Kommissarische Vernehmung: Wolfgang S. nicht in Kundendatei der ING Bank
Kein "Vergnügen" in Amsterdam

(ca) Die kommissarische Vernehmung in Amsterdam nahm dreieinhalb Stunden in Anspruch. Die 1. große Strafkammer hörte einen Juristen der ING Bank. Wolfgang Artur Franz S. wird nach seiner Auskunft nicht in der Kundendatei der Bank geführt, so die Verteidiger.

Für die Anwälte Jörg Jendricke und Helmut Miek ist ihr Mandant damit nicht automatisch bei Lügen ertappt worden: "Der ING-Zeuge hat auch gesagt, dass es im internationalen Zahlungsverkehr durchaus üblich ist, dass man ein Zwischenkonto zur Verfügung stellt." Der Name S. würde da nicht automatisch auftauchen. Der Banker habe zugesagt, mit anderen Parametern (etwa der exakten Höhe der Summe) noch einmal den Zahlungsverkehr zu durchforsten.

Landgerichtspräsident Walter Leupold ließ am Montag nichts zum Ergebnis der Vernehmung verlauten. Das Protokoll wird übersetzt. Aber er verwahrte sich gegen den Eindruck, die Kammer sei "reisefreudig": "So viel Vergnügen hat uns das nicht bereitet. Wir sind nachts angekommen und am nächsten Tag nachts wieder heimgekommen." Die Vernehmung sei notwendig gewesen.

Tatsächlich geht es um unermessliche Summen: 833 Millionen US-Dollar sollten laut Schriftverkehr von Wolfgang S. auf dem ING-Konto in Amsterdam zwischengelagert werden. Dazu gibt es eine Vereinbarung zwischen dem "ministry of China", der Bank und Wolfgang S. Zur Echtheit dieses Dokuments habe der Bankjurist laut Verteidigern nichts sagen können: Angeblicher Aussteller ist das chinesische Ministerium.

Altfälle aus Oberbayern

Ansonsten beschäftigte sich die 1. große Strafkammer am Montag noch einmal mit Altfällen aus den Jahren 2005 bis 2008. Damals hatte vor allem eine Frau aus Rosenheim in ihrem Freundeskreis für Wolfgang S. gesammelt. Diese fast ein Dutzend Altfälle sind verjährt und nicht Teil der Weidener Anklage. Aber sie summieren sich auch schon fast auf eine Million Euro Schadensumme. Plus eine Dunkelziffer, die nie amtlich wurde: Ein Geschädigter berichtete von einem guten Freund, der auch 25 000 Euro beigesteuert hatte.

In Weiden ist ein Gesamtschaden von 9,5 Millionen Euro angeklagt, 8,4 Millionen kamen allein von Michael S., damals Unternehmer im Landkreis Tirschenreuth. Seine Vernehmung wird am Mittwoch, 5. November, fortgeführt. Eigentlich hatte Michael S. schon im Juli aussagen sollen. Das Gericht hatte umgeplant, als man bemerkte, dass den Anwälten übersetzte Akten aus Spanien fehlten. Die Verteidiger hatten auch am Montag einen Beweisantrag auf Lager: Sie beantragten die Aussetzung des Hauptverfahrens, weil Wolfgang S. seine erste Ladung im Juli nicht ordnungsgemäß bekommen habe.
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