Konjunkturumfrage in Tschechien
Fachkräftemangel die größte Sorge

Prag. (nt/az) Die Wirtschaftslage in Tschechien ist nach Ansicht ausländischer, überwiegend deutscher Investoren ausgezeichnet. Das ergab die jüngste Konjunkturumfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK). Die Stimmungslage zeigt sich fast wieder so gut wie im Rekordjahr 2008, kurz vor der Krise. Die Unternehmen rechnen mit einer deutlichen Steigerung bei Beschäftigungszahlen, Investitionsausgaben und Löhnen. Aber die Umfrage enthält eine deutliche Warnung: Die mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften sehen die Investoren als den größten Standortnachteil.

Wie im Jahr zuvor würden wieder 92 Prozent der Investoren Tschechien als ihren Standort wählen. 56 Prozent der Unternehmen schätzen die Wirtschaftslage als "gut" ein. Ein Jahr zuvor war der Wert von 16 auf 29 Prozent gestiegen. "Die Wirtschaft hat sich zuletzt schon sehr gut entwickelt. Die Unternehmen blicken aber etwas vorsichtiger in die Zukunft", erklärt DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer.

Der Erfolg 2015 hängt auch mit der erfolgreichen Abschöpfung von EU-Mitteln zusammen. Beim Exportabsatz rechnen erneut knapp 40 Prozent mit einer Zunahme. 41 Prozent (8 Prozentpunkte mehr) rechnen mit einer Steigerung ihrer Investitionen. 44 Prozent der Firmen planen, im Jahresverlauf mehr Mitarbeiter einzustellen - eine Zunahme von 9 Prozentpunkte.

Die Konjunkturumfrage offenbart den dramatischen Fachkräftemangel. Den Standortfaktor "Verfügbarkeit von Fachkräften" verbannten die Unternehmen auf den letzten Platz von insgesamt 21 Faktoren: Ein Absturz um sieben Plätze. "Dies betrifft nicht nur hochqualifizierte technische F&E-Mitarbeiter, sondern auch Berufe in der Produktion", erklärt Pavel Roman, DTIHK-Vizepräsident. Entsprechend senkten die Firmen den Daumen für das tschechische Berufsbildungssystem, das die praktische Ausbildung nicht in die Unternehmen verlagert: Platz 16 im Faktoren-Ranking. Der Standortfaktor "Arbeitskosten" wurde auf Platz 10 verwiesen - ein Abfall um 6 Plätze.

Tschechien hat sich im mittelosteuropäischen Standort-Ranking von Polen den Platz 1 zurückgeholt. "Glänzen" kann Tschechien mit seiner Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer, allen voran in der Automobilindustrie. Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer sowie ihre Qualifikation belegen gleich danach Platz 3 und 4. Neu unter den Top-5-Faktoren ist die "Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik".
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