Investitionen in Betongold und die Folgen
Mieten ziehen davon

Die SGW Stadtbau besitzt derzeit 1603 Wohnungen in Weiden. Weit mehr als jeder andere. Doch sie kann derzeit nur freie 17 Wohnungen anbieten - viel zu wenig für die gewaltige Nachfrage. Günstiger Wohnraum wird in Weiden aber aus vielen Gründen immer seltener.

Bei der Gesellschafterversammlung sprach Geschäftsführer Günther Kamm vom "Fluch und Segen" der derzeit niedrigen Zinsen. Viele, die über freies Kapital verfügten, versuchten sich in "Beton-Gold". Die Nachfrage treibe die Baupreise. Geradezu fatal wirke sich zudem die jüngste Energieeinspar-Verordnung aus. Allein sie verteuere Neubau-Projekte um bis zu acht Prozent.

"Ich weiß nicht, wo die Baukosten enden. Sie schlagen immer stärker auf die Mieten durch. Jeder Investor braucht eine Mindestrendite. In München sind Mieten um 20 Euro pro Quadratmeter keine Seltenheit mehr. Auch bei uns explodieren die Immobilienpreise. Das beeinflusst deutlich die Mieten. Wenn nicht heute, dann morgen", sagte Kamm.

Die Neubaupreise näherten sich - egal ob in München oder Weiden - der Marke von 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Dies bedinge etwa zehn Euro pro Quadratmeter bei der Miete. "Wir werden uns bei den Neubauten auf dieses Niveau einstellen müssen. Wir haben zwar keinen extremen Markt. Es gibt aber mehr als nur Anzeichen: Es kommen Steigerungen, die man vor zwei Jahren für nicht möglich gehalten hat."

4,19 Euro pro Quadratmeter


Schon in diesem Jahr sieht Kamm "auf breiter Front eine Mieterhöhung von 1,5 Prozent". Die SGW werde weiterhin alle Einsparpotenziale ausschöpfen. "Aber Mietererhöhungen werden dennoch nicht vermeidbar sein." Bisher habe die SGW Stadtbau meist nur bei einem Mieterwechsel eine Preisanpassung durchgeführt. Die durchschnittliche Miete (ohne Heizung, ohne Nebenkosten) liege bei der Stadtbau bei 4,19 Euro pro Quadratmeter. "Das ist einer der niedrigsten Werte in ganz Bayern", betonte Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. 2011 lag die Durchschnittsmiete bei 3,92 Euro pro Quadratmeter.

Um der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt folgen zu können, vor allem aber den Beziehern von "Transfereinkommen" (z. B. Hartz-Empfänger) nicht gänzlich abzuhängen, beschloss der Stadtrat am Montag in nichtöffentlicher Sitzung, den Mietpreisspiegel überarbeiten zu lassen. Auch der Landkreis plane eine Anpassung, deutete Seggewiß an.

Da in Weiden die zur Refinanzierung nötigen Mieten nicht erreicht werden könnten, sei der soziale Wohnungsbau tot. Aufgrund eines "absoluten Fauxpas" in den Vorgaben des "Wohnungspaktes Bayern" könne der soziale Wohnungsbau in der Stadt auch nicht wiederbelebt werden. Gerade die "eigentlich städtische" Stadtbau sei von der Förderung nämlich ausgeschlossen, bedauerte Seggewiß. Andere private Bauherren müssten sogar Geld mitbringen. "Das funktioniert nicht." Kamm betonte, dass der Schwerpunkt der Arbeit weiterhin bei der Bestandspflege liegen müsse. Die Gebäude würden weiter durchsaniert. "Wir versuchen diesen anderen Weg zu gehen, auch um die Mietpreise nicht ausreizen zu müssen."

Sieben Millionen Euro investierte die Stadtbau-Tochter WGS Stadtentwicklung GmbH. "Das hätte die Stadt nie schultern können", betonte OB Kurt Seggewiß. Geschäftsführer Günther Kamm bekannte: "Wir haben große Freude mit der Tochter." Die Summe ging in den Technologie-Campus, Sanierung von RAW-Verwaltungsgebäude, Wald in Franken, Festplatz und Allee-Tiefgarage sowie Kauf der Parkdecks Naabwiesen und Friedrich-Ebert-Straße.

Mit 1604 eigenen und 1518 verwalteten Wohnungen konnte die SGW Stadtbau GmbH im letzten Jahr 7,4 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Der Jahresüberschuss von 420 000 Euro geht in die Rücklagen. Die SGW sammelt Kraft für die Investitionen, die 2016 anstehen: Neubau des "Zentrum Hammerweg" auf dem Möstel-Grundstück (35 Wohnungen und fünf Stadthäuser), Entwicklung des neuen Bürohauses am Parkdeck Naabwiesen, Sanierung der 24 Wohnungen in der Brehmstraße 7 bis 11 sowie Bestandssanierung.

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