Interview mt Fondsmanager Robert Beer
"Aufgeblasener chinesischer Aktienmarkt"

Robert Beer. Archivbild: Hartl

Weiden/Amberg. Die trudelnde Börse Chinas schickte nicht nur die Aktien in Deutschland auf den Sinkflug, sondern sorgte vor allem in Asien für enorme Verluste. So verzeichnete der japanische Leitindex Nikkei mit einem Minus von 7 Prozent den schlechtesten Jahresstart seiner Geschichte. Unsere Zeitung sprach mit dem Fondsmanager Robert Beer aus Parkstein (Kreis Neustadt/WN).

Hält die chinesische Börse die internationalen Aktienmärkte auch weiterhin in Atem?

Beer: Die starken Schwankungen werden uns das nächste halbe Jahr begleiten, bis die chinesischen Aktien wieder ein einigermaßen normales Niveau erreicht haben. Auch wenn sie um weitere 20 bis 30 Prozent fallen, sind sie immer noch teuer. Ich selber würde keine einzige China-Aktie kaufen. In diesem Zusammenhang fällt mir der Vergleich mit dem Neuen Markt ein ...

Der Dax rutschte in der ersten Januarwoche so stark ab, dass fast die gesamten Gewinne 2015 aufgezehrt wurden. Ein schlechtes Omen für 2016?

Beer: Nein. Das - überraschende - Minus ist weitgehend externen Faktoren geschuldet. China verbreitet unnötige Ängste. Dabei lässt die bisherige Korrektur um 30 Prozent lediglich die Luft aus dem völlig aufgeblasenen chinesischen Aktienmarkt heraus. Die Realwirtschaft Chinas ist da wesentlich solider aufgestellt.

Eine angesehene Zeitung titelte dieser Tage "Schicksal des Dax hängt an einem seidenen Faden". Ist es wirklich so dramatisch?

Beer (lacht): Die soliden Dax-Werte sind jetzt um fast zehn Prozent billiger. Ich habe keine grundsätzliche Sorge. Es gibt eine Reihe von extrem guten Nachrichten, so ist der schwache Euro - mit nahezu Parität zum Dollar - ein Segen für die deutsche Exportwirtschaft.

Der Preisverfall bei Öl und Rohstoffen beunruhigt Sie nicht?

Beer: Ich werte diese Entwicklung nicht negativ. Die Preise für Öl und Rohstoffe wurden jahrelang nach oben getrieben und manipuliert. Die Exportländer haben gut verdient. Den Preisverfall sehe ich keineswegs als Vorboten einer Weltkonjunktur-Krise. Die niedrigen Kosten für Öl und Rohstoffe sind vielmehr ein Grund zur Freude.

Die Unternehmen "parken" ihre Liquidität lieber, als zu investieren. Ruht sich die deutsche Wirtschaft auf den Lorbeeren aus?

Beer: Den Unternehmen geht es so gut, dass die Kassen gefüllt sind. Der Mittelstand schwimmt in Geld, er legte beim Eigenkapital deutlich zu. Früher haben wir gejammert, dass die Eigenkapital-Quote so niedrig ist.
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