Kein Anschluss

Vergeblicher Versuch: Ohne Erfolg probierte der Fahrer dieses Autos am Dienstag die Elektrotankstelle im Naabwiesen-Parkdeck aus. Die Technik der Ladestation funktioniert seit einiger Zeit nicht mehr, soll aber in zwei Wochen ausgetauscht sein. Bild: Steinbacher

Leiser Motor, keine Abgase: Elektroautos versprechen viele Vorteile. Trotzdem müssen sie noch auf ihren Durchbruch warten. Auch in Weiden gibt es Schwierigkeiten. Nicht nur, wenn die einzige Stromtankstelle streikt - so wie momentan.

"Weil das für mich die Zukunft ist" - null Emissionen, keine Schmierstoffe, kaum Verschleiß: Deshalb habe er sich ein Elektro-Auto angeschafft, sagt Werner Dechant. Der Weidener fährt ein Modell des amerikanischen Premiumherstellers Tesla. Das Problem nur: Mit der Infrastruktur der Zukunft hakt es. Die einzige öffentliche Stromtankstelle in Weiden - im Parkhaus Naabwiesen - funktioniere seit Wochen nicht richtig, seit ein paar Tagen überhaupt nicht mehr, klagt Dechant.

Als Einheimischer hat der 50-Jährige die Möglichkeit, sein Auto auch noch anderswo aufzuladen. Notfalls über einen Haushaltsanschluss. Was aber mit Fahrern auf der Durchreise oder Auswärtigen, die zum Einkaufen kommen und sich auf die "E-Tanke" verlassen, fragt Dechant. Wenn der Akku leer ist, "dann können sie den ADAC rufen". Wohlgemerkt: "Man muss zufrieden sein, dass es überhaupt eine Elektrotankstelle gibt." Aber dahinter stehe ein grundsätzliches Problem: Die Infrastruktur reiche nicht. Eine öffentliche Tankstelle sei zu wenig. Und: Das stehe im Widerspruch zum erklärten Willen der Politik, E-Mobilität zu fördern.

Diese Förderung war für die Stadt auch 2012 der Grund, von den Stadtwerken die E-Tankstelle errichten zu lassen, die für Kunden des Parkhauses kostenlos ist. Die Verkehrsbehörde ließ damals sogar Hinweisschilder auf die Tankstelle extra anfertigen, weil es solche Tafeln noch nicht gab. Wirklich viel getan hat sich seither aber nicht. Gerade mal 12 Elektroautos sind derzeit in der Stadt zugelassen. Von 24 991 Pkw insgesamt, wie Klaus Hartung von der Zulassungsstelle erläutert. Immerhin: Die momentanen Probleme mit der Ladetechnik sind inzwischen bekannt. Ein neues Gerät ist bestellt. In 14 Tagen soll es installiert sein. Eine weitere Förderung in der Stadt wird es dagegen so schnell wohl nicht geben.

Eigene Parkplätze für E-Autos etwa, wie anderswo angedacht, seien für Weiden nicht geplant, erläutert Markus Dippold von der Verkehrsbehörde. Das sei letztlich zwar eine stadtpolitische Entscheidung. Bislang gebe es aber "keinen Bedarf, keine Nachfrage". Ob sich das ändert? Johanna Brown, beim Autohaus Geuß zuständig für E-Autos, berichtet zumindest von einem gestiegenen Interesse - wenn auch auf niedrigem Niveau. Umgekehrt gebe es natürlich noch immer viele Hemmnisse, zu denen auch die wenigen Lademöglichkeiten gehören. Ein Lichtblick mag da sein, dass sich die Kunden nicht nur aus praktischen Gründen oder wegen der niedrigen Verbrauchskosten für solche Autos interessieren. "Sondern auch, weil es ihnen um die Umwelt geht." (Hintergrund)
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