Keine Ausschüttung mehr von Maria-Seltmann-Stiftung
Stiftung von Porzellanunternehmerin vor Scherbenhaufen

Maria Seltmann Haus. Bild: hfz

Es ist eine Presseerklärung des Vorstands der Maria-Seltmann-Stiftung mit wenigen Zeilen. Diese Zeilen aber lassen viel Raum für Spekulationen: Ausschüttungen gibt es nicht mehr, heißt es. Dafür arbeiten Juristen und Wirtschaftsprüfer Sachverhalte aus der Vergangenheit auf.

Reihenweise Briefe schickte der Vorstandsvorsitzende der Maria-Seltmann-Stiftung in den vergangenen zwei Wochen raus. An Vereine, Verbände, Institutionen, Kulturschaffende. In allen steht das Gleiche: Geld gibt es keines: "Leider können Ihre Anträge von der Stiftung nicht bezuschusst werden." Es wird um Verständnis gebeten. Gründe nennt der Unterzeichner, Ludwig Zitzmann, in dem Schreiben nicht.

Dafür hat er eine Presseerklärung herausgegeben. Einen Zwölf-Zeiler, durch den vor allem eines klar wird: Die Seltmann-Stiftung steckt in der schwersten Krise ihres Bestehens. Von einer "Konsolidierungssituation" ist die Rede. Sie sei in die Wege geleitet worden, nachdem die Bilanz für das Geschäftsjahr 2014 erstellt wurde. Allerdings habe sie "ihre Ursache in der Vergangenheit". Weiter heißt es: Es "sind Sachverhalte aus vorangegangenen Jahren ermittelt worden, die derzeit eine Ausschüttung nicht zulassen. Verpflichtungen, die bestehen, werden eingehalten".

"Da steht alles drin"


Doch welche Sachverhalte sind gemeint? Wer erhält keine Ausschüttung mehr? Versiegt mit den Zuwendungen aus der Stiftung die wichtigste Geldquelle für das Maria-Seltmann-Haus? Jährlich erhält der Senioren-Treff der Stadt einen 125 000-Euro-Zuschuss. Würden diese Mittel nicht mehr wie gewohnt im Dezember fließen, stünde das Haus vor dem Aus. Was wird aus der Stiftungsprofessur an der OTH? Wie steht es um Kulturprojekte des Kunstvereins, des Keramikmuseums, des Heimatvereins und anderer Verbände, die die Seltmann-Stiftung bislang regelmäßig unterstützt hat?

Die Antwort des Stiftungsvorstands Zitzmann fällt schlicht aus: "Über die Presseerklärung hinaus möchte ich nichts sagen. Da steht alles drin."

Vor allem ist darin die Rede von Juristen und Wirtschaftsprüfern, die den neuen Stiftungsvorstand - Zitzmann teilt sich das Amt mit Rechtsdezernent Hermann Hubmann - bei der Aufarbeitung der Sachverhalte aus den vorangegangen Jahren unterstützten. Um welche Sachverhalte es geht, will Zitzmann auch nicht sagen. Er wiederholt sich: "In der Presseerklärung steht alles drin."

Bleibt Joachim Strehl. Er ist - neben Diplom-Finanzwirt Erich Löb - der Stiftungsvorstand der ersten Stunde. Von 1994, also nur kurz nach der Gründung der Maria-Seltmann-Stiftung zum 90. Geburtstag der Unternehmerin, bis 2014 wirkte er an der Spitze. Strehl aber hält sich auf Nachfrage bedeckt: "Ich kenne diese Presseerklärung nicht. Mit mir hat niemand hierzu gesprochen." Nach NT-Informationen aber ist Strehl bereits über eine unvorteilhafte Entwicklung bei der Seltmann-Stiftung während seiner Amtszeit in Kenntnis gesetzt worden. Strehl selbst streitet das ab: "Ich weiß von nichts. Ich habe auch nichts mehr mit der Stiftung zu tun. Ich möchte dazu keine Angaben machen."

Bleiben die Fakten: Ende 2013 belief sich das Vermögen der Seltmann-Stiftung auf 11,4 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach ist der Vermögensstand gesunken. Trotzdem wird der 125 000-Euro-Zuschuss fürs Seltmann-Haus ebenso fließen wie die Mittel für die Stiftungsprofessur an der Hochschule. Hierbei handelt es sich um bestehende Verpflichtungen. Jede Zuwendung darüber hinaus aber ist bis auf Weiteres gestrichen.

Wie aber konnte es so weit kommen? Die Seltmann-Villa, die nach dem Tod der Unternehmerin Maria Seltmann 2005 zum Teil an die Stiftung ging, könnte hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Seit Jahren wird versucht, für sie eine neue Nutzung zu finden oder sie zu veräußern. Nach NT-Informationen gibt es aktuell zwei Kaufinteressenten. Womöglich zeigt ihr Angebot, dass der Marktwert weit unter dem einst veranschlagten Wert liegt. Inwiefern daraus Regressansprüche gegenüber der ehemaligen Vorstandschaft abzuleiten sind, ist völlig unklar. In Erklärungsnot aber gerät sie allemal.

Aufarbeitung nötig


Am Ende aller "Aufarbeitung" soll aber, um auf den Wortlaut in der Presseerklärung zurückzukommen, "die Zuwendungsfähigkeit im Rahmen der gesetzlichen Erfordernisse wiederhergestellt werden". Wann das sein wird, interessiert die Nutznießer der Stiftung, die bis auf Weiteres schmerzlich auf die Unterstützung durch die Stiftung verzichten müssen, brennend.

Wann also rechnet der Stiftungsvorsitzende Zitzmann damit, dass die Aufarbeitung abgeschlossen sein wird? "Ich kann mich nur wiederholen: Über die Presseerklärung hinaus gibt es nichts zu sagen."
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