Konnersreuth: Kartoffelanbau noch immer rentabel für die Familie Grillmeier
Rohstoff für Chips

Monika Grillmeier (links) klaubt mit ihrem Mann Johann (Zweiter von links) und zwei Helfern Erdäpfel. Die Familie bewirtschaftet in Konnersreuth dieses Jahr fünf Kartoffelfelder mit einer Fläche von rund 14 Hektar. Bild: Norbert Grüner
 
Kartoffeln wachsen in den kuriosesten Formen. Diese sieht aus wie eine Hand. Bild: Claudia Brüderer

Langsam rutscht Johann Grillmeier auf den Knien über das Feld - an den Erdhügeln entlang. Vor, neben und hinter ihm liegen braune Knollen. Flink klaubt er die Kartoffeln in Körbe. Wie wichtig ist die Kartoffel noch für die regionale Landwirtschaft?

Suppe, Auflauf, Brei, Knödel, Chips oder Pommes Frites: Liegt die Kartoffel nicht mehr zwischen Erdbrocken und Regenwürmern auf dem Acker, köchelt sie in Bayern bereits im Wasser am heimischen Herd, brutzelt im Fett und raschelt in der Chipstüte. Oder sie liegt in Körben auf den Kartoffelmärkten und wird zur "Kirwa" mit Freunden verspeist.

2014 bauten die Landwirte laut Statistischen Bundesamtes deutschlandweit eine Fläche von 245 100 Hektar mit Kartoffeln an. Davon erstreckten sich 40 900 Hektar in Bayern.

Damit liegt der Freistaat bei dem Kartoffelanbau nach Niedersachsen auf dem zweiten Platz. "In der Oberpfalz steckten die Landwirte dieses Jahr auf 6616 Hektar Kartoffeln", weiß Theresia Addokwei vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Regensburg.

Gutes Kartoffel-Jahr

Die Kartoffeln kommen bei Johann und Monika Grillmeier, Betreiber des Kartoffel- und Gemüsehofs in Konnersreuth (Gemeinde Plößberg, Kreis Tirschenreuth), in die Erde, sobald der Acker im Frühjahr trocken ist. "Dieses Jahr war es für die Frühkartoffeln der 8. März. Die restlichen haben wir um den 20. April gesteckt", erklärt Grillmeier. "Es gibt da einen Spruch: ,Steckst me im Aprül, kumme e wenn e wüll, steckst me im Mai, kumme glei.'" Bei der Ernte holt eine Maschine die Knollen vorsichtig aus der Erde und legt sie auf den Acker. Dann wird geklaubt. "Dieses Jahr gibt es viele Kartoffeln. Die Erträge pro Hektar sind überdurchschnittlich. Wir rechnen mit rund 480 Dezitonnen", schätzt die Expertin für Landwirtschaft. "Eine Dezitonne sind Hundert Kilo."

Letztes Jahr lag die Ernte mit rund 377 Dezitonnen pro Hektar unter dem Durchschnitt. "2013 hat es im Sommer stark geregnet. Die Kartoffeln sind regelrecht ertrunken. Nach dem Regen verdorrten die Pflanzen, weil es zu heiß war", erklärt Addokwei. "Dafür waren die Preise höher, weil die Ernte geringer ausfiel. Dieses Jahr kostet ein 100 Kilo-Sack Kartoffeln auf dem freien Markt acht Euro. Letztes Jahr lag der Preis zur gleichen Zeit bei rund 18 Euro", vergleicht sie.

Auf dem freien Markt täten sich die Bauern aufgrund der niedrigen Preise heuer schwer. Sie bekämen für die gleiche Waren weniger Geld als im Vorjahr. Auch die Neueinsteiger hätten es nicht leicht. "Weil der Preis für Kartoffeln letztes Jahr hoch war, wollten einige ins Geschäft einsteigen. Sie mussten viel Geld für Geräte ausgeben und wollten mit der Ernte Kosten decken. In diesem Jahr bekommen sie weniger Geld, weil die Preise stark sinken", fügt sie hinzu.

Rentiert sich der Kartoffelanbau noch? Addokwei versichert: "Ja! Die Landwirte wissen, dass nach einem schlechten Jahr ein gutes folgt." Kartoffelbauern, die mit Firmen wie der Chips-Fabrik Lorenz Snack-World aus Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) Verträge abgeschlossen haben, seien im Vorteil, wenn die Preise niedrig sind. "Sie konnten einen festen Preis verhandeln und ihre Ware zu diesem Preis verkaufen. Der Preis liegt mit Sicherheit über dem am freien Markt", sagt sie.

Profit durch Variation

Die "Erdäpfelpfalz" habe noch einen Vorteil: "Die Wirtschaft profitiert von der breiten Produkt-Bandbreite. Die Chips-Fabrik stellt aus regionalen Kartoffeln Chips her. Das Unternehmen Burgi's aus Neumarkt/Opf. ist für den Kloßteig bekannt und die Stärke-Fabrik in Sünching produziert Stärke. Die Firmen beziehen Kartoffeln von den Bauern aus der Region und stabilisieren so die Wirtschaft."
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