Knappes Gut
Tag der Ausbildung: Es gibt noch Reserven

Innerhalb von wenigen Jahren hat sich der Ausbildungsstellenmarkt komplett gewandelt. Bewerber für Ausbildungsstellen sind zum knappen Gut geworden. Doch noch gibt es Reserven, wie der bayerischen Tag der Ausbildung zeigte.

Die zentrale Veranstaltung für ganz Bayern fand im Neuen Rathaus in Weiden statt. Drei Themen standen im Mittelpunkt: Teilzeitausbildung, Inklusion und junge Flüchtlinge. Staatsministerin Emilia Müller vom Bayrischen Arbeits- und Sozialministerium betonte, dass Bayern fest zur dualen Ausbildung" stehe (siehe Seite 6). Auch die Ministerin sah in Bezug auf die drei Leitthemen der Tagung noch erheblichen Handlungsbedarf. Die Zahl junger Menschen, die eine Berufsausbildung in Teilzeitausbildung absolvieren, sei noch viel zu gering.

Hartnäckige Vorurteile


Auch sollten Arbeitgeber stärker motiviert werden, Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge bereitzustellen und dabei "offen zu sein, für deren Andersartigkeit". Schließlich stellte Ministerin Müller auch fest: "Behinderte profitieren noch viel zu wenig von der guten Situation am Arbeitsmarkt". Vorurteile gegen sie hielten sich noch hartnäckig. Dabei könnten Behinderte eine vollwertige Arbeitskraft sein. Müller plädierte deshalb ausdrücklich dafür, das Potenzial der Behinderten in der beruflichen Ausbildung zu nutzen.

In den einzelnen Referaten sowie in Fachforen wurden dann die drei Schwerpunktthemen der Tagung vertieft. Angelika Gössl, Leiterin des Stabes Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Regionaldirektion Bayern der BA, behandelte ausführlich das Thema Teilzeitausbildung. Im Jahre 2014 hätte es in ganz Bayern insgesamt nur 694 Auszubildende in Teilzeit gegeben. Sie konzentrierten sich hauptsächlich auf Oberbayern. Nur 42 zähle die BA-Statistik für die gesamte Oberpfalz, 38 für Niederbayern. Diesen sehr kleinen Zahlen stellte Gössl 10 000 Alleinerziehende ohne abgeschlossene Berufsausbildung in ganz Bayern gegenüber.

An vier Ursachen macht die Referentin dieses Missverhältnis fest. Vorrangig sei der Lebensunterhalt nicht ausreichend finanziert, wenn die Ausbildungsvergütung analog der Arbeitszeitverkürzung verringert würde und als Konsequenz nur der Hartz-IV-Bezug in Betracht käme. Außerdem bestehe vor allem bei Alleinerziehenden mit Schulkindern das Problem der Kinderbetreuung in Ferienzeiten.

Mangelnde Bereitschaft von Unternehmen für Teilzeitausbildung sowie Nachholbedarf bei der "Sensibilisierung von Berufsschulen und Berufsfachschulen und die fehlende Kinderbetreuung in den Blockschulzeiten" seien ebenfalls Hindernisse für Teilzeitausbildung. Gössl kündigte die modellhafte Einrichtung von Beratungs-, Unterstützungs- und Koordinierungsstellen für Teilzeitausbildung durch die Regionaldirektion an.

Für Monika Reichel, Beauftragte für Chancengleichheit im Jobcenter Weiden-Neustadt, scheitert Teilzeitausbildung häufig auch an fehlender Mithilfe der Großeltern oder anderer Netzwerke.

Mit Ausbildung Bleiberecht


Für das zweite Schwerpunktthema der Tagung, die Ausbildung junger Flüchtlinge, beschrieb Reinhold Gailer, Leiter des Einwohnermelde- und Passamtes der Stadt Weiden, den rechtlichen Rahmen. Im Regelfall könne fast jeder junge Asylbewerber mit Bleibeberechtigung nach dreimonatigem Aufenthalt eine Ausbildung antreten. Über den Weg der Ausbildung sei es sogar möglich, dass ein Bleiberecht entsteht. Asylbewerberklassen-Fachbetreuer Manfred Wichmann von der Europaberufsschule rät zu ergänzenden Unterstützungsmaßnahmen für Asylbewerber in Ausbildung wegen "Schwierigkeiten im theoretischen Fachunterricht".

Beim dritten Schwerpunktthema "Inklusion" forderte Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter der Stadt Weiden, eine "Änderung des gesellschaftlichen Denkens". Christian Gabler, Berater des Projekts "Wirtschaft inklusiv", empfahl Arbeitgebern sich mit den für Behinderte zuständigen Institutionen wie Integrationsamt, Arbeitsagentur oder andere in Verbindung zu setzen. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hatte eingangs die "Ausbildung als Schlüssel zur Persönlichkeitsentwicklung" bezeichnet.
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