Krise bei Maria-Seltmann-Stiftung: Geld fehlt
Ex-Vorstand die Entlastung verweigert

So schmuck wie einst (Bild von 2010) steht die Seltmann-Villa heute nicht mehr da. Nun scheint auch noch der Vermögensgrundstock der Maria-Seltmann-Stiftung erheblich angegriffen zu sein. Bild: Wilck (Archiv)

Die Mauer des Schweigens bröckelt. Die ehemaligen Vorstände der Maria-Seltmann-Stiftung geben eine Presseerklärung ab. Und auch der OB, der Kraft Amtes als Stiftungsratsvorsitzender fungiert, will zur Stiftungskrise gehört werden. Was er zu sagen hat, hat Sprengkraft. Nur eine entscheidende Stelle reagiert bislang nicht: die Stiftungsaufsicht der Regierung.

"Stiftung vor Scherbenhaufen" lautete die Schlagzeile am Mittwoch. Darunter ist zu lesen, dass Joachim Strehl, einer der beiden langjährigen Vorstände der Maria-Seltmann-Stiftung, sich zu den Problemen dort nicht äußern möchte. Das hat sich geändert. Er und sein damaliger Vorstandskollege Erich Löb geben noch am Mittwoch eine Presseerklärung ab - und zwischen den Zeilen sagt die viel aus.

So zitieren die Vorstände a. D. - wie sie sich bezeichnen - aus dem Schreiben der Regierung der Oberpfalz anlässlich ihres Ausscheidens aus dem Vorstand nach 20 Jahren im Juli 2014: "Besonders hervorheben möchten wir die Professionalität, mit der Sie die Stiftung verwaltet haben und die dazu geführt hat, dass die Stiftung in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken kann."

Um diese "hoffnungsvolle Zukunft" scheint es aktuell schlecht bestellt. Ausschüttungen gibt es bis auf Weiteres nicht mehr, weil entsprechende "Sachverhalte aus vorangegangenen Jahren ermittelt worden sind", teilte der aktuelle Vorstand Ludwig Zitzmann mit. Nur Verpflichtungen fürs Seltmann-Haus und die halbe Stiftungsprofessur für die OTH werden bedient (wir berichteten). Doch Strehl und Löb wollen damit nichts zu tun haben.

Sie verweisen auf die Übergabe der Stiftung 2014 an Nachfolger Josef Kallmeier (Porzellanfabriken Seltmann) und Ludwig Zitzmann (Sparkasse Oberpfalz Nord). Dabei sei das Grundstockvermögen der Stiftung "durch eine Erbschaft und durch jahrelange Rücklagenbildung erhöht und ungeschmälert in Höhe von 11,5 Millionen Euro nominal wie real übergeben" worden.

Wo ist das Vermögen?


Genau hier widerspricht OB und Stiftungsratsvorsitzender Kurt Seggewiß ausdrücklich: "Die von uns beauftragten Wirtschaftsprüfer haben festgestellt, dass das Vermögen zu Beginn 2014 real und nominal nicht mehr ungeschmälert war und dem Altvorstand deshalb keine Entlastung erteilt werden konnte."

Dazu verweisen Strehl und Löb auf die Jahresabschlüsse der Stiftungen, die bis 2013 von diversen Stellen wie vom Rechnungsprüfungsamt der Stadt, von der Stiftungsaufsicht der Regierung und Finanzbehörden geprüft und nicht beanstandet worden seien. "Anmerkungen und Hinweise wurden behandelt und im Stiftungsrat besprochen."

Damals sei aber auch kein externer Wirtschaftsprüfer von der Vorstandschaft beauftragt worden, merkt Seggewiß kritisch an. Damals wie heute hätten aber auch schon andere in der Mitverantwortung gestanden, betonen Strehl und Löb. Sie nennen von 1994 bis Juni 2014 alle namentlich. Zum Beispiel Seggewiß, Inge Seltmann (noch amtierend) oder Steuerberater Hans Grochowina. Auch bereits Verstorbene wie OB Hans Schröpf oder Stiftungsgründerin Maria Seltmann führen sie auf.

Doch wo ist das Geld der Stiftung geblieben? Dazu äußert sich Seggewiß nicht. Strehl und Löb dagegen führen an, dass alle Anlagen im Grundstockvermögen (Kauf, Verkauf, Einlösung) nach Beratung durch die depotführenden Banken, nämlich der Hypo VB und der Sparkasse Oberpfalz Nord, durchgeführt worden seien. Zudem betonen sie, dass der Verkauf der Seltmann-Villa 2007 bereits notariell verbrieft werden sollte. Der Einspruch des Bauausschusses und die anschließende Intervention des Denkmalamtes hätten den Verkauf gestoppt. In der Folge "scheiterten alle Verkaufsversuche".

Und was sagt die Stiftungsaufsicht der Regierung zur Krise der Seltmann-Stiftung? Bislang nichts. Bis Redaktionsschluss blieb sie eine Stellungnahme schuldig.

Die Presseerklärung der Vorstände a.D. im WortlautPresseerklärung der Vorstände a.D. Joachim Strehl und Erich Löb zu den Berichten "Stiftung vor Scherbenhaufen" und "Rätsel um Wohltäterin" vom 30. März:

1. Vom Januar 1994 bis Juni 2014 haben die Vorstände Joachim Strehl und Erich Löb die Stiftung verwaltet. Stiftungsratsvorsitzende waren in dieser Zeit Maria Seltmann (Stiftungsgründerin), Hans Schröpf (Oberbürgermeister) und Kurt Seggewiß (Oberbürgermeister). Stiftungsräte waren Erhard Apelt (Steuerberater), Johannes Bargel (Prokurist), Hans Grochowina (Steuerberater), Christian Seltmann sen. (Fabrikant) und Inge Seltmann.

2. Die Übergabe der Stiftung erfolgt im Juni 2014 an Josef Kallmeier (Porzellanfabriken Seltmann) und Ludwig Zitzmann (Sparkasse Oberpfalz Nord). Das Grundstockvermögen der Stiftung wurde durch eine Erbschaft und durch jahrelange Rücklagenbildung erhöht und ungeschmälert in Höhe von 11,5 Millionen Euro sowohl nominal wie real übergeben. Der Jahresabschluss 2014 wurde durch den neuen Vorstand erstellt.

3. Die Jahresabschlüsse der Stiftung zwischen 1994 und 2013 wurden durch das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Weiden (Beschluss des seinerzeitigen Stiftungsrates mit Zustimmung der Regierung der Oberpfalz), durch die Regierung der Oberpfalz als Stiftungsaufsicht sowie durch die Finanzbehörden in steuerlicher Hinsicht (alle drei Jahre) geprüft. Anmerkungen und Hinweise in den Prüfungsberichten wurden behandelt und im Stiftungsrat besprochen.

4. Alle Anlagen im Grundstockvermögen (Kauf, Verkauf, Einlösung) der Stiftung wurden nach Beratung durch die depotführenden Banken HypoVB und Sparkasse Oberpfalz Nord durchgeführt.

5. Der Verkauf der Seltmann-Villa war 2007 bereits mit der Erbengemeinschaft Seltmann besprochen und sollte notariell verbrieft werden. Auf Einspruch des Bauausschusses der Stadt Weiden wurde der Verkauf gestoppt. Danach wurde das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege tätig und stellte die Villa unter Denkmalschutz. Alle Verkaufsversuche scheiterten.

6. Der Form halber wird festgestellt, dass die Förderung des Sports nicht in der Satzung der Stiftung steht und deshalb auch nicht praktiziert wurde.

7. Am 9.7.2014 wurde dem ausgeschiedenen Stiftungsvorstand mit Schreiben der Regierung der Oberpfalz mitgeteilt: "Besonders hervorheben möchten wir die Professionalität, mit der Sie die Stiftung verwaltet haben und die dazu geführt hat, dass die Stiftung in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken kann".
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