Kommentar zu ATU
Unternehmen als Spielball internationaler Investoren

In diesen Tagen ringt das früher wachstumsstarke Unternehmen ATU aus Weiden um das Überleben. Das Schicksal der Werkstattkette dient als Blaupause dafür, was passiert, wenn internationale Finanzinvestoren schalten und walten können, wie sie wollen: Losgelöst von jeglicher gesellschaftlichen Verantwortung, ohne jede Ahnung vom operativen Geschäft, frei von sozialen Skrupeln.

In den Finanzzentren New York und London wird das Rad für ATU gedreht. Die Akteure hießen anfangs Doughty Hanson und KKR, aktuell Centerbridge, Babson Capital, Goldman Sachs, Davidson Kempner. In dieses Konglomerat der "ersten Adressen" von anglo-amerikanischen Investmentfirmen und Hedgefonds passt prima die Deutsche Bank, die kein Geschäft ausließ, und sei es noch so fragwürdig.

Wären die ATU-Mitarbeiter durch die Auslieferung an die Finanzinvestoren nicht so gebeutelt worden, könnte sich Schadenfreude einstellen: Die Eigner verbrannten seit ihrem Einstieg vor 14 Jahren mindestens den Kaufpreis von damals 1,45 Milliarden Euro. Mit ihrem aggressiven Gebaren stehen die Amerikaner den chinesischen Aufkäufern deutscher Mittelständler in nichts nach. Eigentlich ein Segen, dass das (undurchsichtige) transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zumindest vorerst ruht! Denn die "Investment-Gesellschaften" könnten dann noch radikaler agieren.

Das Beispiel ATU mit der geplanten Rettung durch die französische Mobivia Groupe zeigt die existenzielle Bedeutung europäischen Handelns: Europa als selbstbewusste Wirtschaftsmacht, damit die Unternehmen nicht zum Spielball werden.

clemens.fuetterer@oberpfalzmedien.de
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