Landwirte nach Aus- und Weiterbildung selbstbewusst - "Landwirtschaft so nebenher funktioniert ...
Weit jenseits vom "Bauer sucht Frau"-Niveau

Die Prüfungsbesten hatten alle eine 1 vor dem Komma (von links): Thomas Eichenmüller, Landwirtschaftsdirektor Josef Schmidt, Lisa Sollfrank, Markus Seibold, Margarete Lösl, Harald Heinl, Elisabeth Forster-Schlagenhaufer und Leitender Landwirtschaftsdirektor Willibald Götz. Bild: gf
"Die Öffentlichkeit hat von der Landwirtschaft ein vollkommen falsches Bild", sagte Leitender Landwirtschaftsdirektor Willibald Götz bei der Abschlussfeier für die Teilnehmer des "BiLa"-Kurses (Bildungsprogramm für Landwirte) und die Auszubildenden in diesem Beruf. Auch Lisa Sollfrank als Absolventensprecherin verwahrte sich dagegen, dass der Beruf des Landwirts auf das primitive Niveau von "Bauer sucht Frau" reduziert werde.

Götz betonte im Gasthof Kopf, ohne fundiertes Wissen komme ein Landwirt heute schnell ins Schleudern. Die notwendige Schulung erfolge über eine direkte Ausbildung zum Landwirt oder über "BiLa" (für jeden, der schon einen außerlandwirtschaftlichen Berufsabschluss habe). Von den 36 "BiLa"-Kurs-Teilnehmern unterzog sich laut Götz die Hälfte der Abschlussprüfung Landwirtschaft. Klassisch über drei Jahre erstrecke sich die Regelausbildung zum Landwirt, die zehn junge Leute aus der Region absolvierten.

260 Stunden "BiLa"-Kurs

Der "BiLa"-Kurs vermittelte laut Landwirtschaftsdirektor Josef Schmidt über zwei Jahre hinweg zweimal wöchentlich im Landwirtschaftsamt eine solide Grundausbildung. Ein Nahrungsmittelproduzent müsse heute qualifiziert sein: "Landwirtschaft so nebenher funktioniert nicht mehr." In den 17 "BiLa"-Bausteinen mit insgesamt 260 Stunden, verteilt auf 90 Abende oder Wochenenden, ging es um Pflanzenbau, tierische Erzeugung und Waldbau.

Redegewandt bedankte sich Lisa Sollfrank namens der Absolventen bei den Ausbildern. Ein bunt gemischter Haufen, bei dem alle schon eine Berufsausbildung hinter sich hatten, habe vor zwei Jahren begonnen, sich auf den Beruf Landwirt vorzubereiten. Es sei nicht darum gegangen, den individuellen Blaumann- oder Latzhosen-Stil zu finden, sondern zu zeigen, "dass die Sprossen der Karriereleiter auch in Gummistiefeln erklommen werden können". Das Wissen um die Landwirtschaft sollte erweitert werden, aber nicht auf ein Niveau, das auf "Bauer sucht Frau" vorgegaukelt werde.

Da sei es nicht nur um Gras, Mais oder Heu gegangen, sondern oft um "ruminale Stickstoffbilanz" oder Trockenmasse, Follikel, Brunst und Verdauung. Den Ackerboden könne man nicht vom Feldweg aus beurteilen, meinte Lisa Sollfrank: "Da muss auch mal Erde in die Hand genommen werden." Doch auch ohne Kenntnisse in Betriebsführung, Wirtschaftslehre, über Abschreibung, Fix- und variable Kosten komme der Landwirt nicht mehr aus. Viel Zeit verbringe er in der Fahrerkabine seiner Fahrzeuge, aber auch hinter dem Schreibtisch.

Mit Verbrauchern reden

Prüfungsauschuss-Vorsitzender Werner Wendl betonte, dass das Leistungsniveau bei Auszubildenden und "BiLa"-Kurs-Teilnehmern nahezu gleich sei. Der CSU-Landtagsabgeordnete Harald Schwartz sagte, der Berufsstand des Bauern präge Bayern. Für Landrat Richard Reisinger ist die Landwirtschaft "zeitlos und zukunftsträchtig", denn Lebensmittel und Energie würden immer benötigt. Laut Bürgermeister Franz Birkl braucht die Landwirtschaft junge Menschen, die ihr Zukunft geben. Dieter Dehling, Kreisvorsitzender des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung, hält die Kommunikation mit dem Verbraucher für unbedingt nötig, denn nur dann bringe der dafür Verständnis auf, dass ein Landwirt am Wochenende oder tief in der Nacht ernten müsse und mit Schwerfahrzeugen unterwegs sei.

Willibald Götz, der Leiter des Landwirtschaftsamtes, hielt fest: "Landwirtschaft findet in der Öffentlichkeit und für die Öffentlichkeit statt." Viele passten auf und redeten mit, weil sie glaubten, es besser zu wissen. Da müsse der Landwirt seine Kompetenz wahrnehmen und fundierte Informationen an den Verbraucher bringen, gegebenenfalls eine Betriebsbesichtigung anbieten.
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