Jobcenter Weiden-Neustadt benötigt neue Ansatzmöglichkeiten im Hartz IV-Bereich für weiteren Erfolg
Positive Entwicklung stagniert

Geschäftsführer Wolfgang Hohlmeier (links) und sein Stellvertreter Harry Pöll leiten das Jobcenter Weiden-Neustadt. Sie können gute Zahlen präsentieren, doch für weitere Erfolge im Hartz-IV-Bereich benötigen sie neue Ansatzmöglichkeiten. Bild: sbü

Geburtstag wird meistens gefeiert. Nicht so beim Jobcenter Weiden-Neustadt. Vielleicht ist das Thema Hartz IV einfach zu ernst. Aber die Entwicklung der Fallzahlen muss nicht versteckt werden. Sie dokumentiert ein Stück Geschichte der Arbeitsmarktpolitik. Der Finanzaufwand ist jedoch enorm.

Weiden. (sbü) "Wir sind auf dem richtigen Weg, wenn auch noch die eine oder andere Nachbesserung erfolgen muss", sagte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß anlässlich des jetzt 10-jährigen Bestehens des Jobcenters Weiden-Neustadt. Eng mit der Geschichte des Jobcenters (siehe Kasten "Steckbrief) verbunden ist das Sozialgesetzbuch 2, vielfach als Hartz IV bezeichnet. Seine wichtigsten Inhalte traten am 1. Januar 2005 in Kraft.

Dieses Gesetz stellte einen der fundamentalsten Eingriffe in die bundesdeutsche Sozialgesetzgebung der Nachkriegszeit dar. Arbeitslosenhilfe-Empfänger und Sozialhilfe-Empfänger wurden damit unter ein gesetzliches Dach gestellt. Vor allem sollen sie an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Bis heute gibt es noch immer Diskussionen über dieses Gesetz, wenngleich die weit überwiegende Mehrheit zumindest die Zielrichtung bejaht. Und ein Bericht über die Entwicklung des Jobcenters Weiden-Neustadt ist Spiegelbild für Arbeitsmarktpolitik und -geschehen.

13,7 Prozent betrug die Arbeitslosenquote der Stadt Weiden, als die Verträge für die damalige Arge Weiden-Neustadt beziehungsweise das spätere Jobcenter unterschrieben wurden. 7,5 Prozent errechneten sich für den Landkreis Neustadt/WN. Zehn Jahre später liegen die Zahlen bei 6,3 Prozent (Weiden) und 3,4 Prozent (Neustadt/WN). Für Wolfgang Hohlmeier, Geschäftsführer des Jobcenters, ein Beleg, dass sich das Sozialgesetzbuch 2 positiv auswirkt. Das Jobcenter kümmert sich nicht nur um die arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger, sondern jeweils um die gesamte Bedarfsgemeinschaft und die erwerbsfähigen Leistungsbezieher.

Deshalb sind auch diese Zahlen zu betrachten. Sie zeigen ein ähnliches Bild: 2005 betreute das Jobcenter rund 4200 Bedarfsgemeinschaften, 2006 waren es 4700, heute sind es nur noch 3500. Erwerbsfähige Leistungsbezieher gab es 2005 rund 5800, kurz danach sogar 6600, jetzt sind es 4500. Diese Entwicklung kommentierte Arbeitsagentur-Chef Thomas Würdinger mit den Worten: "Der Erfolg ist eine geglückte Geschichte des Zusammenlegens der Kompetenzen von Kommunen und Arbeitsverwaltung." Landrat Andreas Meier sieht es ähnlich, wenn er sagt: "Die Mitarbeiter des Jobcenters sind vor Ort mit Kompetenz und Engagement für die Menschen da."

Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass seit rund drei Jahren die Entwicklung stagniert. Dass es sehr schwierig wird, im Hartz IV-Bereich weitere Erfolge zu erzielen, darauf deutet ein anderer Prozentsatz aus der Statistik hin. Nur noch 1,5 Prozent (71 Personen) haben ein "Marktprofil", das heißt, sie können vermutlich rasch auf dem Arbeitsmarkt eingegliedert werden.

Weiterhin hohe Kosten

Doch weitere Erfolge sind in Anbetracht des nach wie vor hohen Haushaltsmittelansatzes im Hartz IV-Bereich dringend erforderlich. Alleine für die Kosten der Unterkunft zahlten die Stadt Weiden vergangenes Jahr 7,7 Millionen und der Landkreis 4,8 Millionen Euro. 5,4 Millionen waren für den Verwaltungshaushalt des Jobcenters und 3,0 Millionen Euro für Eingliederungsmaßnahmen zugeteilt worden. 15 Millionen errechnen sich noch zusätzlich an Bundesmitteln für das Arbeitslosengeld II.
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