, kleinere Unternehmenskunden sollen dagegen vom Privatkundenbereich betreut werden. Verbunden ist der Umbau mit der Streichung von 9600 der zuletzt gut 45 000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2020. Weil die Bank zugleich 2300 neue Arbeitsplätze im In- und Ausland schaffen will, sollen unter dem Strich 7300 Vollzeitstellen wegfallen.

Der Bereichsvorstand für Private Kunden Süd, Werner Braun, betonte am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung die "höchst erfolgreiche" Entwicklung der Commerzbank in der Region. "Wir werden keine einzige Filiale schließen. Natürlich denken wir schon mal über eine Anpassung der Öffnungszeiten und effektivere Arbeitsprozesse nach." Die für 21 Filialen mit 150 Mitarbeitern in der Oberpfalz (außer Regensburg und Neumarkt) zuständige Commerzbank-Niederlassung Weiden gewann in den ersten neuen Monaten netto 900 neue Kunden (auf nun 104 000) und 1300 neue Konten; sie vergab 86 Millionen Euro (plus 18 Prozent) neue Kredite, mit denen sie u. a. 450 Eigenheime finanzierte.

Kostenloses Girokonto


Niederlassungsleiter Sebastian Hackl bezifferte den Marktanteil auf 18 Prozent in der mittleren und nördlichen Oberpfalz. Der Standort Mitterteich sei sogar die Filiale mit der "höchsten Marktdurchdringung" in ganz Deutschland. Der Wertpapier-Bestand stieg um 30 Prozent.

Bereichsvorstand Braun versicherte, dass die Commerzbank das kostenlose Girokonto für Privatkunden beibehalten werde. Eine "Verwahrgebühr" greife erst ab zweistelligen Millionenbeträgen.
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